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Schleusen, Schilder, Schweines chießen

Wirtschaft : Schleusen, Schilder, Schweine schießen

Die Afrikanische Schweinepest ist auf dem Vormarsch. Bauernpräsident Michael Horper findet, es werde zu wenig getan (der TV berichtete). Das wollen die beiden Eifeler Landkreise nicht auf sich sitzen lassen.

Ein wenig erinnert es an ein Klettergerüst. Dieses vier Meter hohe Gestänge, das hinter der Einsatzzentrale des Technischen Hilfswerks Bitburg aufgebaut ist. Doch zum Klettern ist das Metallgebilde nicht gedacht, sondern zur Seuchenabwehr. Und so soll die Schleuse funktionieren: Wenn ein infizierter Tierkadaver gefunden wird, steht das Gerät an einer nahe gelegenen Straße. Jeder, der durch die Sperrzone um den verseuchten Körper fährt, muss sie passieren – wie eine Mautschranke an der Autobahn.

Die Wagen rollen zuerst durch eine Wanne mit Desinfektionsmitteln. Die Reifen und die Unterseite werden mit einer Chemikalie umspült, die Viren tötet.  Sie wird auch aus den Düsen gesprüht, die am Gestänge befestigt sind. Auf diese Weise soll ein Fahrzeug möglichst von Erregern gereinigt werden. Man kann sich das Ganze also vorstellen wie eine mobile Autowaschanlage. Denn die Stangen können innerhalb  weniger Stunden auseinander gebaut und an anderer Stelle wieder zusammengesteckt werden.

   Sieht aus wie ein Klettergerüst, ist aber eine Schleuse: Sie ist etwa vier Meter hoch, damit LKW durch passen. Die Wagen sollen in dem Gestänge von Viren gereinigt werden.
Sieht aus wie ein Klettergerüst, ist aber eine Schleuse: Sie ist etwa vier Meter hoch, damit LKW durch passen. Die Wagen sollen in dem Gestänge von Viren gereinigt werden. Foto: TV/Christian Altmayer

Zwei dieser Anlagen hat die Verwaltung des Eifelkreises Bitburg-Prüm vor einigen Monaten angeschafft. Kostenpunkt: Mehr als 30 000 Euro. Die Vulkaneifeler setzen auf eine feste Schleuse. Sie steht am Ortsausgang von Daun, unter dem Viadukt. Mobile Personenschleusen gebe es ebenfalls, teilt eine Sprecherin mit. Laut dem Bitburger Veterinär denkt man aber auch in der Vulkaneifel über das Nachrüsten mit mobilen LKW-Schleusen nach.

 Sie sollen sich weiterhin sauwohl fühlen: Die Wildschweine im Dauner Wildpark.
Sie sollen sich weiterhin sauwohl fühlen: Die Wildschweine im Dauner Wildpark. Foto: TV/Christian Altmayer

Denn die Afrikanische Schweinepest nähert sich der Bundesrepublik (der TV berichtete). Bislang wurden zwar noch keine Fällen gemeldet. Manche rechnen aber damit, dass die Seuche vielleicht noch ein Jahr für das Überschreiten der Grenze braucht.

Einer von ihnen ist Michael Horper, der Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau. In einem Interview mit dem TV forderte er deshalb, dass die Rheinland-Pfälzer sich besser auf den Ausbruch des Virus vorbereiten sollten. Unter anderem verlangte er, der Eifelkreis solle einen eigenen Haushaltsposten für die Prävention der Epidemie einstellen. Es brauche zudem ein Konzept, das die Landwirte in Seuchensperrzonen vor Ernte- und Vermarktungsverboten bewahre. Horper wünscht sich aber auch mehr Unterstützung für die Jäger, die derzeit angehalten sind, mehr Wildschweine zu schießen als in den vergangenen Jahren.

Auf die Forderungen des Bauernpräsidenten hat Landrat Joachim Streit nun reagiert. Dass der Eifelkreis zu wenig unternehme, will er nicht auf sich sitzen lassen: „Wir haben seit vier Jahren den Runden Tisch Schwarzwild. Da hat der Bauernverband nie solche Vorschläge gemacht.“ Im Gegenteil: Kreisjagdmeister Gerd Grebener habe die Landwirte sogar aufgefordert, einen Katalog mit Problemen und Fragen zu erarbeiten. Bis heute habe er keine Rückmeldung erhalten. Die Anregungen, die Horper im Interview gemacht habe, sollen nun aber vom Runden Tisch „auf Sinnhaftigkeit“ geprüft werden.

Es werde aber schon viel getan, sagt der Landrat. 15 000 Euro habe der Kreis bislang für Präventionsmaßnahmen ausgegeben. Auch der Vulkaneifelkreis investiere laut einer Sprecherin Tausende Euro: „Wir lassen das nicht links liegen.“ Jäger und Bauern hätten die Verwaltungen über Infoschreiben und Veranstaltungen sensibilisiert. Wildsammelstellen seien renoviert worden. Das Veterinäramt kontrolliere Schweinehalter zudem häufiger als zuvor auf die Einhaltung von Sicherheitsmaßnahmen. „Inzwischen ist so ein Schweinestall ja ein Hochsicherheitstrakt“, erklärt Streit: „Da gibt es für die Landwirte eigentlich keinen Grund zur Panik.“ Denn wenn sie auf Biosicherheit und Hygienevorschriften achteten, hätten sie kaum etwas zu befürchten.

Auch Hinweisschilder habe die Kreisverwaltung an Rastplätzen aufgestellt. Die Warnung steht dort auf Deutsch, aber auch in russischer, polnischer und rumänischer Sprache. Denn die Gefahr kommt aus Osteuropa.  Dort ist die Afrikanische Schweinepest bereits ausgebrochen. Verwaltungen befürchten, dass Lastwagenfahrer aus diesen Ländern Wurstbrote mit infiziertem Fleisch durch die Bundesrepublik transportieren. Wenn sie sie wegwerfen und ein Wildschwein davon frisst, gibt es einen ersten Seuchenfall in Deutschland. Das will auch der Landesbetrieb Mobilität in Gerolstein verhindern. Daher habe die Behörde an allen Parkplätzen entlang von Straßen mit hohem Verkehrsaufkommen im März Hinweisschilder aufgestellt, wie ein Sprecher des LBM mitteilt. Die orangen Warnhinweise sind weder in Kelberg noch in Irrel, weder in Arzfeld, noch in Stroheich zu übersehen. Darüber hinaus würden die Mülleimer auf diesen Rasthöfen inzwischen häufiger geleert und gesäubert. Zäune, die Tiere von den Parkplätzen fernhalten sollen, seien erneuert worden.

Jetzt fehlten nur noch die privaten Eifeler Rasthöfe. Dort gebe es bislang keine Hinweisschilder, sagt ein Sprecher der Straßenplaner. Man habe den Betreibern zwar angeboten, ihnen die Schilder kostenlos zu montieren. Aber entsprechende Hinweise seien bislang ohne Rückmeldung geblieben. Im Dauner Wildpark hingegen unterschätzt man die Gefahr offenbar nicht. Hier hängen die Schilder, gut sichtbar, am Eingang des Wildschwein-Geheges. Und auch Handzettel liegen im Restaurant und im Eingangsbereich aus.

„Ob das alles etwas bringt, wissen wir nicht“, gibt Streit zu: „Das werden wir wohl erst erfahren, wenn es zum Ernstfall kommt.“ Vielleicht kann aber auch eine Probe für den Ausbruch der Seuche helfen. Was genau von wem wie zu tun ist, soll bei einer Übung Anfang Juni besprochen werden.