Rockmusik statt Orgelklänge

PRONSFELD. Rockmusik im Gotteshaus: Das ist zumindest bei der Jugendmesse in Pronsfeld nichts Ungewöhnliches. In der gut gefüllten Kirche warteten auf die Jugendlichen aber noch weitere Überraschungen.

 Symbolische Demutshaltung: Jugendpfarrer Herbert Lucas wäscht Gläubigen die Füße.Foto: Rebecca Schaal

Symbolische Demutshaltung: Jugendpfarrer Herbert Lucas wäscht Gläubigen die Füße.Foto: Rebecca Schaal

Dass dieJugendmesse an Gründonnerstag in Pronsfeld keine Messe wie jedeandere ist, hat sich im Prümer Raum mittlerweile schon herumgesprochen. Trotzdem, oder wahrscheinlich gerade deshalb, stehtJugendpfarrer Herbert Lucas an diesem Abend vor voll besetztenKirchenbänken. Einige Besucher haben keinen Sitzplatz mehrergattert. Sie lassen sich davon jedoch nicht abschrecken undbleiben eben stehend in der Kirche. Schon beim ersten Lied wirdklar, warum: Statt besinnlicher Orgelmusik spielt die Band "PantsDivine" Totos "Child's Anthem". Es folgt die "Deutschland suchtden Superstar"-Hymne "We have a dream", die während desGottesdienstes hin und wieder erklingt. Pfarrer Lucas erläutert den Besuchern, was es damit auf sich hat: "Unser Motto lautet heute Abend ,Deutschland sucht den Superdiener'. Klar, dass wir Jesus suchen, der nun wirklich alles andere als ein Superstar war."

Auch die anschließende Predigt gestaltet Lucas anders als sonst. Statt von der Kanzel zu sprechen, läuft er durch die Reihen. Statt endloser Monologe gibt es Unterhaltung mit den Jugendlichen. Nach dem Vorbild des Abendmahls fordert er manche auf, sich von ihm die Füße waschen zu lassen. "Jesus hat nicht machthungrig im Luxus gelebt. Er hat sich klein gemacht und anderen die Füße gewaschen. Deshalb ist er der wahre Star", sagt der Pfarrer. "Solidarität zeigen kann jeder."

"Pants divine" interpretieren Frieden und christliche Nächstenliebe auf ihre Weise: mit dem Blues-Brothers-Hit "Everybody needs somebody" und Nenas "99 Luftballons". Ein Auftritt in einer Kirche - wer wäre dazu besser geeignet, als eine Band, deren Name übersetzt "göttliche Hosen" bedeutet. Kein Wunder also, dass Herbert Lucas die Bandmitglieder wegen ihres überzeugenden Auftritts zum Schluss doch noch zu "Superstars" ernennt. Eine Auszeichnung, der sich die Besucher anschließen. "Die Musik war richtig gut, obwohl die Akustik in der Kirche nicht so toll war. Außerdem war es super, dass die Leute in der Messe mit einbezogen wurden", sagt Marcel Richards (14) aus Pronsfeld. Das sieht Julia Knörr (20) aus Stadtkyll ähnlich: "Die ganze Atmosphäre war total locker. Das war mal was ganz anderes als sonst."