Schlaues Mutterhuhn

MUSWEILER. (sos) Eine Henne hat 13 Küken - und das mitten im Winter! Der zu dieser kalten Jahreszeit sehr ungewöhnliche Zeitpunkt für Nachwuchs beim Federvieh war eine echte Überraschung für Otti Zens aus Musweiler.

Sie heißt Bertha und ist ein schlaues Zwerghuhn mit ausgeprägtem "Mutter-Instinkt". Unbemerkt hat sie 13 Eier bei ihren Hühnerfreundinnen eingesammelt, unter sich gescharrt, drei Wochen brütend im Stall versteckt und jetzt Hühner-Chefin Otti Zens aus Musweiler ein "Neujährchen" nach Kuckucksart beschert. 13 Küken verschiedener Federviehrassen sitzen seit erstem Januar unter wärmendem Rotlicht in Otti Zens Haus und piepsen ihr die Ohren voll. Die Musweilerin besitzt Gänse, Enten, Hühner, Perlhühner: 35 an der Zahl, die normalerweise alle draußen leben, und sie hat eine Eiersammlung vom Zaunkönig-Ei übers Pfauenei bis zum Nandu-, Emu- und Straußenei. "Ich habe mein Hühnchen zwar vermisst. Ich dachte, der Fuchs hat sie geholt", sagt die Frau, die die possierlichen Tierchen jetzt gemeinsam mit Bertha zu stolzen Hühnern groß ziehen will. Alleine schafft Bertha die Aufzucht nicht: "Als Zwerghuhn kann sie höchstens sieben Küken unter sich scharren." Während die Minis auf der stolzen Henne herumhopsen und deren Federschwanz als Rutsche ausprobieren, muss Otti Zens auf Futtersuche gehen: "Ich habe bei den Genossenschaften nach Kükenaufzuchtfutter gefragt. Doch zu dieser Zeit ist nichts zu bekommen. Die Futterbestände werden im Dezember zurückgegeben, und Nachschub gibt es erst im Frühsommer. Die haben sich gewundert, und gesagt man dürfe doch jetzt keine Eier in den Brutapparat legen." Bertha hat allerdings die Jahreszeit einen Dreck geschert.Im Winter tragen die Küken Mützchen

Und auch sonst ist ihr Geschmack ein ausgefallener: Immerhin sind unter den Jungen neben gelben und gestreiften Kücken auch kleine Perückenhühner. Otti Zens: "Da habe ich den Kindern im Dorf einfach erzählt: Die haben, weil es Winter ist, schon Mützchen an." Natürlich haben die Menschenkinder die Hühnerkinder auch gleich getauft. Otti Zens: "Es ist merkwürdig. Für Hühner wählen Kinder immer genauso ausgefallene altmodische Namen, wie das jetzt generell wieder in Mode kommt wie Henriette, Agathe, Petronella, Gustav oder Viktor." Für ihre 13 Kükengäste hat Otti Zens jetzt ein riesiges Papp-Haus besorgt: "Der Karton war so groß, der ging nicht in mein Auto rein. Ich musste ihn zerschneiden und wieder zusammenbauen. Jetzt geht das noch sechs Wochen so. Meinen Besuch in Frankfurt musste ich verschieben. Was soll ich denn mit 13 Küken in der Großstadt?" Die Kiebe zum Federvieh scheint übrigens erblich zu sein. Enkeltöchterin Raquel, an Silvester ein Jahr geworden, spricht eigentlich noch kein Wort. Beim Blättern im Bilderbuch mit Oma Otti allerdings entdeckte sie einen Hahn und brachte, padautz, ein stolzes "Kikerikie!" heraus!

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