Römische Säulen von Bitburger Baustelle landen im Steinbrecher

Bitburg · Bei den Erdarbeiten zum Bau einer Wohnanlage im Bitburger Görenweg sind Arbeiter allem Anschein nach auf Stücke einer oder mehrerer antiker Säulen gestoßen. Unglücklicherweise wurden die Sandsteinteile gemeinsam mit dem anderen Abbruchmaterial abtransportiert und entsorgt. Das Landesmuseum untersucht nun das Gelände.



Für Markus Thiel ist es eine Sensation. "Einen Teil der römischen Geschichte Bitburgs wird man womöglich neu schreiben müssen", sagt der Grabungstechniker des Landesmuseums Trier. Denn das, was er auf den Fotos gesehen hat, sieht tatsächlich aus wie Stücke einer antiken Säule. "Und zwar einer Säule, wie wir sie in dieser Massivität in Bitburg noch nie gefunden haben", fügt er hinzu. Das Dumme ist nur: So wie es derzeit aussieht, muss sich das Landesmuseum mit den Fotos begnügen. Denn die vermeintlichen Säulenstücke, die vergangene Woche im Görenweg bei Erdarbeiten zum Vorschein kamen, sind mit hoher Wahrscheinlichkeit im Steinbrecher gelandet. Sie wurden genau wie der Bauschutt auf einen LKW geladen, von der Baustelle auf das ehemalige Maurer-Gelände an der Saarstraße transportiert, wo ein mobiler Steinbrecher alles zerkleinert.

Vielleicht aber tauchen die Teile noch auf. Denn neben dem Brecher liegt ein großer Haufen, der von der Baustelle stammt, aber noch nicht behandelt wurde. All zu große Hoffnungen macht sich Bitburgs Bauamtsleiter Bertold Steffes jedoch nicht. "Das Problem ist, dass die Teile an diesem Tag mit der letzten Ladung zum Brecher gefahren wurden", sagt er. Dort seien sie dann auf den Haufen geschüttet worden. Und wie es nun mal bei Haufen so ist, liegt in der Regel das oben, was zuletzt drauf kommt. Und in diesem Fall ist das laut Steffes auch das, was am nächsten Tag zuerst im Schredder landet.

Steffes selbst wurde Mitte vergangener Woche von Anwohnern der Baustelle informiert. Diese hatten Tage zuvor auf dem Gelände der ehemaligen Villa Müller, wo nun eine Wohnanlage entstehen soll, die ausgebuddelten und auf einem Haufen liegenden Teile gesehen und auch fotografiert - und dann plötzlich festgestellt, dass das historische Baumaterial auf einmal verschwunden ist.

Für Stadtratsmitglied Stephan Garcon, der sich seit Jahren mit der Geschichte Bitburgs beschäftigt und der genau wie Steffes kontaktiert wurde, ist unbegreiflich, wie so etwas passieren konnte. Gleichzeitig aber ist er auch erstaunt über den Fund. "Bisher war völlig unbekannt, dass sich römische Massivbauten so weit außerhalb der bisher bekannten römischen Siedlungsstrukturen befunden haben", sagt er. Um zu retten, was zu retten ist, hat er direkt am nächsten Morgen das Landesmuseum in Trier alarmiert.

Bei den Erdarbeiten kamen aber bislang nicht nur die vermeintlichen Säulenteile, sondern auch Mauerreste zum Vorschein. "Und zwei sehr große Pfostenlöcher", wie der Grabungstechniker erklärt. Diese deuten laut Thiel auf ein sehr großes Bauwerk hin. Dass es sich bei dem Fundort möglicherweise um den lange gesuchten Standort des antiken Theaters handelt, das der Römer Gamburius den Bitburgern im zweiten Jahrhundert gebaut haben soll (siehe Extra), ist nicht auszuschließen, wie Thiel einräumt. Es könnte aber auch etwas ganz anderes sein, fügt er hinzu. Nähere Erkenntnisse sollen nun archäologische Untersuchungen auf dem Baugelände bringen, mit denen laut Landesmuseum am heutigen Montag begonnen wird.

"Es ist natürlich unglücklich, dass die Fundstücke im Brecher gelandet sind", sagt Thiel. Doch wichtiger als die Teile selbst sei letztlich die Information, die man daraus gewinnen könne. Dem Bauträger Eifel-Haus könne man jedenfalls keinerlei Vorwürfe machen, sagt Thiel. Das Unternehmen habe das Landesmuseum von Anfang an über die Baumaßnahme informiert und zeige sich auch jetzt sehr kooperativ. Es gebe im Zuständigkeitsbereich des Landesmuseums einige Baustellen, sodass man aufgrund des begrenzten Personals auch nicht immer und überall präsent sein könne, so Thiel. Zudem habe keiner damit gerechnet, an diesem Standort auf einen solchen Fund zu stoßen.Extra

All zu viel ist über Lucius Amatius Gamburius nicht überliefert. Doch soll Gamburius Bitburg im Jahr 198 ein Theater mit Ehrenloge geschenkt haben, damit dort jährlich Spiele zu Ehren der Göttin Flora stattfinden konnten. Wo dieses Theater allerdings errichtet wurde, ist bis heute ein Rätsel. Dass es dieses Theater aber gegeben haben muss, beweist eine Inschrift auf einem Stein, die davon kündet, dass ein Mann die gewaltige Summe von 50000 Denar für den Bau und Unterhalt des Theaters gestiftet hat. Ein Replikat dieses Steins steht auf dem kleinen Parkgelände gegenüber dem Hotel Eifelbräu. uhe