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Schnelles Internet in Warteschleife

Schnelles Internet in Warteschleife

Das langsame Internet im Industriegebiet "Auf Merlick" entnervt nicht nur die dort ansässigen Gewerbetreibenden. Es bremst auch die Ansiedlung neuer Betriebe. Die Stadt Bitburg hat das Warten satt und einen Zuschuss von 50 000 Euro für die Verlegung von Glasfaserkabeln angeboten. Alle Augen sind nun auf die Telekom gerichtet, die sich binnen 14 Tagen entscheiden will.

Bitburg. Schneckentempo statt Datenautobahn: Die Gewerbetreibenden im Bereich der Daimlerstraße im Bitburger Industriegebiet "Auf Merlick" sind stinksauer. Ihre Firmen sind nur mit 08/15-DSL versorgt. Trotz zahlreicher Bemühungen und Gespräche des Gewerbevereins Bitburg mit der Stadt Bitburg und der Telekom ist das Problem seit Monaten ungelöst (der TV berichtete).
Mancher Privathaushalt in Bitburg surft um Längen schneller im weltweiten Netz als einige Firmen im neuen Bitburger Gewerbegebiet. Und gerade die sind auf eine leistungsfähige DSL-Versorgung angewiesen. Allerdings sind Firmen im Bereich der Daimlerstraße auf DSL 2000 bis 3000 angewiesen - ein Standardanschluss für normale Haushalte.
Auch die Stadt Bitburg möchte das Problem so schnell wie möglich gelöst haben. Immerhin wirkt das Schnecken-Internet für die Ansiedlung neuer Betriebe im Gewerbegebiet "Auf Merlick" als regelrechter Bremsklotz. Keine gute Werbung, um neue Firmen anzulocken. Aus diesem Grunde hat die Stadt der Telekom ein Angebot vorgelegt. Sie will 50 000 Euro für die Aufrüstung mit Glasfaserkabeln zuzahlen, um das Problemkind "Auf Merlick" mit DSL 16 000 versorgen zu können. "Wir wollen das ad hoc umsetzen", sagt Berthold Steffes, Leiter des Tiefbauamtes, aber seit Monaten rühre sich die Telekom nicht in der Sache. Binnen 14 Tagen wolle sich die Telekom nun entscheiden, ob sie der Verlegung von Glasfaserkabeln zustimmt.
Werner Schilz, Geschäftsführer der SE Service GmbH, sieht eine alternative Lösung im Falle eines Telekom-Neins. "Wir haben ein Angebot eines Anbieters für Funk-Internet - mit einer Leistung 16 000er DSL. Das wäre eine Alternative für uns", sagt Schilz, denn die Übertragungsgeschwindigkeit betrüge dann 16 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) statt der 2 beziehungsweise 3 Mbit/s - vergleichbar mit der Power eines Ferrari gegenüber der eines Käfer. Allerdings müssten die Sicherheitsstandards stimmen. "Aber was bleibt uns sonst übrig?"
Eine Alternative zum Kabelinternet gibt es hingegen für Detlef Grewenig nicht. Dem Geschäftsführer der Firma G&G Motorsport GmbH ist die Funktechnik nicht sicher genug. "Trotz der Verschlüsselung ist mir die Datensicherheit bei dieser Variante zu unsicher. Funk-Internet kommt für mich nicht infrage", sagt Grewenig. Für einen Hacker sei das kein großes Problem, sich ins Netz einzuschleichen. Seine Firma ist vor einem Jahr vom Gewerbegebiet Flugplatz Bitburg ins neue Industriegebiet umgesiedelt.
Dementsprechend ernüchternd stellt sich die Situation dar. "In einem neuen Industriegebiet darf man als Gewerbetreibender wohl eine Technik erwarten, die auf dem neusten Stand ist", sagt Grewenig.Meinung

Wirtschaftlicher Bremsklotz
Pest oder Cholera? Bei der Wahl eines Netzanbieters bleibt Privatkunden oftmals nur die Wahl des kleinsten Übels. Manchmal fehlt sogar jegliche Alternative. Dass auch die Stadt Bitburg nun mitten im Verhandlungspoker mit dem Magenta-Riesen aus Bonn steckt, zeigt nur, wie mächtig die Netzanbieter sind. Da hilft auch die glänzend schöne Fernsehwerbung nicht, in der die Telekom eine Technik der unbegrenzten Möglichkeiten verspricht, wenn sie in der Realität als Bremsklotz für den Wirtschaftsstandort Bitburg agiert. Schnecken-Internet ist kein gutes Werbe-Zugpferd für ein prosperierendes Gewerbegebiet. Aus diesem Grunde sollte die Stadt Bitburg der Telekom das Messer auf die Brust setzen oder auf eigene Faust eine Alternative schaffen. d.zapp@volksfreund.de