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Sandra Schares hat ihr Gesangsstudium abgeschlossen und startet durch ins Berufsleben.

MUSIK : „Es geht um die Musik, nicht um mich“

Eine Eifelerin erobert die Welt der Oper: Sandra Schares hat gerade erst ihr Gesangsstudium abgeschlossen und startet durch ins Berufsleben.

 Sandra Schares ist leidenschaftliche Mezzosopranistin und Gesangslehrerin, steht gerade am Anfang ihrer Karriere und träumt davon, den Octavian im Rosenkavalier und die Charlotte im Werther zu singen. Nun tritt die gebürtige Eifelerin im Haus Beda auf. Warum sie Sängerin geworden ist und welche Pläne sie hat, lesen Sie in diesem Interview.

Was bedeutet Ihnen Musik?

Sandra Schares: Alles. Wenn ich das so sage, klingt das vielleicht kitschig. Aber es ist wirklich so. Die Musik ist nicht nur mein Beruf, sondern ich habe über die Musik auch viele wundervolle Menschen kennengelernt und Freundschaften geschlossen. Musik verbindet einfach ganz enorm.

Sie haben ja mit Klarinette angefangen. Wie haben Sie den Gesang entdeckt?

Schares: Über meine Mutter. Sie hat damals im Chor Cantando  Messerich gesungen. Bei einem Konzert des Chores saß ich neben der Pianistin, habe die Noten umgeblättert und habe mich von der Begeisterung anstecken lassen. Also bin ich dem Chor beigetreten und habe dort meine erste Gesangslehrerin Ursula Dimmer (heute Thies) kennengelernt, die dort Stimmbildung gemacht hat. Nach der ersten Einzel-Stimmbildung hat sie mich ermutigt, Gesangsunterricht zu nehmen.

Wie ging es dann weiter?

Schares: Ich habe ein Lehramtsstudium für Musik und Mathematik in Münster begonnen. Dabei habe ich mehr und mehr Feuer gefangen für die Idee, klassischen Gesang zu studieren. Eine Initialzündung war ein Konzert der lettischen Mezzosopranistin Elīna Garanča. Sie sang die Arie „Mon coeur s‘ouvre à ta voix“  aus der Oper Samson et Dalila, und mir kamen die Tränen. Ich habe unter anderem an der Folkwang Universität der Künste in Essen vorgesungen und bin angenommen worden. Da mein Lehramtsstudium noch nicht beendet war, habe ich ein Jahr lang parallel in zwei Städten studiert und beide Studien erfolgreich abgeschlossen. Dazu haben mir meine Eltern geraten, wofür ich ihnen heute noch dankbar bin. Denn ich bin gerne beides: Pädagogin und Sängerin.

Warum?

Schares: Weil beides für mich zusammengehört. Ich arbeite gerne mit Menschen und begeistere  sie für das, was ich liebe. Und ich bekomme eine Menge Impulse durch die Arbeit. Seit fast zwei Jahren habe ich eine feste Stelle an einer Musikschule  in der Nähe von Münster, was ein großes Glück ist. Ich habe eine tolle Chefin und kann beide Jobs gut miteinander vereinbaren.

Wie kann man denn so, wie Sie es im Moment machen, als Sängerin ohne festes Engagement leben?

Schares: Super. Ich mache zwar derzeit noch keine Reichtümer, aber meine Laufbahn befindet sich ja erst im Aufbau. Seit zwei Jahren arbeite ich freiberuflich und die Anfragen werden immer mehr. Für die Zukunft fände ich auch ein Engagement am Theater spannend. Um in der Opernwelt Fuß zu fassen, braucht man aber die Unterstützung einer Agentur. Das werde ich in diesem Jahr verstärkt in Angriff nehmen.

Reicht es denn nicht, als Sängerin gut zu sein? Muss man sich heutzutage auch gut verkaufen?

Schares: Eine gute Gesangstechnik ist das A und O. Man braucht aber letzten Endes ein bisschen von allem: Man muss gut singen, sich gut verkaufen können und man muss das Glück haben, zum richtigen Zeitpunkt die Leute zu treffen, die  einen voranbringen. Das können Gesangslehrer, Agenten oder Dirigenten sein.

Apropos sich verkaufen: Manche Kollegen in der Klassik-Branche geben sehr viel von sich preis, um populär zu sein und zu bleiben. Wie weit würden Sie denn da gehen?

Schares: Ich finde Informationsüberfluss schrecklich. Für mich geht es nicht um Selbstdarstellung. Es geht um die Musik, nicht um mich. Ich will authentisch bleiben, aber ich glaube nicht, dass zum Beispiel  ein Foto von meinem Frühstück oder aus dem letzten Sommerurlaub dabei hilft, einen besseren Eindruck von mir als Künstlerin zu vermitteln.

Und dieser Eindruck ist sehr vielseitig: Sie sind im lyrischen Fach unterwegs, singen Lied, Oratorien und Musicalmelodien. Aber am meisten begeistert Sie die Oper. Warum?

Schares: Oper ist einfach ein Gesamtkunstwerk: Gesang, Schauspiel, Dramatik und unglaubliche Emotionen. Ich wundere mich jedes Mal darüber, wie die Komponisten diese Emotionen folgerichtig in Musik umsetzen. Das ist unglaublich spannend, intensiv und intuitiv.

Dabei gilt Oper oft als elitär und verstaubt. Wie kann man Menschen für Oper begeistern?

Schares: Das Schwierige ist, die Hemmschwelle abzubauen, die Menschen erst mal in die Oper hineinzubekommen. Denn sie ist weder elitär noch verstaubt. Im ländlichen Raum ist zusätzlich die Erreichbarkeit ein Problem. Es gibt bereits neue Angebote von Theatern und Konzerthäusern, zum Beispiel Opern in Kurzfassung oder Liveübertragungen im Kino. Wichtig ist vor allem, Kindern den Zugang zu erleichtern. Da spielt die Schule als Vermittler eine wichtige Rolle. Und es lohnt sich: Ich habe noch nie jemanden erlebt, der aus der Oper kam und nicht zumindest beeindruckt war.

In Bitburg singen Sie Musicalmelodien. Was haben die Besucher zu erwarten?

Schares: Es ist ein locker-leichtes Programm mit vielen bekannten Stücken. Wir, die Pianistin Maren Donner und ich, haben zudem einige Lieder ausgewählt, die man vielleicht nicht im Ohr hat, uns aber besonders am Herzen liegen. Gerade die Musicalsongs aus den 20ern sind so schön an der Schwelle zwischen Klassik und Musical. Das ist Musik, die Spaß macht, weil sie so viel Charme und Wortwitz hat. Wir freuen uns sehr darauf.