Ritter Kuno und die Malberger

Ritter Kuno und die Malberger

MALBERG/KYLLBURG. TV-Leser Manfred Dziallas, der aus der Eifel stammt und in Elchingen bei Ulm lebt, schreibt in unserer Reihe "Ortsgeschichten" über historische Figuren aus dem Kyllburger Land.

Die Einwohner Malbergs werden in den umliegenden Ortschaften meist als "Kunos" bezeichnet. Der Fremde mag sich wundern, wie es zu diesem Spitznamen kam. Ursprünglich wird der Name "Kuno" von alteingesessenen Kyllburger Bürgern, seit langer Zeit und auch heute noch, als Schimpfwort und Synonym für einen Raubritter, für die flussabwärts lebenden Nachbarn gebraucht. Die Malberger revanchieren sich ihrerseits mit "Schmino" (Wächter/Wärter). Der Geschichte um Ritter Kuno liegt ein im Laufe der Zeit durch falsche Interpretationen aufgetretener Fehler zugrunde. Jedem müsste es eine Ehre sein, diesen Namen tragen zu dürfen. Ritter Kuno von Malberg nannten seine Zeitgenossen "Kuno den Großen". Er erlangte große Berühmtheit im Waffendienst. Im Alter von 40 Jahren nahm er am zweiten Kreuzzug teil, zu dem Bernhard von Clairvaux aufrief. Dieser Waffengang wurde zum religiösen Erlebnis für ihn. Kuno trat nach seiner Heimkehr als Mönch ins Kloster Himmerod ein. Dort wirkte er noch einige Jahre und starb um 1180 bei einem Gottesgericht, als sein Abt ihn mit dem Auftrag bedachte, einen gestohlenen Hengst von dem Dieb zurück zu verlangen. Der Raubritter aus dem Haus Malberg hieß Rudolf. Wie es dazu kam, erzählt folgende Geschichte: 1236 war Agnes, Herrin der Feste Malberg, ohne männliche Erben im Kloster St. Thomas gestorben. Sie hatte fast alle herrschaftlichen Güter an die Abtei verschenkt. Ihr Brudersohn Rudolf hatte mit Hilfe Walrams Herzog von Limburg, Graf zu Lützelburg (Luxemburg), die Herrschaft Malberg zum Lehen erhalten. Nun war er im Besitz der Burg und einiger Landstriche, aber ohne Gut und Geld, um seinen Besitz zu unterhalten. So forderte er ohne Umschweife Agnes' Hinterlassenschaft vom Kloster St. Thomas zurück. Er bedrängte die Nonnen so, dass sie zum Erzbischof von Trier flohen. Der kümmerte sich erst spät um die Anliegen der Ordensfrauen. Erst als Walram in Fehde mit dem Erzbischof von Köln lag, hatte er die Hände frei, um einzugreifen. Nach langer Belagerung der Burg Malberg wurde Rudolf schließlich mit Waffengewalt durch die kurtrierischen Truppen bezwungen. Im darauf folgenden Jahr begann Erzbischof Theoderich II mit dem Bau der Kyllburg auf dem "Kiliberg". So hoffte man, die Schritte des ungeliebten Nachbarn besser überwachen und frühzeitig eingreifen zu können. Vom Straßenräuber zum Klosterbewohner

Rudolf störte dieser Umstand wenig. Er überfiel von Zeit zu Zeit fahrende Händler, welche die Weinstraße benutzten, und befehdete die inzwischen nach St. Thomas zurück gekehrten Nonnen. Anno 1254 wurde die Reichsacht über ihn verhängt. Um 1265 trat er, wie schon sein Ahn, "geläutert" ins Kloster Himmerod ein, gab die Güter zurück und starb bald darauf eines frommen Todes. Das Kylltal um Malberg und Kyllburg war nur ein "Nebenkriegsschauplatz" im ständig andauernden Streit zwischen Kurtrier und Luxemburg. Die Landeshoheit der Herrschaft Malberg wechselte im Verlauf der Jahrhunderte oft zwischen beiden Parteien. Der lokalpatriotische Effekt blieb. Aus heutiger Sicht hat Rudolf nur für sein Recht gekämpft. Das er trotz Niederlage sein Raubrittertum weiter betrieb, lag sicher auch an den Umständen und Gegebenheiten seines Wesens und seiner Zeit. Der Ruhm des großen Vorfahren Kuno hat beide zu einer Person verschmelzen lassen. Der heutige Malberger mag sagen: " Ich bin stolz, ein ,Kuno' zu sein!" Welchen der beiden Ritter er meint, soll er selbst entscheiden. Wenn auch Sie eine historische Anekdote kennen, den Namen eines Hauses oder einer Straße erklären können oder zu einem historischen Ereignis eine persönliche Geschichte zu erzählen haben, schreiben Sie unter dem Stichwort "Stadtgeschichten" mit Namen, Adresse und Telefonnummer an die E-Mail-Adresse eifel@volksfreund.de. Wichtig ist, dass Ihre Geschichte höchstens 60 Druckzeilen umfasst.