Sarajewo, Sankt Augustin, Welchenhausen

Lützkampen-Welchenhausen · Der Museumsverein der Wartehalle in Welchenhausen hat seine neue Ausstellung eröffnet: Bis in den November hinein sind dort Skulpturen von Norbert Richert zu sehen - wie immer rund um die Uhr.

Sarajewo, Sankt Augustin, Welchenhausen
Foto: (e_pruem )

Lützkampen-Welchenhausen. Das Große im Kleinen, es gilt für Welchenhausen doppelt: Gerade einmal 28 Einwohner hat das Örtchen im Dreiländereck, an den Wochenenden werden es dann ein paar mehr dort unten im Ourtal.
Vor allem aber: Einheimische und Wahl-Welchenhausener haben sich gemeinsam die Kunst auf ihre Fahnen geschrieben. Und präsentieren sie seit 2002 in der ebenfalls winzigen Buswartehalle in der Dorfmitte. Weshalb der Verein sie auch "Arte-Halle" nennt.
So manche Ausstellung ufert dann üppig über den kleinen Raum hinaus - auch die aktuelle, für die vier Exponate kurzerhand vor der Wartehalle aufgestellt wurden: Sie zeigt Stahlskulpturen des Künstlers Norbert Richert, der in St. Augustin bei Bonn sein Atelier hat.
Erst Schrott, dann Kunst


"Das Basismaterial seiner Skulpturen", sagt der Vereinsvorsitzende Christoph Thees bei der Eröffnung, "ist Schrott". Meist Fundsachen, die Richert dann zu etwas Neuem umarbeite oder zusammenfüge. "Das kennt eigentlich jeder: Man geht spazieren, findet etwas, findet's schön, nimmt es mit und stellt es hin. Oder man denkt: Damit müsste man was machen. Norbert Richert macht."
"Bei jeder Skulptur", so heißt es in einem Handzettel zur Ausstellung, "ist es der heimliche Wunsch des Bildhauers, die Schwerkraft außer Kraft zu setzen." So gebe Richert dem schweren Stahl oder Eisen eine Leichtigkeit, die zunächst ganz gegen das verwendete Material spreche, die verwirre und dadurch zum Denken verführe.
Bei einer anderen Arbeit verweist schon der Name auf die Schrecken, für die sie steht: "Sarajewo-Stahl" erinnert an die Zerstörung der Stadt im jugoslawischen Bürgerkrieg vor mehr als 20 Jahren. Man sieht: Ein Gerippe. Und versteht, dass es an die zerbombten Häuser in der Stadt gemahnt, "mit den von den Druckwellen der Detonationen verbogenen, sichtbaren Baustählen in den Ruinen".
Das sei eine Arbeit, sagt Christoph Thees, "die mich persönlich stark berührt". Denn der Mediziner war damals zwei Mal mit Hilfskonvois im Kriegsgebiet. Beim Anblick der Richert-Skulptur sei deshalb auch "alles wieder präsent".
Der Besuch in Welchenhausen lohnt sich also auch bei der inzwischen 57. Ausstellung des rührigen und so angenehm bescheiden auftretenden Museumsvereins, der rund um die Eröffnung wieder ein kleines Dorffest mit vielen Besuchern organisierte. Denn trotz der teils ernsten Thematik: Die Kunst kommt in Welchenhausen nie hochtrabend daher.
Und wer einmal durch das Dörfchen kommt (schön langsam machen, sonst ist man schon wieder draußen), der sollte sich auch anschauen, was inzwischen rund um die Wartehalle noch so alles an Kunst präsentiert wird.
Und zwar 24 Stunden am Tag, denn das Bushäuschen ist bekanntlich immer offen. Auch eine Kunst, das so hinzubekommen.
Mehr über das Museum im Ourtal, den Verein und seine bisherige Tätigkeit findet man im Internet unter der Adressse <%LINK auto="true" href="http://www.kult-our-tal-museum.de" class="more" text="www.kult-our-tal-museum.de"%>