Schnitzen, nähen, Schwätzchen halten

Gewerbe : Schnitzen, nähen, Schwätzchen halten

Handgefertigte Unikate wohin das Auge blickt: Beim ersten Bleialfer Kunst- und Handwerkermarkt waren Massenprodukte tabu – die Besucher begrüßten dies offensichtlich und kamen in Scharen an den Fuß der Schneifel.

Stolz dreht Thomas Block ein kleines farbenfrohes Täschchen in der Hand. Er blickt zufrieden auf das Schnäppchen, schlägt es vorsichtig in Papier ein und verstaut es in der Satteltasche seines Motorrads. Wie er als vermeintlicher Rocker auf dem ersten Bleialfer Kunst- und Handwerkermarkt gelandet ist? Block grinst breit: „Wie so oft war der Zufall im Spiel. Seit Freitag bin ich mit Kumpels auf Motorradtour.“ Als die Gruppe in Bleialf kurz Pause machte, sahen sie, dass hier irgendwas los ist. Man schaute sich um, die Pause wurde immer länger und keine halbe Stunde später habe Bock das hübsche Mitbringsel für seine Freundin gekauft, sagt der Dortmunder, verabschiedet sich, springt auf seine Maschine und saust davon.

„Woher die Besucher alle kommen, können wir kaum sagen. Wir haben in der ganzen Region, also auch in Belgien und Luxemburg, die Werbetrommel gerührt und 2500 Flugzettel unter die Leute gebracht“, sagt Hanns-Peter Küster, Vorsitzender der Vereinsgemeinschaft Bleialf. Erstmals hat die Gemeinschaft den Markt organisiert. 58 Aussteller haben Küster und sein Team an den Fuß der Schneifel geholt.

Das sie die Ausrichtung des Markts übernahmen, gehe auf seine Funktion als Ratsmitglied zurück, sagt Küster. Bürgermeisterin Edith Baur hatte voriges Jahr das erste Maikäferfest angestoßen. Da habe er gedacht, dass man das Ganze ein bißchen verändern müsse, damit nicht immer dasselbe passiere und sei auf die Idee mit dem Handwerkermarkt gekommen.

Als bei den ersten Vorbereitungen aufgefallen sei, dass es einen reinen Kunst- und Handwerksmarkt in dieser Form in der Region noch nicht gebe, sei der Ehrgeiz gewachsen und die Marschrichtung vorgegeben gewesen: „Wir wollten definitiv darauf bestehen, dass alles was angeboten wird, auch aus eigener Herstellung kommt – leicht war das nicht, aber es ist geglückt.“

Das finden auch Elke und Franz Eschweiler aus der Nähe von Euskirchen. Im Herzen das Marktes schlugen sie ihren Marktstand auf, um zum einen Elke Eschweilers Kreationen aus Stoff anzubieten, zum anderen Franz Eschweilers Speckstein-Kunstwerke zu verkaufen. „Der Markt ist breit aufgestellt. Es gibt viele spannende Angebote. Bei uns gibt es auch gleich zwei sehr unterschiedliche Richtungen an Handwerkskunst“, sagt Franz Eschweiler, während er einen kleinen Stein feilt.

Seine Frau führt am Stand allerdings nichts vor. „Das wäre doch etwas viel. Ich habe meine Näharbeiten mitgebracht und biete sie hier an“, sagt sie und zeigt auf eine Art Vorhang, der aus vielen kleinen weichen Stoffherzen besteht. „Die sind im Moment der Renner, ich komm‘ mit dem Nähen fast nicht mehr nach.“ Feines aus der Wolle von ihren fünf Alpakas hat Sabine Heinemann von ihrem Hof in der Nähe von Losheim mitgebracht. Auch sie schätzt die Abwechslung des Marktes: „Es gibtviel zu entdecken.“ Vor zwei Jahren habe sie mit der Haltung von Alpakas begonnen. „Eigentlich nur aus Leidenschaft für die Tiere. Mein Schwiegervater, er ist ein alteingesessener Eifler Landwirt, fragte natürlich gleich, wozu die Tiere denn so zu Nutze sind. Da musste ich mir was einfallen lassen und biete seit vorigem Herbst die Wolle unserer Tiere in Form von Socken und Jacken an.“

Ortsbürgermeisterin Edith Baur ist zufrieden mit dem Markt. „Das sowas direkt aus dem Ort heraus entsteht und auf die Beine gestellt wird, zeigt, dass es ja Bedarf gibt und wir uns, auch ohne Gewerbeverein, nicht verkriechen dürfen.“ Sie hoffe, dass dies der Beginn einer neuen Tradition ist. „Mir und den Besuchern gefällt es auf jeden Fall sehr gut.“

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