Scharfsinnig und urkomisch

Mit einer brillanten Aufführung des Stücks "Der Kontrabass" von Patrick Süskind begeisterte Michael Ophelders im Bitburger Haus Beda. Das Publikum erlebte einen Gefühlsspagat zwischen Heiterkeit und Rührung.

Michael Ophelders begeisterte in Bitburg mit dem Stück „Der Kontrabass“ von Patrick Süskind. TV-Foto: Anke Emmerling

Bitburg. (ae) Dass Michael Ophelders ein vielseitiges Talent ist, weiß jeder, der ihn aus dem Theater Trier kennt. Doch spätestens wenn man ihn solo in Patrick Süskinds "Kontrabass" erlebt hat, zieht man vor diesem Talent den Hut. Bei einem von der Kulturgemeinschaft Bitburg veranstalteten Theaterabend lief der Schauspieler in einer ihm scheinbar auf den Leib geschneiderten Rolle zu Hochform auf. Ein Kontrabassist, Mitte 40, im Staatsorchester verbeamtet und aussichtslos verliebt in eine junge Mezzosopranistin, hadert mit seinem Dasein. In einer mit Nierentisch-Mobiliar spießig ausgestatteten und schallgedämmten Wohnung offenbart sich ebensolche Begrenztheit und Enge eines festgefahrenen Lebens. Und das mit einer tragischen Komik, die nie die Balance zwischen Einfühlsamkeit und satirischer Überzeichnung verliert. Mit ausdrucksstarker Mimik und Stimmführung, mit Temperament und Humor breitet Ophelders das ganze Leid und die Tragik einer Figur aus, die im Grunde gewöhnlich ist. Denn trotz teils scharfsinniger bis ironischer Betrachtungen über Musik, zeigt sich bald: Dieser Mann könnte jeder von uns sein. Liebevoll zeichnet der Schauspieler einen tollpatschigen Typen, dem zum Beispiel seine zum Bier genossene Minisalami in die Flasche entschwindet. Dramatisch, mühsam und spannend-urkomisch gestaltet sich die Bergungsaktion per Blumenstecker und der anschließende vom Verzehr gekrönte Triumph. Das ist menschlich um so anrührender, als auf dem Fuß tiefe Verzweiflung folgt. Die bricht sich Bahn in Hasstiraden über den Kontrabass, der mit seiner plumpen Form und seiner untergeordneten Rolle im Orchester Symbol eigener Unvollkommenheit - und doch wichtigster Lebensinhalt ist. Das berührt, weil Ophelders im ständigen Dialog mit dem Publikum herausspielt, dass das Schicksal des Musikers kein anderes ist als das des Bürosachbearbeiters, der Fotolaborantin oder des Juristen. Und so gelten die Lacher des leider zu kleinen Publikums nicht nur der Figur auf der Bühne, sondern auch dem, was man in sich selbst davon wiedererkennt. Eine bravouröse, unter Regie von Jürgen Lorenzen bis zum Schluss fesselnde Reise in existenzielle Tiefen, Hut ab, Herr Ophelders!