1. Region
  2. Bitburg & Prüm

Ring-Gegner fordern Bürgerentscheid: 150 Teilnehmer bei Grünen-Veranstaltung - Scharfe Kritik an Bürgermeister und Gewerbeverein

Ring-Gegner fordern Bürgerentscheid: 150 Teilnehmer bei Grünen-Veranstaltung - Scharfe Kritik an Bürgermeister und Gewerbeverein

Dass der Stadtrat im September mehrheitlich für eine Verlängerung der Innenstadtring-Testphase gestimmt hat, stößt bei vielen Bitburgern auf Unmut. Zu den Gegnern des Rings gehören neben der SPD auch die Grünen. Letztere haben am Freitagabend zu einer Bürgerversammlung ins Haus der Jugend eingeladen. Gut 150 Menschen haben teilgenommen.

Bitburg. Als Peter Berger, Stadtratsfraktionsvorsitzender der Grünen, zu Beginn der Veranstaltung erwähnt, dass sich Joachim Kandels für seine Abwesenheit entschuldigt habe, geht lautes Gelächter durch den Raum. Ein Großteil der Anwesenden scheint nicht wirklich damit gerechnet zu haben, dass der Bürgermeister kommt. Ins Haus der Jugend. In die Höhle des Löwen.
Wilfried Ebel von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Trier nennt das Veranstaltungsformat "ungewöhnlich" - und meint damit wohl die Tatsache, dass die Veranstaltung, zu der die Bitburger Stadt-Grünen an diesem Freitagabend eingeladen haben, keine neutrale Infoveranstaltung, sondern eine gegen den Innenstadtring ist. Ebel\'s Aufgabe: die Ergebnisse der Umfrage zum Bitburger Innenstadtring im Detail zu erläutern (siehe Extra) - und die untermauern die Argumente der Ringgegner.

Viele von denen, die seinerzeit befragt wurden, sind anwesend: Einzelhändler, die seit Beginn der Testphase des Innenstadtrings im September 2013 über sinkende Umsatzzahlen klagen. Bürger, die ein Problem mit der Verkehrsführung und all ihren Begleiterscheinungen haben und darüber hinaus auch wenig Verständnis dafür, dass der Stadtrat Ende September mit 15 zu zehn Stimmen eine Verlängerung der Testphase beschlossen hat.Sinkende Umsatzzahlen


"Ich weiß nicht, was sich die Verantwortlichen der Stadt dabei gedacht haben, das gegen jede Vernunft durchzusetzen", kritisiert Willi Schmitz, Anwohner des Rathausplatzes. Werner Lehnen wohnt nicht in Bitburg, betreibt aber in der Josef-Niederprüm-Straße seit 2007 das Sportfachgeschäft Intersport und zudem bereits weitaus länger eine weitere Filiale in Daun. "Seit dem Start unseres Geschäfts in Bitburg war es eigentlich immer so, dass der Umsatz hier deutlich stärker war als in Daun", sagt Lehnen. Doch mit der Einführung des Innenstadtrings habe sich das geändert. Er spricht von einem Umsatzrückgang im zweistelligen Prozentbereich.Applaus für Vorschläge


Lilly Pott, die in der Bitburger Innenstadt zwei Bekleidungsläden betreibt und wie viele stationäre Einzelhändler mit der zunehmenden Konkurrenz durch den Online-Handel zu kämpfen hat, drückt ihren Unmut noch deutlicher aus: "Das Internet sticht dem Einzelhandel einen Dolch in den Rücken. Und die Stadtratsmitglieder drehen nun diesen Dolch noch im Kreis." Pott ärgert sich wie viele andere darüber, dass weder der Bürgermeister noch die Riege der verantwortlichen Ratsmitglieder noch der Vorsitzende des Gewerbevereins, Edgar Bujara, erschienen sind. Überhaupt fühlen sich einige der Händler, die sich zu Wort melden, vom Gewerbevereinsvorstand im Stich gelassen.
Mehrfach ist an diesem Abend die Forderung nach einem Bürgerbegehren zu hören. Genau wie die Anregung von Marlene Weber, die in der Petersstraße ein Malerbedarfgeschäft betreibt. Sie schlägt vor, gegen den Innenstadtring öffentlich zu demonstrieren und bekommt dafür viel Applaus. Nach gut zweieinhalb Stunden endet die Veranstaltung. "Wir rufen auch Befürworter des Rings auf, sich zu Wort zu melden", hatte Grünen-Mitglied Hubert Klein im Verlauf der Veranstaltung ausdrücklich erwähnt. Gefolgt ist dieser Aufforderung jedoch keiner. Es gibt wahrscheinlich Orte, an denen eine Pro-Innenstadtring-Äußerung besser ankommt als in diesem Raum. Ein Raum, an dessen Wänden große Plakate mit mehreren hundert Unterschriften gegen den Ring hängen und auf dessen Tischen massenweise Anti-Innenstadtring-Aufkleber liegen.Extra

Hanno Blatzheim kritisiert, dass die Innenstadt durch die "zweispurige Rennstrecke" geteilt werde, der Ring an sich aber nichts bringe. "Wenn wir Verkehrsspitzen haben, dann steht der Verkehr auch mit Ring überall", sagt er. Bernd Pütz betreibt in der Poststraße ein Reisebüro. "Wir lebten in unserem Reisebüro immer zu 30 Prozent von den Amerikanern", sagt Pütz. Doch seit der Einführung des Innenstadtrings würden keine Amerikaner mehr kommen. "Die dümmsten Kälber wählen sich den Metzger selbst", sagt Josef Koster und bezieht sich auf die Wahl des Stadtrats im Sommer und der anschließenden Entscheidung dieses Stadtrats, die Testphase des Innenstadtrings zu verlängern. Nils Köhl ist mit 15 Jahren einer der Jüngsten bei der Veranstaltung. Als Radfahrer sei es lebensgefährlich, auf dem Ring zu fahren. Köhl: "Es regelt sich nicht, wenn wir hier einfach nur sitzen bleiben. Wir müssen aufstehen und uns wehren." uheExtra

IHK-Befragung: An der Umfrage der IHK Trier zum Innenstadtring haben sich von 755 angeschriebenen Bitburger Betrieben 194 beteiligt. Wie IHK-Mitarbeiter Wilfried Ebel erklärt, sei das mit mehr als 25 Prozent Beteiligung eine vergleichsweise gute Rücklaufquote. 42 Prozent der Teilnehmer sind der Meinung, dass sich ihre Erreichbarkeit verschlechtert habe, wohingegen lediglich 16 Prozent von einer Verbesserung der Erreichbarkeit sprechen. Der Verkehrsfluss in der Stadt hat sich nach Ansicht von 38 Prozent verbessert, acht Prozent sehen keinen Unterschied und 54 Prozent eine Verschlechterung. Fazit der IHK: "Mit Blick auf die Ergebnisse können wir eine Fortführung nicht empfehlen." uhe