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Schlechte Prognose für 75-jährigen Zündler

Schlechte Prognose für 75-jährigen Zündler

Der 75-jährige Serienbrandstifter aus Waxweiler stellt weiterhin eine Gefahr für seine Umwelt dar. Davon ist die Gutachterin im Prozess vor dem Landgericht Trier überzeugt. Seit März 2013 befindet sich der Mann in vorläufiger Unterbringung.

Trier/Waxweiler. Insgesamt neun Kleinbrände mit Papier und Reisig hatte der Beschuldigte zwischen 2013 und 2014 in Waxweiler gelegt - einmal in bedenklicher Nähe zum Gemeindehaus, ein anderes Mal an der Friedhofshalle. Staatsanwältin Daniela Gregarek geht davon aus, dass der Mann schuldunfähig ist. Auch sein oft bizarres Auftreten im Verfahren unterstreicht dies.
Er räumt die Taten ein, zumal er stets beim Zündeln ertappt worden war und die Kleinbrände danach selbst wieder gelöscht hatte. Eine konkrete Gefährdung sei aber nur im Falle des Gemeindehauses entstanden, erklärt die Brandsachverständige Dr. Silke Cox.Haus ohne Strom


"Sagen Sie uns doch einfach mal, warum Sie die Feuerchen gelegt haben", fordert ihn der Vorsitzende Richter Armin Hardt am jüngsten Verhandlungstag auf. Bisher hatte der 75-Jährige auf diese Frage immer geschwiegen.
Diesmal nicht. "Ich bin Umweltschützer und wollte das Papier beseitigen", erklärt er plötzlich. Eine klare Aussage des naturliebenden Mannes? Doch dann wird seine Rede wie schon so oft verworren: "Und außerdem ist nix passiert und ich weiß nicht, warum. Das Ganze stinkt mir, glauben Sie es mir."
Nochmals hört die Kammer eine Reihe von Zeugen, die aber nicht über die Feuerchen, sondern über die Person des Beschuldigten Aufschluss geben sollen. Der Kripobeamte, der ihn festgenommen hatte, spricht von einer "Art allgemeiner Aggression - da reichte schon eine rote Ampel", und er wundert sich über die fundierten Natur- und Physikkenntnisse.
Dass der Beschuldigte schon lange als Problemfall galt, bestätigt seine Nichte. Sie spricht von seiner langen Phase als Alkoholiker, die er aber 1999 mit einer Entziehungskur endgültig überwinden konnte, von seinem total baufälligen Haus ohne Strom und Wasser und dass er Kindern Angst einjagte.
In seinem Ort bei Waxweiler sei er halt so akzeptiert worden, da halte man zusammen, erklärt die Altenpflegerin. Sie hatte sich dafür eingesetzt, dass ihr Onkel eine Betreuerin erhielt (früher Vormundschaft), was aber an der Gesamtsituation am Ort auch nichts änderte.
Danach geben sich die psychiatrischen Fachärzte die Klinke in die Hand: aus Wittlich, Gerolstein und von der Andernacher Klinik Nette-Gut für Forensische Psychiatrie, wo der Beschuldigte derzeit untergebracht ist. Dort, so berichten der Arzt und ein Pfleger, habe der Patient auch mal ein Feuerzeug ins Haus geschmuggelt und auf seinem Zimmer mit Papier gezündelt. Viel ist bei den Arzt-Anhörungen von kognitiven Störungen die Rede. Keiner der Experten will eine Schuldunfähigkeit ausschließen.Verschlechterung zu erwarten


Auch die vom Gericht bestellte psychiatrische Sachverständige Dr. Sylvia Leupold attestiert Schuldunfähigkeit aufgrund einer Persönlichkeitsstörung. Die Ursachen seien laut Leupold nicht klar definierbar. Der frühere Alkoholismus, zu dem auch eine Tablettenabhängigkeit kam, eine physische Beeinträchtigung der vorderen Gehirnhälfte und die einsame Rolle des Dorfsonderlings hätten wohl zusammengewirkt.
Ihre Prognose klingt nicht optimistisch: "Bei seiner Erkrankung ist keine Verbesserung, sondern eher eine Verschlechterung zu erwarten."
Solange er körperlich so fit und mobil wie derzeit ist, werde er eine Gefahr bleiben. Ihre Empfehlung: eine dauerhafte geschlossene Unterbringung in der Klinik Nette-Gut.
Die Verhandlung wird am Mittwoch, 26. November, 9 Uhr, mit den Plädoyers, der Beratung und Urteilsverkündung fortgesetzt.