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Rückkehr in die alte Heimat

Rückkehr in die alte Heimat

Er ist Prümer, lebt seit 1990 in München und liebt die Bratsche: Wolfgang Berg (57). Nun stattet er der Eifel einen musikalischen Besuch ab. Zusammen mit fünf Kollegen der Münchner Philharmoniker gestaltet er am Samstag, 26. November, um 19 Uhr ein Sonderkonzert im Haus Beda. Und gratuliert dem Haus damit zum 40-jährigen Bestehen. TV-Redakteurin Ulrike Löhnertz hat mit Wolfgang Berg gesprochen.

Bitburg/Prüm. Endlich. Nach mehr als 20 Jahren macht Wolfgang Berg, der Prümer, der Mitglied der Münchner Philharmoniker ist, wieder einen musikalischen Ausflug in seine alte Heimat. Warum das so ist und was ihn daran reizt? Lesen Sie mehr im folgenden Interview.Herr Berg, weshalb spielen Sie Bratsche und nicht ein anderes Instrument?Berg: Mein Vater, Engelbert Berg, Lehrer am Regino-Gymnasium und Vollblutmusiker, war Geiger. So habe ich mit fünf Jahren angefangen, Geige zu spielen. Mit zwölf habe ich dann zusätzlich Bratsche gespielt und lange Zeit beides parallel gemacht. Mit 15 habe ich mich endgültig für die Bratsche entschieden.Warum?Berg: Weil ich groß bin und die Bratsche in den Orchestern, in denen ich damals spielte, gebraucht wurde. Ich bin Vollblutbratscher und verstehe nicht, warum dieses Instrument oft so stiefmütterlich behandelt wird. Denn es hat einen weicheren und dunkleren Klang als die Geige und ist ein wunderbares Instrument in der Mittellage. Sie sprachen eben von Ihrem Vater, der von 1958 bis zu seinem plötzlichen Tod 1985 das Musikleben in der Eifel stark mitgeprägt hat. Was ist das Wichtigste, was Sie von ihm über Musik gelernt haben?Berg: Ganz einfach. Musik gehört zum Leben. Wenn man Musik macht, ist man nicht allein. Sie ist eine Art Sprache, in der sich alle verstehen, egal woher sie kommen. Man lernt immer wieder neue Leute kennen, mit denen man Musik erleben und sich austauschen kann.Sie leben seit mehr als 25 Jahren in München. Welche Verbindung haben Sie noch in die Eifel?Berg: Persönlich noch einige, musikalisch eher wenige. Seit etwa 20 Jahren bin ich dort nicht mehr aufgetreten. Deshalb freut es mich umso mehr, dass ich nun in Bitburg die Gelegenheit dazu habe.Apropos, wie kam der Kontakt zum Haus Beda eigentlich zustande?Berg: Ich gehöre zu einem Ensemble mit Solisten der Münchner Philharmoniker, und unser Solotrompeter Guido Segers kommt aus Belgien. Er hat gerade ein neues Festival in Belgien ins Leben gerufen, wo wir am Sonntag, 27. November, spielen. Da dachte ich, es sei schön, das mit einem Auftritt in der Eifel zu verbinden. Ich habe ein bisschen herumtelefoniert, und so entstand der Kontakt zum Haus Beda, das ich eigentlich von früher nur dem Namen nach kannte.Warum fiel dann die Entscheidung, ausgerechnet dort zu spielen?Berg: Das war gar nicht schwer. Denn gleich die erste Begegnung mit den Verantwortlichen des Hauses war so offen und herzlich, so was erlebe ich selten. Und ich habe sehr viel Kontakt zu Veranstaltern. Die Bitburger sollten wissen, welch tolles Haus sie da haben.Sie engagieren sich stark für junge Musiker und auch für junges Publikum in den Konzertsälen. Wie würden Sie bei jungen Leuten Werbung für das Konzert in Bitburg machen?Berg: Ich würde mich freuen, wenn viele junge Leute das Konzert besuchen. Einfach, um tolle Musik zu hören. Auch, wer sonst keine klassische Musik hört, wird Spaß haben, weil es einfach eine wunderbare Musik ist. Ich mache bei meiner Jugendarbeit in München oft die Erfahrung, dass gerade Kinder und Jugendliche, die wenig mit Klassik zu tun haben, zum Beispiel zwei Stunden lang mucksmäuschenstill in "Peter und der Wolf" oder "Die Zauberflöte" sitzen. Ich selbst höre auch gerne Jazz und Popmusik, aber auch Klassik. Das widerspricht sich nicht.Was erwartet das Publikum in Bitburg?Berg: Das wird ein ganz tolles Konzert. Wir spielen im Stehen, sehr solistisch. Auf dem Programm stehen virtuose Barockwerke, unter anderem von Corelli, Bach und Vivaldi. Das ist festliche Musik, gespielt von einem hervorragenden Ensemble. Allein unser Trompeter Guido Segers ist einer der besten, den ich kenne.Worauf freuen Sie sich am meisten in Bitburg?Berg: Auf vieles. Darauf, alte Bekannte und Freunde wiederzusehen, auf ein tolles Konzert in einem schönen Saal und auf ein tolles Publikum. Und vielleicht wird aus dem neuen Kontakt in die Eifel ja noch mehr. Daraus könnte sich musikalisch was entwickeln. Das würde mich sehr freuen. utzExtra

Wolfgang Berg (57) wurde in Prüm geboren. Im Alter von fünf Jahren bekam er den ersten Violinunterricht beim Vater Engelbert Berg. Er begann sein Bratschenstudium in Köln und schloss dieses in Aachen mit dem Konzertexamen ab. Seit 1990 ist er Mitglied der Münchner Philharmoniker und konzertiert mit dem Philharmonischen Streichsextett München sowie dem Philharmonischen Kammerorchester München seit vielen Jahren regelmäßig im In- und Ausland. 2006 war Berg Mitbegründer des Odeon-Jugendsinfonieorchesters München; er kümmert sich seitdem um die Belange des Jugendorchesters - organisatorisch, als Dozent und als künstlerischer Mentor. red Extra

Das festliche Adventskonzert mit den Solisten der Münchner Philharmoniker findet am Samstag, 26. November, um 19 Uhr im Haus Beda statt, das in diesem Jahr sein 40. Jubiläum feiert. Auf dem Programm stehen "Perlen der Barockmusik" in wechselnden Besetzungen - vom Duo bis zum Oktett. Zu hören sind Werke von Arcangelo Corelli, C. P. E. Bach, Giuseppe Tartini, Antonio Vivaldi, Charles Avison und Domenico Scarlatti. Karten: Städtische Bibliothek der Dr.-Hanns-Simon-Stiftung, Brodenheckstraße 13 bis 15, Bitburg, Telefon 06561/964513; unter <%LINK auto="true" href="http://www.ticket-regional.de" text="www.ticket-regional.de" class="more"%> ; Abendkasse. red