Nach acht Jahren : Letzter Gottesdienst Ende April: Warum Pfarrer Berthold Fochs Rittersdorf verlässt

Nach acht Jahren verlässt der leitende Pfarrer die Pfarrei St. Matthias Südliche Eifel und wechselt in die Seelsorge des Mutterhauses in Trier. Diese Entscheidung ist ihm nicht leicht gefallen – es gibt aber einen ernsten Grund.

Es ist eine traurige Nachricht für viele Gemeindemitglieder, die sie im Pfarrbrief Ende November erreicht: „Zum 30. April 2023 endet meine Aufgabe als leitender Pfarrer der Pfarrei und Kirchengemeinde St. Matthias Südliche Eifel“, schreibt Berthold Fochs darin.

Gründe für den Stellenwechsel von Berthold Fochs

Leicht gefallen sei ihm dieser Schritt nicht, erklärt der Pfarrer im TV-Gespräch. Doch dringend notwendig war er. Denn ungefähr ein halbes Jahr nach dem Antritt seines Amts im Mai 2015, damals noch in der Pfarreiengemeinschaft Rittersdorf, erkrankte Berthold Fochs schwer. Ein bösartiger Tumor im Magen. „Es ist zwar alles gut jetzt“, sagt er. Nach der nötigen Operation habe es aber lange gedauert, bis er wieder auf den Beinen war. „Und meine ursprünglichen Kräfte habe ich einfach nicht mehr erreicht“, sagt Fochs ehrlich.

Diese Transparenz ist ihm wichtig: „Meinen Leuten gegenüber mache ich das immer.“ Deshalb erklärt er den Gläubigen auch offen, warum ihn jetzt gesundheitliche Gründe dazu bewegen, seine Stelle zu wechseln. Die Vielfältigkeit seines Berufs kostet einfach zu viel Energie.

Vielfältige Aufgaben als leitender Pfarrer

Denn als leitender Pfarrer hat Berthold Fochs viele Aufgaben, vor allem in der Verwaltung. Die nehme eigentlich bis zu 70 Prozent seiner Zeit ein, die Seelsorge nur etwa 30 Prozent, erklärt er. Zur Verwaltung zählen zum Beispiel die Teilnahme an Räten und Gremien und der Haushalt der Pfarrei, aber auch, sich um Gebäude-Baustellen zu kümmern. Dabei sind immer wieder Ortstermine notwendig, zum Beispiel an der Kita Wißmannsdorf, die beim Hochwasser im Juli 2021 überflutet worden ist.

Viel zu tun also – zu viel. Die Ärzte raten Berthold Fochs auch schon länger dazu, einen Gang zurückzuschalten. Einen Burn-Out hatte er zwar noch nicht, sagt er. „Aber wer weiß, wie lange der Weg dahin noch ist.“ Eigentlich hat Fochs auch schon länger mit dem Gedanken gespielt, die Stelle zu wechseln, seit 2020 etwa.

Die größten Herausforderungen in der Pfarrei St. Matthias Südliche Eifel

Aber dann kam die Corona-Pandemie. Zum einen wurde es dadurch etwas ruhiger, Sitzungen fielen zum Beispiel aus oder fanden online statt. „Und ich wollte meine Leute nicht im Stich lassen“, sagt Berthold Fochs. Die Pandemie sei die schwierigste Zeit in der damaligen Pfarreiengemeinschaft gewesen, vor allem durch die vielen unterschiedlichen Regelungen, die für Gottesdienste galten.

2021 kam dann die nächste große Herausforderung: die Fusion der ehemaligen Pfarreiengemeinschaft Rittersdorf zur Pfarrei St. Matthias Südliche Eifel, die zum 1. Januar 2022 in Kraft trat. Auch dafür blieb der Pfarrer. Bis er dann, nach langem Überlegen und Abwägen, die Entscheidung zum Stellenwechsel traf.

Für ihn geht es ab dem Sommer 2023 in Trier weiter. Denn Berthold Fochs wird Leiter der Seelsorge des Klinikums Mutterhaus der Boromäerinnen und betreut dann dort gemeinsam mit dem Pastoralen Team der Klinikseelsorge etwa 3000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie die Patientinnen und Patienten. Er wird unter anderem auch in der Klinikorganisation mitarbeiten.

Kein leichter Abschied für Berthold Fochs

Der Abschied aus Rittersdorf ist für Berthold Fochs nicht leicht. „Das ist eine lebendige Pfarrei hier, ich gehe ungern weg“, sagt er. Und lobt die vielen Ehrenamtlichen, den Diakon, die Gemeindeassistentin und die Sekretärinnen, mit denen allen er gerne zusammenarbeitet.

„Die schönste Zeit war die Kinder- und Jugendarbeit“, sagt der Pfarrer. Vor Corona sei man jedes Jahr weggefahren, nach Bayern oder Norddeutschland zum Beispiel. Auch das Unterrichten hat Fochs Spaß gemacht. Positiv in Erinnerung geblieben ist ihm außerdem die große Hilfsbereitschaft nach dem Hochwasser im Juli 2021, das auch Rittersdorf hart getroffen hat.

Trotz allem freut sich der 55-Jährige auf seine neue Stelle in der Klinikseelsorge. Was genau ihn dort erwartet, außer den beschriebenen Aufgaben, das weiß er noch nicht. „Aber dieses noch nicht wissen, das ist das, worauf ich mich freue. Ich reagiere gerne kreativ“, sagt er.

Wie seine Nachfolge in der Pfarrei St. Matthias Südliche Eifel aussehen wird, ist noch nicht geklärt. Erste Reaktionen nach dem Pfarrbrief, in dem er seinen Weggang öffentlich gemacht hat, hat Berthold Fochs aber schon bekommen. Und die sind alle geprägt von Bedauern, aber absolutem Verständnis, berichtet der Pfarrer: „Die Leute sagen oder schreiben: ‚Das ist schade. Ich kann Sie aber verstehen, die Gesundheit geht vor.’“