Schein oder Nicht-Schein

HERFORST. Berufsunfähigkeit, Umschulung, Arbeitslosigkeit – Thomas Cramer schien in einem Teufelskreis festzustecken. Dann hatte er eine Stelle über einen privaten Arbeitsvermittler so gut wie sicher. Doch die Agentur für Arbeit weigerte sich, ihm den notwendigen Vermittlungsgutschein auszustellen. In einem verzweifelten Brief wandte sich Cramer an den Trierischen Volksfreund.

Alles sollte besser werden. Thomas Cramer wollte raus aus Wuppertal. Rein in ein neues, idyllisches Familienleben im Hunsrück. Doch es kam anders. Zuerst platzte der Kaufvertrag für ein kleines Häuschen im Hunsrück. Die zweite Wahl der Cramers fiel auf die Eifel. Sie zogen nach Speicher, später nach Herforst. In dem Töpferort hatte Cramer, gelernter Gas-Wasser-Installateur und Heizungsbauer, gute Aussichten, bei einem kleinen Handwerksbetrieb anzufangen.Seine Gesundheit machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Seine Knie, sein schwacher Punkt seit vielen Jahren, spielten nicht mehr mit. Cramer wurde berufsunfähig. Zehn Jahre ist das her.

Nach Abbruch der Technikerschule in Trier ergaben ein Test beim Arbeitsamt und eine Arbeitserprobung beim Berufsförderungswerk (BFW) in Birkenfeld, dass für den 38-jährigen Familienvater Umschulungen zum Bauzeichner, technischen Zeichner, IT-Systemelektroniker oder IT-Systemkaufmann in Frage kommen. Cramer sattelte auf Fachinformatiker um.

2002 begann er seine Umschulung. 2005 schloss er sie erfolgreich ab - im praktischen Bereich als Jahrgangsbester. Unmittelbar nachdem er die schriftliche Prüfung bestanden hatte, meldete er sich bei der Agentur für Arbeit als arbeitssuchend. Ohne Erfolg.

Cramer gab nicht auf und verschickte rund 70 Initiativbewerbungen. Um seine Bewerbungen und mögliche Vorstellungsgespräche vorzufinanzieren, erhielt er bis Ende November 2005 Überbrückungsgeld von der Agentur für Arbeit.

Nach mehr als 40 Absagen kam Anfang November eine positive Nachricht. Ein Personaldienstleister aus dem Raum Stuttgart bot ihm eine Stelle an. Ein telefonisches Vorgespräch hörte sich vielversprechend an, drei Tage später sollte das Vorstellungsgespräch in Stuttgart stattfinden. Er dürfe aber nicht vergessen, den Vermittlungsgutschein des Arbeitsamts (siehe Hintergrund) mitzubringen, betonte der Jobvermittler.

Als Cramer bei der Agentur für Arbeit nach diesem Gutschein fragte, hieß es, der stehe ihm nicht zu, da er kein Arbeitslosengeld, sondern Überbrückungsgeld beziehe. Der gebürtige Wuppertaler war wie vor den Kopf geschlagen. "Als ich dann fragte, ob ich die Stelle absagen und ab Dezember Hartz IV beantragen solle, antworteten die vom Arbeitsamt mit einem klaren Ja", sagt Cramer.

Der 38-Jährige fühlt sich ungerecht behandelt. "Da liegt doch ein Fehler im System, wenn einer arbeiten will, Arbeit bekommt und dann absagen muss, weil sich das Arbeitsamt querstellt."

Von Querstellen kann jedoch nicht die Rede sein. "Es ist gesetzlich so festgelegt, dass nur Bezieher von Arbeitslosengeld Anspruch auf einen Vermittlungsgutschein haben", erklärt Jutta Kirschweng von der Agentur für Arbeit. Cramer werde jedoch wegen seiner Berufsunfähigkeit beim Arbeitsamt als "Reha-Fall" und nicht als "normaler Arbeitsloser" geführt. Daher stand ihm zu dieser Zeit kein Arbeitslosengeld, sondern nur Überbrückungsgeld zu.

Auch wenn Cramers Frust groß ist, gibt er nicht auf. Auf 35 Bewerbungen hat er noch keine Antwort. "Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass es doch noch klappt", sagt er. Währenddessen bildet sich der Fachinformatiker in Web-Design weiter. Arbeitslosengeld hat Cramer jedoch nicht beantragt. Er möchte kein Hartz-IV-Empfänger sein. Doch als Bezieher von Arbeitslosengeld II hätte er Anrecht auf einen Vermittlungsgutschein vom Arbeitsamt. Sollte sich wieder ein privater Arbeitsvermittler bei ihm melden, wird er erneut absagen müssen.