Schatzsuche im Ackerboden
Scherben, Nägel, Mauerreste: Ein paar Wochen nach Grabungsbeginn haben die Archäologen der Uni Trier schon einige Entdeckungen gemacht auf dem Vorgelände der Villa Otrang. Der TV hat sich umgesehen.
Fließem. Der Wind bläst kalt. Draußen auf dem Feld hinter der Villa Otrang hält so langsam der Herbst Einzug. Aufmerksamkeit erregt aber nicht die Luft, sondern eine halbkreisförmige Abdeckung mit Plastikplane, daneben Schubkarre, Spaten, Hacke, Absperrband in rot-weiß und dünne rote Schnüre kurz über dem Boden. Zwischen Absperrband und Plastikplane schlagen zwei junge Männer beherzt Spitzhacken in den Boden. Es sind Archäologie-Studenten der Uni Trier, die das Vorgelände der Villa Otrang untersuchen (der TV berichtete).
Unter der halbkreisförmigen Plastikplane ist das Werkzeug filigraner. Ein Maßband liegt an einer Kante des Grabungslochs, unterhalb der Kante ist deutlich eine Mauer zu sehen. Ergebnis der ersten Grabungswochen.
"Zweiundsechzig. Vierundsechzig." Christian Sträuber misst Abstände von Mörtelresten zur Kante. Neben ihm sitzt Diana Wicke, die auf Millimeterpapier zeichnet. Als dünne Bleistiftstriche sind auch schon die Steine des Mauerstücks vor ihr zu sehen. "Ich übertrage die Koordinaten auf die X- und die Y-Achse. So entsteht dann Schritt für Schritt das Bild von der Mauer. Auch wenn es freihändig vielleicht schöner aussehen würde", sagt Wicke. Planumszeichnung heiße das, erklärt Kollegin Christine Hillenbrand. "Damit soll Fläche möglichst realitätsgetreu abgebildet werden."
So weit ist man nebenan noch nicht. Drei Studentinnen diskutieren. Hier graben? Oder doch ein paar Schritte weiter? Mit den Fußspitzen wird ein Rechteck auf dem Boden markiert. Und schon schwingt auch hier die Spitzhacke durch die Luft und versinkt anschließend in den Ackerboden. Neun Studierende der Uni Trier nehmen an der Lehrgrabung unter der Leitung von Klaus-Peter Goethert teil. So wie Gabriel Strasser und Maximilian Nebe, die ebenfalls mit Messen und Zeichnen beschäftigt sind - an einem anderen Mauerstück. Mit der Grabung sei man bislang zufrieden, sagt Nebe, auch wenn man noch nicht all das gefunden habe, auf was man hoffe. Gabriel Strasser öffnet derweil die Tür zu einem kleinen Schuppen, der unterhalb der Grabungsstätte steht. Heraus kommt er wieder mit einer Kiste. Scherben verschiedener Art liegen darin. "Wir haben auch schon Schweinezähne gefunden", erzählt Strasser. Ob die allerdings aus der Römerzeit stammen, sei nicht wenig wahrscheinlich. Ausnahme: die Nägel, die neben Keramik-Scheiben in der Kiste liegen. Das müsse nun weiter untersucht werden. Denn die Grabungen vor Ort sind nur ein kleiner Teil der Forschungsarbeit. Ein Teil, der Wind und Wetter nur bedingt trotzt. Denn wenn der Wind noch kälter bläst, ist der Boden zu hart, um auf dem Acker weiter auf Schatzsuche zu gehen.
Extra: Grabungsprojekt Villa Otrang: Die Lehrgrabung des Fachs Klassische Archäologie der Universität Trier hat zum Ziel, das Vorgelände der Villa zu erforschen und herauszufinden, wie der keltische Gutshof bewirtschaftet wurde, der dort in der Blütezeit des römischen Reiches gestanden hat. Die gefundenen Mauerreste, die die Existenz eines solchen Gutshofes belegen, gehören zur pars rustica, zum Wirtschaftsbereich. Die Grabung erfolgt im Auftrag der "Generaldirektion kulturelles Erbe", von "Burgen, Schlösser, Altertümer Rheinland-Pfalz" und dem Zentrum für Altertumswissenschaften an der Uni Trier. (jka)