Richtungsstreit beim Innenstadtring

Bitburg · Während die einen auf Rücksichtnahme im Ring bauen und damit gut klarkommen, halten andere das Verkehrskonzept für eine Katastrophe. Die Debatte unter den TV-Lesern reißt nicht ab. Am Mittwoch kommt der Verkehrsausschuss zu einer ersten Bewertung zusammen.

Linksrum oder rechtsrum? Unser Foto zeigt die Weggabelung des Innenstadtrings am Ende des Borenwegs. TV-Foto: Dagmar Schommer

Bitburg. Gegensätzlicher könnten die Stimmen nicht sein. Der Innenstadtring ist ein Projekt, das auch die TV-Leser in Befürworter wie Gegner spaltet:

Agnes Müller (Bitburg): "Als Hoteliers sind unsere Erfahrungen mit dem Ring überwiegend negativ. Hotelgäste finden erst nach zig Rundtouren zum Ziel, da der Ring nicht vom Navigationsgerät erkannt wird. Wir haben schon öfters Gäste telefonisch navigieren müssen. Selbst viel fahrende Geschäftsleute finden die Verkehrsführung katastrophal. Auch einheimische Gäste erzählen, das sie den Ring meiden."

Margit Elsen (Bitburg): "Als Fußgänger und Autofahrer finde ich den Ring gut. Für die Radfahrer müsste generell etwas mehr in der Innenstadt getan werden, nicht erst seit dem Ring. Auch der Fußgängerüberweg Glockenhäuschen/Dauner Straße müsste deutlicher gekennzeichnet werden. Hier laufen viele Fußgänger noch die alten Wege."

Norbert Esch (Burbach): "Gerade angesichts der vielen Kreisel hätte man den Problemzonen des Innenstadtverkehrs mit besseren Mitteln als einem Ring zu Leibe rücken können. Die ehemals langen Staus in der Trierer Straße ließen sich mit einer Fußgängerbrücke vermeiden. Die alte Verkehrsführung könnte so ohne die Ampel am Zangerles Eck reibungslos funktionieren."
Walburga Leuschen (Bitburg): "Eine wunderbare Straßenführung, wenn jeder ein wenig auf den Verkehrsnachbarn achtet. Der Ring läuft noch runder, wenn die beiden Baustellen im Karen- und Borenweg abgeschlossen sind. Als Radfahrerin habe ich keine Probleme beim Spurenwechsel. Bitte noch ein halbes Jahr Testphase durchhalten."

Hans Mann (Bitburg): "Sehr gefährlich sind die Einmündungen von Beda-, Peters-, Erdorfer und Hauptstraße in den fließenden Verkehr. Ferner sind die sinnlos vorgeschriebenen Rundtouren ärgerlich: Möchte man von der Kölner Straße zur Liebfrauenkirche oder Richtung Friedhof, muss man einmal den ganzen Ring umkreisen. Was Fußgänger und Radfahrer angeht: Wohl dem, der es sicher schafft."

Axel Simon (Bitburg): "Das Verkehrskonzept ist gut, weil es den Verkehr verflüssigt, beruhigt und die Umwelt schont. Der Ring ist im Kontext der geplanten Nord-Ost-Tangente zu sehen, mit der der Berufs- und Schwerverkehr perspektivisch um die Stadt herumgeführt werden soll. Der Zeitpunkt der Testphase ist insofern nicht glücklich gewählt. Aber vor allem die Fahrer selbst könnten durch mehr Rücksichtnahme und weniger Tempo den Ring sicherer machen. Das Design sollte visualisiert werden, weil das Provisorium tatsächlich abschreckend wirkt."

Dieter Olk (Bitburg-Stahl): "Die Kritiker des Rings haben keine wirklichen Argumente. Niemand wurde auf dem Ring ernsthaft verletzt. Der Ring ist also nicht so bedrohlich, wie manche tun. Dass Menschen immer wieder vor Veränderungen zurückschrecken, ist nichts Neues. Deshalb aber den Ring aufzugeben statt fertigzustellen, wäre eine vertane Chance. Garantiert nicht für jeden, aber für die Stadt."

Hans Neumann (Bitburg): "Der Ring stranguliert die Kernstadt. Man kommt schwer rein und das Verlassen der Innenstadt fordert an Schakengasse, Ludesgasse und Pelzers Gässchen starke Nerven und viel Geduld. Die zwei Fahrspuren samt der Verflechtungsrennen sind gefährlich und für Ortsunkundige kaum zu bewältigen. Die Verkehrsberuhigung durch den Kreisel am Konrad-Adenauer-Platz fehlt jetzt. Das ehemals angenehme Städtchen Bitburg wirkt auf Behinderte, Ältere und Touristen ungastlich und abweisend bis bedrohlich."

Maria Mertes: "Als ständiger Besucher der Stadt Bitburg befürworte ich absolut den Innenstadtring."

Egon Kirchen (Baustert): "Vom Aldi und Edeka komme ich im Kreisel öfters in Schwierigkeiten, weil dort Fußgänger die Überwege gemächlich nutzen und der ganze Verkehr stoppen muss. Das Einfädeln macht mir keine Schwierigkeiten. Für meine kurzen Einkäufe in der Fußgängerzone benutze ich gern die neuen Parkplätze. Spurwechsel sind bei Tempo 30 problemlos. Eine bessere Anbindung der Trierer Straße zum Beda-Platz fände ich gut."

Karl-Heinz Monshausen (Brühl in Baden, ehemals Bitburg): "Die Stadt muss wissen, was sie mit dem Ring bezwecken will. Er hat positive und negative Auswirkungen. Man kommt wesentlich schneller durch die Stadt, aber die Einbahnführung erlaubt an vielen Stellen keine direkten Wege und als Fußgänger ist man zum Freiwild geworden." schoExtra

Die Industrie- und Handelskammer Trier hat eine Umfrage zum Innenstadtring unter Bitburger Mitgliedsbetrieben gemacht. Von 755 Unternehmen haben sich 194 beteiligt. Es wurde unterschieden, ob ein Betrieb im Stadtzentrum oder außerhalb siedelt. Am Ring: 66 Prozent geben an, dass sich die Erreichbarkeit ihrer Betriebe seit Einführung des Rings verschlechtert habe; 59 Prozent geben an, dass sich der Ring auf die wirtschaftliche Lage negativ ausgewirkt habe. 58 Prozent finden zudem, dass sich der Verkehrsfluss verschlechtert hat. 73 Prozent sind gegen eine Fortführung des Ringverkehrs. Außerhalb: 79 Prozent geben an, dass der Ring auf die Erreichbarkeit ihres Betrieb keine Auswirkungen hat oder sich diese verbessert hat. Für 81 Prozent hat der Ring keinen Einfluss auf die wirtschaftliche Lage. 56 Prozent finden, dass sich der Verkehrsfluss durch den Ring verbessert hat. 52 Prozent sind gegen eine Fortführung des Ringverkehrs. Alle Ergebnisse unter: <%LINK auto="true" href="http://www.volksfreund.de" class="more" text="www.volksfreund.de"%>