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Schatten auf der Prümer Sprengelschule

Schatten auf der Prümer Sprengelschule

Einigkeit über alle Fronten hinweg: Der Verbandsgemeinderat Prüm hat sich deutlich gegen die Pläne des Landes ausgesprochen, den Auwer Zweig der Bleialfer Grundschule zu schließen.

Viel Publikum im Rat der Verbandsgemeinde (VG) Prüm bei der Sitzung am Dienstagabend: Fast alle sind Eltern von Kindern, die in Auw die Grundschule besuchen. Seit fünf Jahren ist sie nicht mehr eigenständig, sondern ein Zweig der größeren Einrichtung in Bleialf. Deren Chefin, Jennifer Loos, ist ebenfalls gekommen. Das Interesse ist verständlich: Denn heute wird die Zukunft der Auwer "Sprengelschule" verhandelt.

Seit das Landes-Bildungsministerium kürzlich seine "Leitlinien für ein wohnortnahes Grundschulangebot" gezogen hat, droht Auw, wie 40 anderen Standörtchen, das Aus. Der Grund: Die Schule hat aktuell nur zwei Klassen. Sie werden besucht von Kindern aus dem Dorf, aus dem Nachbarort Roth und deren Ortsteilen auf der Schneifel von Schlausenbach bis Kobscheid. Mainz fordert aber vier Klassen.

VG-Bürgermeister Aloysius Söhngen (CDU) findet es "bedenklich", dass man sich unter dem Begriff "wohnortnah" ausgerechnet damit befassen müsse, eine Dorfschule zu schließen. "Neusprech" nennt er das, wie bei George Orwell und dessen düsterer Zukunftsvision namens 1984. Immerhin habe man mit der Eingliederung in die Bleialfer Schule eine Anregung der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion in Trier aufgegriffen. Und eine Lösung gefunden, bei der man im kollegialen Verbund mit Bleialf auch keine Probleme mehr damit habe, Vertretungen zu regeln.

Söhngen: "Wir haben ein Angebot, das funktioniert. Wir haben ein Gebäude, das in Ordnung ist. Und sogar noch eine kleine Turnhalle dabei." Und jetzt verlange das Land ein Konzept über die Zukunft der Schule und eine Stellungnahme. Wird das in Mainz nicht akzeptiert, droht die Schließung. Und die, sagt Söhngen, "wäre eine Schande".

So sieht es auch Peter Eichten von der CDU-Fraktion, zugleich Ortsbürgermeister von Auw: "Besser ist die Schule nie gelaufen", sagt er, man habe dank der Angliederung an Bleialf eine Schulleiterstelle eingespart, Zugriff auf ein größeres Kollegium, zudem wäre Bleialf letztlich nicht in der Lage, alle Kinder aufzunehmen und müsse dann auch baulich vergrößert werden. Abgesehen davon: "Viele haben sich in Auw sesshaft gemacht, weil da noch eine Schule und eine Kindertagesstätte sind." Und zudem lebe man hier "auf 600 bis 650 Höhenmetern".

Das verspreche in verschneiten Schneifelwintern spannende Busfahrten, bei denen es dann eher schon mal "zurück als vorwärts" gehe. Da stimmt auch die SPD, sagt Barbara Hiltawski, "voll und ganz" zu, dito Jürgen Krämer (FDP). Für Erich Reichertz (FWG) sind die vorgetragenen Begründungen für die Erhaltung "derart logisch und nachvollziehbar", dass eine in Mainz verfügte Schließung doch sehr verwunderlich wäre.

Annette Schürmann (Bündnis 90/Die Grünen) ist nicht nur Auwer Bürgerin, sondern auch Schulsozialarbeiterin der Verbandsgemeinde. Sie unterstützt die vorgetragenen Argumente mit ihrem fachlich grundierten Blick und bescheinigt Auw "ein sehr gutes Klima und sehr gutes Arbeiten".

Am Ende ergreift Gudrun Breuer (CDU) das Wort und bringt auf den Punkt, was alle denken: Da werde bei Landeswettbewerben wie "Unser Dorf hat Zukunft" alles animieert und versucht, "die Leute aus der Reserve zu locken", und dann drohe man, genau auf so einem Dorf eine Schule aus Spargründen dicht zu machen. "Das widerspricht dem doch total. Die Kinder sollten uns wirklich mehr wert sein als nur dieses Geld."

Ergebnis: So einmütig wie noch selten bisher fällt im Rat der Beschluss für für eine Stellungnahme, die mit Nachdruck die Erhaltung der Schule fordern wird.

"Wir können das alles nur bestätigen, was gesagt worden ist", sagt nach der Sitzung Sandra Margraff, Auwer Bürgerin, Mutter und zugleich Erzieherin in der Tagesstätte. Auch dass die Zusammenarbeit von Kita und Schule reibungslos verlaufe und den Kleinen einen glatten Übergang ins erste Schuljahr ermögliche. Zudem, ergänzt ihre Kollegin Melanie Elsen, sei das Gebäude gerade erst instand gesetzt worden: "alles neu." Und Schulleiterin Jennifer Loos unterstreicht, dass die derzeitige Lösung hervorragend funktioniere.Meinung

Kurze DenkeHieß es nicht mal "kurze Beine, kurze Wege”? War das nicht das Motto einer überparteilichen Initiative, das alle prima fanden? Auw ist ein Beispiel dafür, wie gut das funktionieren kann. Das soll jetzt geknickt werden, weil man dadurch auf den ersten Blick ein paar Euro sparen könnte. Ein neues Motto muss her. Vorschlag: Kurze Denke, lange Leitung. f.linden@volksfreund.de