Schleuser, Spinnen, Steinewerfer

Seit im Revier mehr Beamte stationiert sind, gehen der Bundespolizei in Prüm auch mehr Täter ins Netz. Auch die Kooperation mit den Kollegen in den Nachbarländern funktioniert. Das ist das Fazit der Jahresbilanz, die von der Behörde auf TV-Anfrage erstmals herausgegeben wurde.

 Gemeinsame Kontrolle: Beamte der Bundespolizei kontrollieren mit belgischen Kollegen Autofahrer bei Prüm. Foto: Bundespolizei

Gemeinsame Kontrolle: Beamte der Bundespolizei kontrollieren mit belgischen Kollegen Autofahrer bei Prüm. Foto: Bundespolizei

Prüm. Die Bundespolizei: Seit 2006 verrichten in Prüm zwölf Beamte ihren Dienst, im vorigen Jahr kamen acht Kollegen hinzu (der TV berichtete). Zum ersten Mal hat die Behörde nun auf Anfrage des TV eine Jahresbilanz vorgelegt.

Und den Beamten ist bereits der ein oder andere dickere Fisch ins Netz gegangen: Nach der Verhaftung von zwei Rauschgifthändlern konnten die Ermittler 2009 ein ganzes Drogenkartell auffliegen lassen. Außerdem angelten sie unter anderem einen Mann, der eine teure Münzsammlung gestohlen hatte.

Deren Wert sei zwar nicht zu schätzen, sagt Polizeisprecher Rudolf Höser. Der Dieb allerdings entpuppte sich als alter Bekannter: Bereits 20 Jahre hatte er hinter Gittern verbracht. Unter anderem war er 1976 beteiligt an der Geldwäsche nach der Entführung von Richard Oetker. Das Lösegeld damals: 21 Millionen Mark.

Insgesamt haben die Prümer Beamten im Vorjahr 52 Personen festgenommen, die zur Fahndung ausgeschrieben waren, die meisten davon nach der Einreise über die A 60 aus Richtung Belgien. 60 weitere Männer und Frauen wollten illegal ins Land und wurden dabei ertappt. Die Polizisten stellten 23 gestohlene Autos, Ausweise und andere Gegenstände sicher, in 94 Fällen fanden sie Rauschgift.

Franzosen transportieren 500 Krabbeltiere



Ebenfalls im Jahr 2009 griffen die Beamten zwei Schleuser auf, die vier Menschen nach Deutschland bringen wollten: "Das ist hochkriminell", sagt Rudolf Höser. "Da werden Menschen ausgebeutet und unter unmenschlichen Bedingungen transportiert."

Schlagzeilen machten aber auch Ereignisse im laufenden Jahr. Wie die Geschichte mit den Spinnen: Drei Franzosen hatten rund 500 davon in ihrem Wagen, als sie im April von den Beamten bei Winterspelt aufgegriffen wurden. Die Tiere, darunter auch einige Vogelspinnen, sollten in Deutschland bei einer Ausstellung gezeigt und verkauft werden. Nach einer Überprüfung durch Zoll und Veterinäramt durfte das Trio mit seiner tierischen Fracht weiterreisen.

Mitte Mai wiederum schnappten die Polizisten in Jünkerath die Steinewerfer, die eine Regionalbahn schwer beschädigt hatten. Die Täter: vier Mädchen zwischen acht und elf Jahren.

Viele Festnahmen also insgesamt - was auch an der Routine der Kollegen liege, sagt Rudolf Höser: "Da brauchst du gute, erfahrene Leute. Und die haben wir in Prüm." Ebenfalls erfreulich sei die gute Zusammenarbeit mit den Kollegen in Belgien und Luxemburg.

Für 2010 zeichnet sich eine noch höhere Zahl der Verhaftungen und aufgedeckten Delikte ab, sagt Höser. "Das ist aber keine dramatische Steigerung der Kriminalität in der Prümer Ecke. Es hängt stattdessen damit zusammen, dass wir dort jetzt mehr Personal haben und mehr Überwachungen vornehmen können."

Extra Die Bundespolizei in der Abteistadt: Seit dem Schengener Abkommen gibt es an den EU-Binnengrenzen keine Kontrollen mehr, damit die Bürger uneingeschränkt von Land zu Land reisen können. Überwacht und nach Straftätern gefahndet wird trotzdem - eine der Aufgaben der aus dem ehemaligen Grenzschutz hervorgegangenen Bundespolizei, die 2006 eine Dienststelle in Prüm einrichtete. Die Prümer Beamten sind zuständig für das Gebiet entlang der Grenzen zu Belgien (57 Kilometer lang) und Luxemburg (117 Kilometer), außerdem ermitteln sie bei Vorfällen auf der Bahnstrecke zwischen Speicher und der Grenze zu Nordrhein-Westfalen. (fpl)