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Schulen
Die liebe, teure Tochter

Prüm. Satte Summe: Für rund 18,6 Millionen Euro will der Eifelkreis das Regino-Gymnasium Prüm sanieren, die Turnhalle auf dem Schulgelände soll abgerissen und neu gebaut werden. Die Förderung für beide Vorhaben steht allerdings noch aus. Von Christian Altmayer und Fritz-Peter Linden

Wer sich einmal in der Prümer Stadtmitte dreht, schaut auf lauter Großbaustellen: Den Hahnplatz natürlich, aber auch die Basilika, deren Innensanierung zurzeit läuft. Und direkt daneben: die ehemalige Fürstabtei, die heute das Regino-Gymnasium beherbergt. Auch dort steht eine umfassende Sanierung an ... und steht an und steht an. Denn sie wird den Kreis, Träger der Schule, richtig viel kosten.

 Vor dem Regino-Gymnasium, am Hahnplatz, wird bereits gearbeitet. Bis es drinnen losgeht, kann es aber noch dauern.
Vor dem Regino-Gymnasium, am Hahnplatz, wird bereits gearbeitet. Bis es drinnen losgeht, kann es aber noch dauern. FOTO: Fritz-Peter Linden

Hahnplatz? Rund vier Millionen Euro. Basilika? Wahrscheinlich werden’s zwei Millionen. Das ist alles aber nichts gegen die Sanierung der Schule: Die dürfte, so die aktuelle Schätzung der Kreisverwaltung, fette 18,6 Millionen kosten. Dafür kriegt man viereinhalb neue Hahnplätze.

 Gebaut wird schon – aber eben auf dem Hahnplatz, vor dem Gymnasium. Bis es drinnen mit der Sanierung losgeht, kann es noch dauern.
Gebaut wird schon – aber eben auf dem Hahnplatz, vor dem Gymnasium. Bis es drinnen mit der Sanierung losgeht, kann es noch dauern. FOTO: Fritz-Peter Linden

Das frühere Kloster, in dem heute etwa 900 Schüler unterrichtet werden, entspricht längst nicht mehr den Brandschutzauflagen. Deshalb stehen am großen Schulhof seit drei Jahren die mintgrünen Unterrichts-Container: Weil etliche Räume nicht mehr benutzt werden dürfen, bevor sie umgebaut sind. Auch Energie-Effizienz war beim Bau der Abtei noch ein Fremdwort, genauso wie Barrierefreiheit.

 Neubau statt Sanierung: die Turnhalle der Schule.
Neubau statt Sanierung: die Turnhalle der Schule. FOTO: Fritz-Peter Linden

Das alles muss renoviert, ausgetauscht oder eingebaut werden: ein Aufzug für behinderte Menschen, die Strom- und Wasserversorgung, Fenster und Türen, einige Räume des Fachbereichs Naturwissenschaften – und vieles mehr. Und bei all dem muss der Kreis den Denkmalschutz im Auge behalten.

 Gebaut wird zwar schon - aber auf dem Hahnplatz, vor dem Regino-Gymnasium und der Schulturnhalle. Bis es drinnen weitergeht, kann noch dauern.
Gebaut wird zwar schon - aber auf dem Hahnplatz, vor dem Regino-Gymnasium und der Schulturnhalle. Bis es drinnen weitergeht, kann noch dauern. FOTO: Fritz-Peter Linden

Das gesamte Paket hat der Kreistag im September 2017 abgesegnet, was Schuldirektor Albrecht Petri in einem Brief an Eltern, Schüler und Kollegium als „starkes Signal“ wertete.

Ungünstig ist allerdings, dass der Kreis „kein Geld hat“, wie Landrat Joachim Streit sagt. Trotzdem stellt er klar: „Egal, wie schlimm es finanziell kommt, bei Schulen wird nicht gespart.“ Auch nicht beim Regino-Gymnasium, auch wenn dessen Sanierung mehr kosten wird als jede andere: „Ich nenne die Schule liebevoll unsere wertvolle Tochter in Prüm“, sagt Streit. „Ein Denkmal als Schule mit modernster Ausstattung, das ist unser Anspruch.“ Aber wie will der Kreis das finanzieren?

Da hilft nur Fördergeld. Einen Antrag auf einen Zuschuss in Höhe von rund elf Millionen Euro hat die Verwaltung bereits Anfang Oktober 2017 beim Land gestellt. Damit würden auf den Kreis noch etwa sechseinhalb Millionen Euro entfallen. Bewilligt wurde in Mainz bislang allerdings nichts. Und bis dahin kann die Sanierung auch nicht ausgeschrieben werden.

Auch ein anderes Projekt auf dem Schulgelände steht bisher noch „mitten in der Planungs- und Beantragungsphase“, sagt Albrecht Petri: die Turnhalle, ebenfalls nicht mehr auf dem Stand der Zeit. Aber hat nicht der Bund schon vergangenes Jahr Mittel für die Sanierung der Halle bewilligt? Richtig, 1,5 Millionen Euro machte Berlin dafür locker. Aber da war offenbar noch nicht klar, wie gravierend die Mängel wirklich sind.

Denn Gutachter fanden heraus, dass das Stahlfachwerkdach nicht den Brandschutzanforderungen entspricht. Dieses „zu ertüchtigen“, wie ein Kreis-Mitarbeiter es ausdrückt, würde aber zu einer „erheblichen Kostenerhöhung“ führen. So würde die Sanierung der Halle statt 3,1 Millionen Euro rund 5,5 Millionen kosten – nur etwas mehr als eine Million weniger als ein Neubau.

Deshalb hat der Kreisausschuss in der jüngsten Sitzung beschlossen, die alte Halle dann doch gleich durch eine neue zu ersetzen. Ein Architekturbüro hat inzwischen auch einen ersten Planungsentwurf geliefert, den Direktor Petri „ein intelligentes Konzept“ nennt, „auf dem man aufbauen kann“. Die Mittel stehen für 2019 und 2020 im Haushalt bereit. Eine Förderung ist schon eingeplant, auch wenn der Antrag an den Bund bislang noch nicht rausgegangen ist.

Auch hier gilt: Erst wenn ein Bescheid vorliegt, kann die Verwaltung einen Zeitplan machen. Es könnte also noch eine Weile dauern mit der Sanierung des Regino-Gymnasiums und dem Neubau der Turnhalle. Für die Generalrenovierung des Schulgebäudes rechnet der Kreis mit einer Bauzeit von zwei Jahren.

Nur wann die Arbeiten beginnen werden, kann derzeit noch keiner sagen. Albrecht Petri hofft weiterhin, „dass nun auch im weiteren Genehmigungsverfahren die ‚Ampeln auf Grün’ geschaltet werden.“