Schlussfeier in Welchenhausen: Bildhauer-Symposium ist vorüber.

Bildhauer-Symposium : Ein Fest der Kunst im Dreiländer-Eck

Nach vier intensiven Arbeitswochen ist das Bildhauer-Symposium in Welchenhausen mit einem großen Fest zu Ende gegangen. Zu recht: Für ihre Ergebnisse dürfen sich die Teilnehmer wirklich feiern lassen.

Rund 8000 Schweißpunkte: So viele, schätzt Werner Bitzigeio, dürften es schon sein an seinem großen Stahlgeflecht. Das war ordentlich Arbeit. Aber pünktlich zum Finale beim Bildhauer-Symposium (der TV berichtete) ist der Winterspelter Künstler fertiggeworden. Als einziger übrigens, der nicht in Eifeler Sandstein oder Basalt arbeitete.

Und sein Werk ist bereits erobert. Von den Kindern, die am Samstag mit ihren Familien zur Schlussfeier an der Grenzbrücke im Ourtal gekommen sind. Die Kletterei stört Bitzigeio nicht im Geringsten: Das sei doch genau richtig, sagt er. Bloß nicht immer so viel Distanz zur Kunst.

Die Jugend erobert das Werk von Werner Bitzigeio. Und das ist ganz im Sinne des Künstlers aus Winterspelt. Foto: Fritz-Peter Linden

„Die werden nie fertig!“ Das, sagt Leonie Simons, die Vorsitzende des Museumsvereins Welchenhausen, sei der vermutlich häufigste Satz der Besucher in den vergangenen vier Wochen gewesen. Zum Glück stimmte das nicht, obwohl sich einige im Wortsinn richtig schwere Brocken vorgenommen hatten.

Und auch die Künstler danken: Schlussfeier beim Bildhauer-Symposium in Welchenhausen. Foto: Fritz-Peter Linden

Nur einer hat es nicht ganz geschafft – und das ist ausgerechnet der künstlerische Leiter Christoph Mancke: Eine Lungenentzündung zwang ihn sogar ins Krankenhaus, er verlor zwei Arbeitswochen. Und doch sieht man schon, wie seine zweiteilige Skulptur am Ende aussehen wird: Das Stahlelement ist fertig, der Stein muss aber noch bearbeitet werden.

Puzzle-Kopf: Susanne Pauckers „Dreiländereck-David“. Foto: Fritz-Peter Linden

Davon abgesehen aber ist er sehr froh mit den Ergebnissen seiner Kolleginnen: „Ich bin begeistert“, sagt Mancke zum TV. Er sei nach zwei Wochen zurückgekommen und habe gesehen: „Da ist keine schwache Arbeit dabei. Die sind alle toll.“

Das sehen heute alle so, die zum Fest gekommen sind. Nicht nur Leonie Simons, die erneut an ihren Vorgänger, den vor wenigen Wochen gestorbenen Christof Thees erinnert, der wesentlich – und bis zuletzt – dazu beigetragen hatte, dass das Symposium zustande kommen konnte. Auch Rudolf Rinnen, der für den Kreis Landrat Joachim Streit (auch ein Förderer) vertritt. Rinnen zählt weitere wichtige Punkte auf: „Ich glaube, das Symposium hat auch Menschen, die bisher keinen Bezug zur Kunst haben, einen Ansatz gegeben, sich damit zu beschäftigen.“ Und zudem: „Was wir im Moment in Europa und auch in der Welt erleben an nationalistischem Denken, das wird hier in der Grenzregion überwunden.“ Auch mit der Kunst könne man dagegen anarbeiten: „Wir lassen uns Europa nicht kaputtmachen.“

Fast fertig: Christoph Mancke mit seiner Arbeit. Foto: Fritz-Peter Linden

Für die Bitburger Dr. Hanns-Simon-Stiftung – sie gab 150 000 Euro – spricht Michael Dietzsch. Und auch er ist angetan von der Kunst, „die keine Grenzen kennt“, von den Bildhauern, die „sehr gut ausgesucht“ gwewesen seien – übrigens ohne sein Zutun: Er habe einen Sitz in der Jury abgelehnt, denn: „Die Kunst muss frei sein.“

Noch ein starkes Stück: Skulptur von Sandrine Brasseur aus Lüttich. Foto: Fritz-Peter Linden

„Schön zu sehen, wie die Steine sich entwickelt haben“, sagt Andreas Kruppert, der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Arzfeld, auch wenn er „mit ein bisschen Wehmut“ das Symposium zu Ende gehen sehe. Mit Freude aber registriert er, was dabei herausgekommen ist. Und wie die Bürger aus Welchenhausen und den Nachbarorten den Künstlern zur Seite gestanden haben. Weshalb nicht nur die Bildhauer geehrt werden. Sondern auch die „vier guten Seelen“ Lothar Becker, Sigi Meyfart, Rudi Lallemand und Michael Klimkeit.

Da passen die beiden Zitate, die sich Kruppert gemerkt hat, doch bestens. Erstens den Satz von Werner Bitzigeio: „Ich habe schon viele Symposien mitgemacht. Aber das sich ein ganzes Dorf um die Künstler kümmert, das habe ich noch nicht erlebt.“ Und der des Kollegen Bertrand Ney: „Die Steine werden jeden Tag dünner. Und wir immer dicker.“

Alison Darby, in Belgien geborene Britin mit Wohnsitz in Berlin, hat unterdessen „noch nie mit einem so großen Stein gearbeitet“ – sehr schön sei das gewesen. „Ich habe viel gelernt von den anderen Künstlern“, sagt sie. Und die Zusammenarbeit mit den Einheimischen sei super gewesen. Klar, dass sie wiederkehren wird: Es sei ihr „ganz wichtig, dabei zu sein, wenn er platziert wird“. Das wird im Frühjahr sein, wenn alle Werke am neuen Skulpturenwanderweg aufgestellt werden. Leonie Simions lädt schon einmal vorsorglich alle Besucher zur Einweihungsfeier ein.

Und die, so hat man den Eindruck, dürften wohl alle gern wiederkommen.

Bilderstrecke unter www.volksfreund.de