Römische Geschichte der Eifel: Wer war Lucius Gamburio?

Geschichte : Römische Geschichte der Eifel: Wer war Lucius Gamburio?

Zwei Historiker haben römische Inschriften untersucht, und dazu gemeinsam mit dem Geschichtlichen Arbeitskreis des Bitburger Lands ein Buch veröffentlicht.

Wenn ein Mann 50 000 Denare stiftet, dann muss er vermögend sein, sehr vermögend sogar. Lucius Ammiatius Gamburio war das allem Anschein nach. Das zumindest geht aus der Inschrift einer alten Steintafel an der Bitburger Römermauer hervor. Dort ist zu lesen, dass Gamburio unter anderem zu Ehren des göttlichen Kaiserhauses für den Unterhalt eines Theaters gespendet haben soll.

Das war im zweiten Jahrhundert nach Christus. Von dem Theater ist nichts mehr zu sehen. Es gibt auch keine Hinweise darauf, wo es in Bitburg gestanden haben könnte. Genauso wenig weiß man über Lucius Ammiatius Gamburio. Wer war er? Und vor allem: Warum hatte er so viel Geld?

Patrick Reinard und Sascha Weiler sind dieser Frage und vielen weiteren nachgegangen. Die Historiker der Universität Trier haben mehr als 140 Inschriften aus der südlichen Eifel untersucht und ihre Ergebnisse in Zusammenarbeit mit dem Geschichtlichen Arbeitskreis Bitburger Land in einem Buch veröffentlicht. Bei einer Präsentation im Kreismuseum geben sie den rund 60 Besuchern der Veranstaltung einen Einblick in ihre Forschung.

„Seinem Wohlstand nach zu urteilen, könnte Lucius Ammiatius Gamburio ein Händler gewesen sein“, sagt Reinard. Allerdings gebe keine der untersuchten Inschriften Hinweise auf rege Handelsbeziehungen zwischen dem Bitburger Raum und anderen Regionen, wie beispielsweise Köln. „Bis auf wenige Ausnahmen scheinen die Menschen keine weiteren Wege auf sich genommen zu haben“, sagt der Historiker: „Entgegen früherer Annahmen wissen wir heute, dass das, was hier produziert wurde, für den lokalen Handel und nicht für Regionen am Rhein bestimmt war.“ Wie der Gönner zu seinem Reichtum kam, bleibt also ein Rätsel.

Dass es in der südlichen Eifel zu Römerzeiten Sklaven gegeben hat, dazu haben die Forscher nur einen Nachweis gefunden. Und der stammt, wie Weiler erklärt, aus einer Grabschrift in Welschbillig. Dem göttlichen Manen, dem Primanius Ursulus, dem besten Freigelassenen, ist dort in lateinischer Sprache zu lesen. „Wenn man einen Sklaven freilässt, dann zeugt das von  Reichtum“, sagt Weiler. Überhaupt scheint es in der Eifel auch in wirtschaftlich schweren Zeiten durchaus Wohlstand gegeben zu haben. „Wir finden in den Inschriften keine Hinweise auf eine Wirtschaftskrise im dritten Jahrhundert“, erklärt Reinard. Es gebe lediglich Indizien für eine politische Krise. Darüber hinaus belegten die in Stein gemeißelten und im gesamten Kreisgebiet verteilten Angaben, dass das Untersuchungsgebiet vor allem landwirtschaftlich genutzt worden sei. Und dass es zwischen dem Vicus Beda, also dem römischen Ursprung des heutigen Bitburg, und dem Umland, gesellschaftliche Unterschiede gegeben habe.

Im Buch „Inschriften aus Bitburg und der südlichen Eifel aus der Römerzeit“ rekonstruieren die Autoren anhand lateinischer Inschriften aus 51 Gemeinden das wirtschaftliche, gesellschaftliche und politische Leben in der Eifel zu Zeiten der Römer. Zudem werfen sie einen Blick auf die Infrastruktur, insbesondere auf die Straßen- und Flusswege.

Erhältlich ist das 400-seitige Werk (Preis: 29,90 Euro) im Rathaus der VG Bitburger Land und in der Geschäftsstelle in der Bibliothek der Dr.-Hanns-Simon-Stiftung.