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Schieng schofelzisch, boh un bäh!

Schieng schofelzisch, boh un bäh!

Er kennt die Eifel wie kaum jemand anderer, sprachlich zumindest. Eifel, welche Eifel? Angeblich gibt es ja fast 20 Stück davon, ein ganzes Eifel-Universum also. Was für manch einen schwer überschaubar ist, macht Volksfreund-Redakteur und Kolumnenschreiber Fritz-Peter Linden kee bessien Bouchwieh. In unterschiedlichen Dialekten gibt er jeden Samstag in verschiedenen Ausgaben des Volksfreunds seine Eifeleinsichten zum Besten. Jetzt ist sein dritter Band im Buchhandel zu haben - mit Verzeelchern, Steckelchern und einigen Überraschungen!

Prüm/Stadtkyll/Hillesheim. Et jit net jerannt, so endet fast jeden Samstag ein überschaubares Stück Zeitung. Stets steht Fritz-Peter Lindens Kolumne auf der letzten Seite der Eifeler Lokalteile, links von oben nach unten, "Eifeleinsichten" heißt sie. Und selbige will sie auch vermitteln. Die Themen für seine feinsinnigen, tiefgründigen, nützlichen und unnützen, manchmal auch zornigen Blicke auf die kleine und große Welt finden sich in einer der 20 Eifeln oder aber auch in hoher und höchster Politik, Kultur oder banalen Alltagserfahrungen.
Geschichten aus der Vergangenheit, der Gegenwart und manchmal auch der Zukunft. Immer aber verknüpft Linden das große Ganze mit der Eifler Überschaubarkeit, ihrer Sprache und ihrem Wortwitz, preist ihre Vielfalt und unerschöpflichen sprachlichen Finessen. Das geht schon seit Jahren so. Und zwar deshalb, weil zahlreiche Volksfreund-Leser ihn immer wieder mit Steckelchern, mehr oder weniger derben Begebenheiten versorgen und mit Blick auf die aktuelle Politik typisch Eifeler Ratschläge geben. Immer mit einem Augenzwinkern, versteht sich. Dabei kommen manchmal verblüffend einfache, typisch eifelerische Einsichten heraus. Wie Angela Merkel sich vor den Abhörmonstern der NSA hätte schützen können? Gaanz eefach, hätte sie mal besser Eifeler Platt gesprochen (egal ob das von der Oberen Kyll oder aus dem Bitburger Gutland), diese Fourwatztouten häden neist verstaanen. Manchmal ist er auch richtig melancholisch, hot sogoar e kleen, fein Museum obmaachen wollen, mit all dem Gescheer, dat him die Läser an aal dä Joaren gescheckt hon und imma noch schecken. Und manchmal merkt man eben auch, dass Linden einmal Lehrer werden wollte.
Etwa wenn er der geneigten Leserschaft die Eifeler Grammatik erklärt oder mit allerlei Dichtern und Denkern strunzt. Mithilfe von Volksfreund-Lesern klärt er auch die schwierigsten Fälle Eifeler Sprache. Also das mit dem zwing, zwai, zwou oder dem denger und ooser zum Beispiel. Er kommt aber in seinen Kolumnen zuweilen auch zu sehr eigenwilligen Feststellungen. Etwa diese hier: Früher waren irgendwie mehr Kosaken. Oder, dass es Menschen gibt, die hier nicht sitzen müssten. "Die wären besser gegangen."
Wir lernen, dass Esels- im Vergleich zu Pferdeäpfeln dreieckig sind und man zu dem neudeutschen Wort Incentive früher in der Eifel Souftour gesagt hat. Fritz-Peter Linden spart kein Thema des Eifellebens aus, sein eigenes inklusive. Da lesen wir eben auch von Radarfallen, einer schlechten Woche, die er hatte, oder aber die Seychellen, der kleine Ort Sellerich oder der Seelenstreifen bei Stadtkyll müssen herhalten, um einen Kalauer abzufeuern, dän sou rischtisch wiie deet. So sind sie eben, Lindens Kolumnen, schieng und schofelzisch, boh un bäh, jot un got, kautzisch un kantisch. Eins sind sie aber immer: sehr unterhaltsam.
In dem jetzt erschienenen Band gibt es neben den im Volksfreund veröffentlichten Kolumnen natürlich auch wieder einen Nachschlag, und auch einige von Fritz-Peter Lindens Karikaturen fehlen nicht. Schmökern lohnt sich.

"Et jit net jerannt", 208 Seiten, erschienen beim KBV-Verlag in Hillesheim und für 9,95 Euro.