Robert Lürtzener, 41 Jahre lang Pfarrer in Prüm, ist gestorben.

Nachruf : Ein Mann von klarer Haltung

Prüm und die Pfarreiengemeinschaft trauern um Robert Lürtzener: Der langjährige Pfarrer und frühere Dechant ist kurz vor seinem 78. Geburtstag gestorben.

Er hätte am Sonntag seinen 78. Geburtstag gefeiert – aber Robert Lürtzener erlebte ihn nicht mehr. Die Gläubigen in Prüm und den elf weiteren Orten der Pfarreiengemeinschaft trauern um ihren ehemaligen Dechanten und langjährigen Pfarrer, der vorige Woche plötzlich und unerwartet starb.

Prüm war seine erste und einzige Pfarrstelle, nach einer kurzen Zeit als Kaplan im Westerwald: 1971 trat er sie an, kurz vor seinem 30. Geburtstag – und er blieb bis zum Eintritt in den Ruhestand im März 2012. Eine erste Mission in der Abteistadt hatte er abgelehnt: Das Bistum Trier hatte ihn, kurz nach seiner Weihe zum Priester 1967, zum Chef des damaligen Konvikts machen wollen. Lürtzeners Antwort, so erzählte er vor sieben Jahren im Gespräch mit dem TV: „Um Gottes willen – tun Sie mir das nicht an!“ Ein Internat leiten, das wollte er nicht, auch wegen seiner eigenen Erfahrungen in einer solchen Einrichtung.

Die Priesterstelle aber, die übernahm er gern – am 19. Oktober 1971. Und versah seinen Dienst in der Stadt und den anderen Pfarreien 41 Jahre lang.

Eine Zeit, in der ihm neben der Seelsorge eine weitere große Aufgabe zufiel: die Renovierung der Basilika, die er gelegentlich auch in Sturmnächten durchmaß, um mit dem Handscheinwerfer nach neuen Schäden zu suchen.

Schon 1975 war klar: Es musste etwas geschehen. Mir der Fassade fing es an – und mit einem Pfarrfest, das damals das nötige Geld brachte. 80 000 Mark sollte der Anstrich kosten. Und weil auch die Prümer Vereine damals mithalfen, kam genau diese Summe zusammen. Und man gründete den Förderverein der Basilikafreunde, der bis heute unermüdlich für die Erhaltung des Wahrzeichens sammelt, das zuletzt, im vorigen Jahr, auch innen saniert werden konnte. Auch das gehört zum Erbe des ehemaligen Pfarrers.

Robert Lürtzener, am 1. Dezember 1941 im Weinort Klotten an der Mosel geboren, war kein „Häär“, der mit dem rhetorischen Flammenschwert predigte und richtete. Die Prümer erlebten ihn als bedächtigen Mann mit leisem, aber deutlich vorhandenem Humor – und als Geiger im Kammerorchester, dem er bis 2008 angehörte.

Aber er konnte hartnäckig sein, das bewies er nicht nur bei der Renovierung der Basilika. Und er hatte keine Angst, Haltung zu zeigen, auch wenn es ihm Probleme eintrug. Am deutlichsten wurde das 1995, als er für einen weltoffeneren Umgang der Kirche mit dem Zölibat plädierte. Das Ergebnis, angesichts der heutigen Diskussionen ums Thema kaum vorstellbar: ein Heidenärger. Inklusive böser, anonymer Anrufe und Stress mit dem Bistum. Am Ende trat Robert Lürtzener vom Amt als Dechant zurück. Seine Haltung aber änderte er nicht: Die Kirche, sagte er vor sieben Jahren im TV, „ist nicht um ihrer selbst willen da“.

Auch aus dem Ruhestand heraus konnte er sich engagieren, ebenfalls nicht zur ausschließlichen Freude seiner Oberen: 2018, als die Prümer wegen der Arbeiten in der Kirche, zu Gottesdiensten über die Dörfer gehen mussten, setzte er sich dafür ein, dass wenigstens in der Konviktkapelle Messen gehalten werden sollten (der TV berichtete).

Seinen letzten großen Gottesdienst feierte Robert Lürtzener gemeinsam mit Bischof Stephan Ackermann: Bei der Feier zur Wiedereröffnung der sanierten Prümer Salvator-Basilika im September.

Das Sterbeamt für Robert Lürtzener ist am Mittwoch, 4. Dezember, 14.30 Uhr, in der Basilika, anschließend erfolgt die Beerdigung.

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