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Sanierungsstau im Kanalsystem Bitburg

Registrierungspflichtiger Inhalt: Erneuerung des Kanalnetzes : Sanierungsstau im Bitburger Kanalsystem – Werkleiter schlägt Alarm

Ein Großteil des Bitburger Kanalsystems ist älter als 50 Jahre. Das könnte in absehbarer Zeit zum Problem werden. Mit einem Generationen-Projekt wollen die Stadtwerke dem entgegenwirken. Das ist geplant:

Dass es so auf Dauer nicht funktionieren kann, wird deutlich, wenn man die Entwicklung der beiden vergangenen Jahrzehnte als Grundlage nimmt und dann die Rechnung entsprechend weiterführt. Bernd Goeblet hat das getan. Der Leiter der Stadtwerke Bitburg hat ermittelt, wie viel Prozent des 166 Kilometer langen Kanalnetzes in Bitburg seit Beginn des Jahrtausends erneuert oder saniert wurden und das dann hochgerechnet.

Das Resultat, das er in der Sitzung des Werkausschusses präsentiert, bietet wenig Spielraum für wohlwollende Interpretationen. „Geht man von einer mittleren Erneuerungsquote der letzten 20 Jahre aus, würde unser Kanalnetz 181 Jahre alt werden müssen bis zur Erneuerung“, sagt Goeblet. Die für ihn daraus resultierende Erkenntnis: „Das geht so nicht!“

Knapp 43 Prozent des Bitburger Kanalnetzes sind älter als 50 Jahre, acht Prozent sogar älter 70 Jahre. Was auch damit zusammenhängt, dass in den vergangenen beiden Jahrzehnten im Schnitt pro Jahr jeweils nur 0,55 Prozent der Kanalisation erneuert wurden.

„Unser Netz ist zwar in einem insgesamt noch guten Zustand, doch profitieren wir dabei vor allem von den hohen Investitionen der 1970er und 1980er Jahre“, sagt Goeblet, der seit Mitte der 1990er Jahren bei den Stadtwerken tätig ist und vor gut drei Jahren die Leitung übernommen hat.  „Wenn wir jetzt nicht anfangen zu reagieren, werden wir in zehn Jahren einen Berg vor uns haben, den wir nicht überschauen können“, mahnt der Ingenieur.

Goeblet schlägt deshalb als Gegenmaßnahme ein Konzept vor, das er Generationen-Projekt nennt. Dieses Projekt sieht vor, jährlich mindestens 1,4 Prozent des Kanalnetzes zu erneuern. Einen ähnlichen Rahmen soll es auch für das 137 Kilometer lange Wasserleitungsnetz geben.

Das ist zwar im Schnitt nicht so alt wie die Kanalisation, hat aber auch eine kürzere Lebensdauer und ist darüber hinaus für Störungen auch anfälliger, wie der Werkleiter erklärt. Während Kanalleitungen laut Goeblet eine Lebensdauer von 50 Jahren haben und bei gutem Zustand durchaus auch 70 Jahre in der Erde liegen können, sollten Wasserleitungen alle 40 Jahre erneuert werden. Aus diesem Grund sollte die Erneuerungsquote des städtischen Wassernetzes bei jährlich zwei Prozent liegen.

Helfen soll dabei eine spezielle Software des Ingenieurbüros igr, mit der zunächst das gesamte Netz und dessen Zustand erfasst wird, um dann eine Sanierungsstrategie zu erstellen.  „Die Kanalisation ist das höchste Wirtschaftsgut, das eine Stadt hat“, sagt der zuständige Ingenieur des Büros, Steffen Wagner.

Deswegen sei es wichtig, eine weitsichtige Strategie zu entwickeln anstatt nur auf Schäden zu reagieren. Wie Wagner erklärt, helfe das Programm dabei, nicht nur die Sanierungspriorität im Netz zu ermitteln, sondern auch punktuell die Sanierungsart. Ob also beispielsweise eine Erneuerung erforderlich sei oder aber vielleicht auch eine Reparatur oder Renovierung ausreiche.

Der Vorteil beim Bitburger Netz sei, dass man dabei auf Ergebnisse der umfassenden Kanalinspektionen der Jahre 2000, 2011 und der für dieses noch geplanten TV-Kanal-Befahrung zurückgreifen könne, erklärt Wagner.

Dadurch habe man eine gute Datengrundlage, um verlässliche Prognosen zu erstellen. Und das wiederum ermögliche eine nachhaltige Planung im Sinne eines Generationenvertrages und verhindere so einen Sanierungsstau.

Im Werkausschuss stößt dieses Vorhaben auf allgemeine Zustimmung, weshalb der Einführung des Generationen-Projekts auch ohne Einwände zugestimmt wird. Seitens der Stadtwerke wird in diesem Zusammenhang auch angeregt, einen zusätzlichen Ingenieur einzustellen, der sich dann dieser Aufgabe widmet.

Laut Goeblet wäre das für die Stadt günstiger als die im Rahmen des Generationen-Projekts anstehenden Maßnahmen immer wieder an ein externes Ingenieurbüro zu vergeben. So fielen beispielsweise bei einer Auftragsvergabe in Höhe von einer Million Euro allein 150 000 Euro Ingenieurhonorar an. Eine zusätzliche Stelle hingegen koste die Stadt nur rund 80 000 Euro pro Jahr, so der Werkleiter. Das Geld, das man dadurch spare, könne man dann zusätzlich unter der Erde investieren.