Schnellstes Internet in Neubaugebieten

Bitburg · Bewohner der Kernstadt und in privat erschlossenen Neubaugebieten surfen mit rasanter Geschwindigkeit durchs Internet. Sie hängen viele Stadtteile ab, wo noch immer ein großes Ungleichgewicht bei der Übertragungsrate herrscht.

Bitburg. Mit mehr als 50 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) rasen Bewohner im Bereich der Saarstraße auf der Datenautobahn. In Bitburg-Mötsch kann man vor dem PC sitzend dagegen froh sein, wenn das Internet mehr als zwei Megabit pro Sekunde hergibt: Das sind nur vier Prozent der Geschwindigkeit im Vergleich zur Saarstraße. "Das Internet in Mötsch ist so langsam, dass wir mit Rauchzeichen wahrscheinlich schneller kommunizieren könnten", sagt Horst Kinnisch, der in Mötsch eine Sanitärfirma betreibt.
Der Grund dafür ist, dass noch nicht alle Stadtteile in Bitburg flächendeckend mit einem Breitbandanschluss versorgt sind. Mötsch, Gebiete in Stahl und in der Kernstadt entlang des Ostringes sowie Straßenzüge auf dem Flugplatz und im Gewerbegebiet auf Merlick hinken immer noch im Schneckentempo hinterher. Im Vergleich zu Metropolregionen muss sich die Bevölkerung auf dem Land generell meist mit einer Internetgeschwindigkeit abfinden, die viele Wünsche offenlässt.
Stadtteile ungleich versorgt



Aber es kann auch anders laufen wie beispielsweise in Bitburgs Neubaugebiet Auf dem Monental. Dort verfügen die Bewohner über einen schnellen Datentransfer. Die private Erschließungsfirma Volksbank Immobilien GmbH, eine Tochtergesellschaft der Volksbank Bitburg, hat ihr Neubaugebiet im Handumdrehen mit einem Breitbandanschluss ausgestattet. "Wir haben mit der Telekom verhandelt, mehr als 30 000 Euro auf den Tisch gelegt und fertig", sagt Johannes Thommes, Geschäftsführer der Volksbank Immobilien GmbH. Die Datenübertragungsrate sei heutzutage generell ein wichtiges Kriterium bei der Vermietung und dem Verkauf von Immobilien im ländlichen Raum geworden, sagt Thommes. "Was können Sie mir für eine Internetverbindung bieten?", sei meist eine der ersten Fragen, die Kunden bei Verkaufsgesprächen stellen würden. In Bitburgs größtem Neubaugebiet Auf dem Monental habe die Volksbank deshalb direkt vorgesorgt und dem Netzbetreiber Geld dafür gezahlt, damit er das Gebiet mit einer Bandbreite von 50 Mbit/s anschließt. Solche unbürokratischen Methoden könne die Stadt nicht anwenden, um die Internetversorgung zu verbessern, erklärt Gerlinde Funk von der Stadtverwaltung Bitburg. Investiert die Stadt in eine Breitbandversorgung, muss sie den Auftrag öffentlich ausschreiben.
Stadt sind Hände gebunden


Was im Klartext heißt: Die Stadt kann wegen bürokratischer Hürden nicht direkt eine Firma beauftragen, sondern muss zuvor eine langwierige Bedarfsanalyse durchführen und einen Stadtratsbeschluss abwarten, um den Auftrag letztlich auszuschreiben. "Wir dürfen nicht alles, was wir wollen", heißt es aus der Stadtverwaltung.
Dass die Breitbandversorgung zunehmend eine besondere Rolle im Rahmen der Erschließung von Neubaugebieten habe, bestätigt auch Gerlinde Funk.
Auch die Stadt erschließt Bauland wie zum Beispiel "Auf der Acht" in Erdorf oder in der Ringstraße in Bitburg-Mötsch. Da es dort für die Internetanbieter einen großen Markt zu erschließen gäbe, sei damit zu rechnen, dass die Gebiete mit neuer leistungsstarker Technik versorgt werden. In den schlecht versorgten Straßenzügen der bereits erschlossenen Stadtteile sei in Zukunft hingegen nicht mit einer Änderung/Zunahme der Geschwindigkeit zu rechnen. Für die Internetanbieter sei es schlicht unrentabel, für ein paar Gewerbetreibende oder Bürger hohe Investitionen zu tätigen, erklärt Gerlinde Funk. Allerdings wüssten viele Gewerbetreibende nicht, dass man für teures Geld trotzdem mehr Leistung von den Anbietern bekommen könnte. Zudem könnten viele Bürger ihre Datenübertragungsrate einfach durch einen Anbieterwechsel verbessern, was vielfach unbeachtet bliebe.Extra

Als Breitband bezeichnet man einen Zugang zum Internet mit einer relativ hohen Datenübertragungsrate. Eine verbindliche Definition, wie viel Megabit ein Internetanschluss haben muss, um den Namen Breitband zu tragen, gibt es nicht, da die Geschwindigkeit mit der technischen Entwicklung stets zunimmt. Wenn in der Politik von einer flächendeckenden Breitbandversorgung gesprochen wird, die für ländliche Gebiete oftmals von existenzieller Bedeutung ist, wird Breitband mit einer Datenübertragungsrate von mindestens einem Megabit pro Sekunde (Mbit/s) definiert. Nach Angaben des Ministeriums des Inneren, für Sport und Infrastruktur verfügen mittlerweile etwa 98 Prozent aller Haushalte in Rheinland-Pfalz über einen Anschluss von 1 Mbit/s und mehr. Etwa zwei Prozent der Bevölkerung, zumeist in ländlichen Regionen, haben keinen Breitbandanschluss. Im Eifelkreis sind derzeit immer noch etwa 75 Prozent aller Ortsgemeinden und 84 Prozent aller Haushalte unterversorgt. cmo Informationen zur Übertragungsrate an Ihrem Wohnort finden Sie über den Breitband-Navigator im Internet: breitband.rlp.de

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