Sanierung Flugplatz Bitburg steht nach Jahren noch „am Anfang“

Kostenpflichtiger Inhalt: Veranstaltung in der Bitburger Stadthalle : Sanierung des Flugplatzes Bitburg steht nach Jahren noch „am Anfang“

Bund und Land haben in der Bitburger Stadthalle über die PFT-Belastung auf dem Flugplatz informiert. Viel Neues, beklagen sich Umweltschützer, hätten sie dabei nicht erfahren. Denn etliche Fragen blieben unbeantwortet.

Das hat es noch nie gegeben: Sechs Eifeler Gremien haben sich am Donnerstag zu einer gemeinsamen Sitzung in der Bitburger Stadthalle zusammengefunden. Neben den Kommunalvertretern, unter anderem aus Kreistag, Stadtrat und Verbandsgemeinderat Bitburger Land, sind auch etliche Bürger der Einladung gefolgt. Wer in der Veranstaltung allerdings einen Meilenstein auf dem Weg zu einer Sanierung der Altlasten auf dem Flugplatz vermutete, wurde enttäuscht. Aber von Anfang an:

Seit 2014 ist bekannt, dass der ehemalige US-Stützpunkt mit Perfluorierten Tensiden (PFT) belastet ist. Es handelt sich dabei um krebserregende Chemikalien, die vor ihrem Verbot zum Beispiel in Löschschäumen zum Einsatz kamen. Über Jahrzehnte sind sie wohl, von Feuerwehrübungsplätzen aus in Boden, Grundwasser und Gewässer gesickert.

Sie da wieder herauszubekommen, ist aber alles andere als leicht. Seit rund fünf Jahren beschäftigen sich die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) und die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord mit dieser Herausforderung.

Allerdings mit mäßig messbarem Erfolg, wie man bereits den Einleitungsworten von Joachim Gerke entnehmen kann: „Wir stehen relativ am Anfang“. Man habe aber, sagt der Fachbereichsleiter für Wasserwirtschaft bei der SGD Nord, „eine klare Vorstellung, wo es hingehen soll“.

Hingehen soll es aber, das stellt Gerke klar, nicht etwa zu einem schadstofffreies Gewerbegebiet. Den gesamten 500 Hektar großen ehemaligen US-Stützpunkt von der Altlast zu befreien, erklärt der Experte nämlich für schier unmöglich: „Wir können nicht davon ausgehen, dass wir auf dem Flugplatz unbelastete Zustände bekommen.“ Es gehe bei der Sanierung vielmehr darum, „die Grenzen des Machbaren“ auszuloten.

Das am Donnerstag vorgestellte  Programm habe in erster Linie das Ziel, Gewässer und Trinkwasserbrunnen zu schützen. Aber auch den Verkauf der derzeit brachliegenden Flächen im Gewerbegebiet  voranzutreiben. Denn die Vermarktung ist durch die Kontamination noch immer „stark eingeschränkt“.

Konkret ist geplant, den vor allem im Westen und Osten der Landebahnen stark verunreinigten Boden abzutragen und in einem sogenannten Landschaftsbauwerk zu deponieren (der TV berichtete mehrfach). Rund 80 000 Kubikmeter belastete Erde sollen an einem Punkt auf dem Flugplatz zusammengeführt werden.

Wie lange das Material dort lagern soll und ob es jemals gereinigt werden kann, blieb am Donnerstag unklar. „Irgendwann“, sagt Bernd Garz von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben wörtlich, werden Forscher womöglich ein kostengünstiges Reinigungsverfahren entwickeln. Nur wann – das weiß wohl keiner so genau.

Derzeit könne PFT belastetes Material nur im Hochofen bei Temperaturen ab 1100 Grad zerstört werden. Ein Verfahren, was den Fachleuten, offenbar zu teuer und zu umständlich ist. Ebenso übrigens wie die Reinigung des verunreinigten Wassers mit Aktivkohle oder den Abtransport des Materials in Spezial-Deponien.

