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Schnelle Zuflucht, langfristige Hilfe

Schnelle Zuflucht, langfristige Hilfe

Die Jugendhilfestationen in der Eifel suchen für Kinder, die das Jugendamt aus ihrer Familie herausgenommen hat, ein neues Zuhause - doch das ist nicht immer einfach: Pflegeeltern sind rar gesät, Schützlinge gibt es viele. Daneben kümmern sie sich um viele andere Aufgaben - und immer steht das Wohl des Kindes im Vordergrund.

Bitburg/Prüm/Daun. Wenn Kinder im eigenen Zuhause nicht genügend Zuwendung bekommen, muss es manchmal schnell gehen: "Dann kommt ein Anruf vom Jugendamt", sagt Verena Schröder von der Jugendhilfestation Daun. "Und dann muss innerhalb kürzester Zeit ein Platz gefunden werden." Das nennt sich Bereitschaftspflege: Dabei handelt es sich um die kurzfristige Aufnahme eines Kindes in einer Pflegefamilie - "oder auch bei einer alleinerziehenden Pflegemutter oder einem Pflegevater". Enge Zusammenarbeit

"Das ist eine Zuflucht, die zeitlich begrenzt ist: meistens auf die Dauer von maximal drei Monaten", sagt Verena Schröder. Nötig werde das nicht nur, bis die endgültige Unterbringung des Kindes geklärt sei, sondern beispielsweise auch bei Notfällen wie einem Krankenhausaufenthalt eines alleinerziehenden Elternteils. Die Vermittlung in Bereitschaftspflegestellen ist eine von vielen Aufgaben, der sich die Mitarbeiter der Jugendhilfestationen (siehe Hintergrund) an den Standorten Bitburg, Prüm, Daun und Adenau kreisübergreifend widmen. Sie arbeiten dabei eng mit den Jugendämtern zusammen. Außerdem vermitteln die Jugendhilfestationen auch Kinder in sozialpädagogische Pflegestellen (der TV berichtete). In diesen werden Kinder mit "erhöhtem pädagogischen Bedarf" untergebracht - Kinder, die bereits schmerzliche Erfahrungen im Elternhaus gemacht haben. Für die suchen die Jugendhilfestationen Pflegeeltern, die eine pädagogische Ausbildung haben: Damit sie die Schützlinge noch umfassender betreuen können. In beiden Fällen sei der Bedarf "sehr groß", sagt Verena Schröder. Die Jugendhilfestationen sind ständig auf der Suche nach Menschen, die bereit sind, Kinder bei sich aufzunehmen - sei es für kurze oder längere Zeit. Dass der Bedarf an Pflegeeltern "steigend" ist, teilen auch die Kreisverwaltungen mit: Im Eifelkreis Bitburg-Prüm lebten im vergangenen Jahr 150 Kinder in Pflegefamilien. Zum Vergleich: 2008 waren es 111. Im Landkreis Vulkaneifel befinden sich derzeit 85 Kinder in Pflegefamilien, vor zehn Jahren waren es 67 - "besonders für die Aufnahme von Jugendlichen" sei der Bedarf hoch, sagt Verena Müller von der Kreisverwaltung in Daun. Mit der Unterbringung allein ist es dann aber nicht getan: Die Mitarbeiter der Jugendhilfestationen betreuen Pflegekind und Pflegeeltern in regelmäßigen Abständen und helfen bei allem, wo Hilfe nötig ist. Extra

Die Salesianer Don Boscos, der Verein der Schmiedeanstalten und die Kreuznacher Diakonie gründeten 1996 für den Aufbau ambulanter und teilstationärer Erziehungshilfen im ländlichen Raum den Ökumenischen Erziehungshilfeverbund, der in der Eifel durch einen weiteren Gesellschafter, den Caritasverband Westeifel, verstärkt wurde. Ab 1997 wurden die Jugendhilfestationen an den Standorten Bitburg, Prüm, Daun und Adenau als kreisübergreifende Angebote aufgebaut - gefördert mit Mitteln des Landes und der Landkreise. Etwa 64 Mitarbeiter arbeiten bei der gemeinnützigen Gesellschaft, die neben den Pflegschaften auch Tagesgruppen und ambulanten Dienst anbietet: In den Tagesgruppen werden derzeit 42 Kinder betreut, die ambulanten Dienste betreuen in Bitburg 85 Familien, in Daun neun Familien, in Adenau 47 Familien. Die Finanzierung läuft über die Jugendämter. eib Extra

Wer sich als Pflegemutter oder -vater bewerben möchte, erhält dazu Informationen bei der Jugendhilfestation Daun, Abt-Richard-Straße 4, 54550 Daun, oder kann sich wenden an: Verena Schröder, 0176/64377593, verena.schroeder@jugendhilfestationen.de , oder Tanja Radics, 0176/30745531, tanja.radics@jugendhilfestationen.de eib