Römer-Schätze hinter Mülltonnen

Römer-Schätze hinter Mülltonnen

BITBURG. Verdeckte Spuren: Der Archäologische Rundweg in der Bitburger Innenstadt zeigt Reste des spätrömischen Kastellgemäuers, aber auch neuzeitliche Gegenstände, die einiges davon verbergen.

"Zu erkennen ist die Innenfront der Kastellmauer zwischen Turm K und südlichem Kastelltor." So steht es auf Tafel 16 des Archäologischen Rundweges Römisches Bitburg, die sich im Kobenhof, einer Seitenstraße der oberen Fußgängerzone befindet. Der archäologisch interessierte Betrachter dieses Hinweisschildes ist bereits auf den Weg dorthin gut beraten, wenn er über zwei wesentliche Eigenschaften verfügt: Weitsichtigkeit und Nachsichtigkeit. Weitsicht deshalb, weil die Distanz zwischen Schild und Leser möglicherweise durch ein davor parkendes Auto in einem zum Lesen ungeeigneten Abstand erhöht wird. Nachsicht deshalb, weil der auf der Tafel angesprochene lokale Bezug angesichts der dort abgestellten Fahrzeuge nicht einfach nachzuvollziehen ist. Daher ist eine weitere Eigenschaft durchaus von Vorteil: Fantasie. Die Reste des Kastellturmes K und die daran angrenzende Mauer ist eine der wenigen Stellen der ehemaligen Römermauer in Bitburg, das einst Beda hieß, an denen erhaltenes antikes Mauerwerk auch sichtbar ist - nicht zuletzt weil die Stadt hier vor knapp zwei Jahren 10 000 Euro in die Sanierung des historischen Erbes gesteckt hat. 340 nach Christus soll das wehrhafte Kastell mit Mauern, Türmen und Toren gebaut worden sein. Baujahr 1979 ist der graue Müllcontainer, der am historischen Parkplatz im Kobenhof an der Mauer steht und irgendwie so gar nicht dorthin passt. Wenige Meter weiter östlich befinden sich in einer Ecke des Platzes vor der Tourist-Information vor einem weiteren antiken Mauerrest auch weitere dualsystematische Behältnisse. Dass hier irgendwann römische Soldaten die Straße zwischen Trier und Köln beschützt haben sollen, wird nur durch ein weiteres Hinweisschild auf einer schmutzigen Hauswand deutlich. "Wenn die Sache auf Privatgelände steht, haben wir ein Problem", sagt Werner Krämer von der Stadtverwaltung, dessen Arbeitsplatz in unmittelbarer Nähe des Mauerstückes zwischen Kastellturm F und G liegt. Natürlich sei man bemüht, den Eindruck vom einstigen Mauerverlauf dem Touristen so anschaulich wie möglich zu machen, doch ein großer Teil des sichtbaren oder im Kataster eingetragenen Bauwerkes befinde sich nun mal auf Privatgelände. "Damit müssen wir vorsichtig umgehen." Dabei hat sich die Stadt in der Restauration des archäologischen Rundweges durchaus Mühe gegeben. Dort, wo das einstige Gemäuer den heutigen Straßenverlauf durchkreuzt, wurden hellere Pflastersteine auf dem Boden verarbeitet, hin und wieder tauchen unverputzte Mauerreste in Häuserfronten auf. Allerdings entsteht auch an einigen Stellen der Eindruck, als seien übrig gebliebene Pflastersteine lieblos in Zementgemisch zu Mauerstücken geformt worden, über die man sich nicht wundern würde, wenn die Teil des Pflasters der Fußgängerzone wären. 16 Stationen zählt der "Archäologische Rundweg Römisches Bitburg", zu dem neben Kastellmauer auch Steindenkmäler und Teile eines Entwässerungskanals im nördlichen Teil der Fußgängerzone sowie ein Modell des spätrömischen Kastells gehören. Ob der Rundweg in seiner heutigen Form ein touristisches Highlight ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Fest steht: Einer der am stärksten frequentierten Bereiche dürfte Kastellturm C sein: Dort befindet sich eine öffentliche Toilette.

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