Soweit so bekannt. Darüber hinaus ist am Donnerstag über das geplante „Bodenmanagement“ nur so viel zu erfahren: Die Planung der Anlage soll dieses oder Anfang nächsten Jahres an ein Büro vergeben werden. „Danach haben wir etwa drei Jahre für das Vorhaben einkalkuliert“, sagt Garz. Wie das Landschaftsbauwerk aussehen soll, wie viel es kosten könnte und wo es gebaut wird, darüber halten die Behördensprecher sich weiter bedeckt.

Auf Nachfrage aus dem Publikum bestätigt Garz, dass ein Standort auf der Gemarkung Scharfbillig für das Lager infrage komme. Dies deckt sich mit TV-Informationen, wonach das Bauwerk auf einem Grundstück hinter der Firma „Eiden und Wagner“ Platz finden könnte. Entschieden habe man aber noch nicht.

Eine Kostenhöhe wird während der Sitzung ebenfalls nicht genannt. Der Idee von Peter Berger (die Grünen), die US-Air-Force nachträglich für entstandene Umweltschäden haftbar zu machen, erteilt Bima-Sprecher Garz aber eine Absage: „Die Anmeldefrist für Schadenersatzansprüche nach dem NATO-Truppenstatut verfällt nach 90 Tagen.“ Es sei also der Steuerzahler, in diesem Fall der Bund, der die Ausgaben für die Sanierung zu tragen habe: „Wir stehlen uns da auch nicht aus der Verantwortung.“

Aber das sind nicht die einzigen kritischen Worte, die am Donnerstag laut werden. Etwa von Roswitha Biwer (die Grünen): „Das ganze kommt mir nicht wie eine schnelle Lösung vor. Das Grundwasser ist ja offenbar jetzt schon erheblich belastet.“ Parteifreund Ernst Weires befürchtet gar, dass die Schadstoffe sich durch Grundwasserströme weiter verbreiten könnten, womöglich bis  in die Brunnen im Kylltal. Und, dass diese Verbreitungswege noch gar nicht genügend erforscht seien. Gerke hält dies hingegen „aufgrund der geologischen Situation“ für „sehr unwahrscheinlich“. Die Trinkwasserbrunnen seien durch eine dicken Gesteinsschicht sicher vor dem Eintrag der Schadstoffe, sagt der SGD-Experte. Weswegen es in der Tiefe auch keine weiteren Untersuchungen gegeben habe und geben wird.

Diverse weitere Fragen der Bürger werden bei der Veranstaltung nicht oder nur teilweise beantwortet – etwa zur Auswirkung der Vergrößerung des Steinbruchs Sülm auf die Grundwasservorkommen in der Eifel.

Das ist auch Umweltschützern aus der Region aufgefallen. Der Welschbilliger Aktivist Hans-Joachim Spang bezeichnet die Veranstaltung im Nachgang als „Beruhigungspille“. Wesentliches sei nicht angesprochen worden: „Wenn die Behörden so weitermachen,  verlieren wir die Brunnen im Kylltal.“

Ähnlich sieht es der Binsfelder Landwirt Günther Schneider, der seit Jahren gegen die Umweltschäden rund um die Air Base Spangdahlem angeht. Insbesondere die Sprecher der SGD-Nord hätten sich bemüht, das Thema herunterzuspielen und alternative, teurere Sanierungsverfahren schlechtzureden. Dabei sei die gesundheitliche Gefahr durch PFT in Wasser und Boden erheblich und die bloße Deponierung des belasteten Materials keine Lösung.

Auch die Eifeler BUND-Vorsitzende Agnes-Tillmann-Steinbuß zeigt sich ernüchtert von der Veranstaltung: „Die wichtigen Fragen wurden von den Bürgern gestellt, aber nicht beantwortet.“ Als problematisch sieht es die Speichererin außerdem an, dass weniger belastetes Erdreich auf stärker belastetes geschichtet werden soll. Dies erhöhe schließlich den Gesamt-PfT-Gehalt des Bodens und könne zu verstärkten Auswaschungen in die Tiefe führen.