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Schöne Bescherung in schwierigen Zeiten

Menschen eine Freude bereiten : Weihnachtsbaumaktion in Bitburg – Schöne Bescherung in schwierigen Zeiten

Bei der 26. Runde der Bitburger Weihnachtsbaumaktion wird alles ein bisschen anders. Zum einen hat Organisatorin Karin Bujara-Becker mit dem Karree-Eifel und der Caritas Sozialstation neue Partner gefunden. Zum anderen sind da die Pandemie und die Not, die sie mit sich bringt. Geschenke können da ein Lichtblick sein, findet die Veranstalterin.

Schwere Schicksale spielen sich oft  im Verborgenen ab. In den Wohnungen von Senioren, deren Rente nicht mal für das Nötigste reicht, etwa. Oder in Heimen, wo vernachlässigte oder misshandelte Kinder einsam Weihnachten feiern. Und auch in Familien, wo Jobverlust, Trauerfälle, Krisen und Krankheit hereinbrechen. Die Pandemie hat die sozialen Notlagen aber noch verschärft, auch in der Region. Arbeitslosigkeit, Armut, Einsamkeit, häusliche Gewalt und psychische Probleme nehmen zu.

In dieser „dunklen Zeit“, wie Karin Bujara-Becker es ausdrückt, will die Geschäftsfrau und Stadträtin nun zumindest wieder einen „kleinen Lichtblick“ bringen. „Gerade jetzt, in dieser Krise, müssen wir füreinander da sein“, findet die Bitburgerin. Und hat daher, wie sie sagt, „keine Sekunde darüber nachgedacht“, ihre traditionelle Weihnachtsbaumaktion wegen des Virus abzusagen: „Ich glaube auch nicht, dass die Hilfsbereitschaft in der Krise geringer wird. Im Gegenteil.“

Es wäre auch das erste Mal seit 26 Jahren, dass die 57-Jährige klein beigeben würde. Denn so lange macht sie schon ihre Spendensammlung für bedürftige Kinder und Senioren. Die Idee dahinter ist es seitdem, Menschen in Not ihre Weihnachtswünsche zu erfüllen. Und ihnen ein schönes Fest bescheren, bei dem sie ihre Sorgen vielleicht für einen Moment vergessen können.

Der Ablauf wird auch in diesem Jahr der bekannte sein. Die Tannenbäume mit den Wunschzetteln von 48 Kindern und 26 Senioren aus dem Eifelkreis stehen schon in den Geschäften in Bitburg, Speicher, Bollendorf und Bleialf bereit. Und warten darauf, dass die Eifeler sich ihnen mit Geschenken, Gutscheinen oder Spenden annehmen.

Bis 15. Dezember sammelt Bujara-Becker die Pakete im Autohaus Schaal im Gewerbegebiet „Auf Merlick“. Dabei kommen in der Regel zwischen 800 und 1000 Päckchen zusammen. Das macht zehn bis 15 Geschenke pro Person – von den schlichtesten Alltagsgegenständen wie Handtüchern oder Decken über Winterjacken oder Unterwäsche bis hin zu Spielzeugen.  

Die Aufgabe der Unternehmerin ist es in den letzten beiden Dezemberwochen, alles zu sichten und die Dinge nachzukaufen, die noch auf den Wunschzetteln fehlen. „In dieser Zeit mache ich praktisch nichts anderes“, sagt Bujara-Becker, für die die Adventswochen so seit Jahren zu einer Zeit von freudigem Stress werden.

Also alles wie gehabt? Nicht ganz. Denn geändert haben sich die Partner der Bitburgerin für die Weihnachtsbaumaktion. Nach 25 Jahren war der Vertrag mit dem Caritasverband ausgelaufen, so dass sich die Organisatorin neue Unterstützer suchen musste. Die sie dann im Verein Karree Eifel und der Caritas-Sozialstation Südeifel gefunden hat (siehe Info).

Diese Unterstützer suchen auch die Menschen aus, die  etwas unter die Tanne gelegt bekommen. Lange suchen mussten sie aber offenbar nicht nach Bedürftigen. Denn derer gibt es viele.  

„Unsere Mitarbeiter sind jeden Tag bei Patienten zuhause, denen es an den banalsten Dingen fehlt“, sagt Martina Alsfasser, Leitung der Sozialstation Südeifel. Senioren mit kleiner Rente etwa, die sich keine neue Bettwäsche, Handtücher oder Kleidung leisten könnten,  „die sich aber schämen, um Hilfe zu bitten.“

Auch Geschäftsführer Thomas Kallwitz vom Karree Eifel seien sofort Familien eingefallen, die sich über die besondere Bescherung an Weihnachten freuen dürften: „Wir begleiten viele Menschen mit finanziellen Problemen.“ Aber auch Kinder seien dabei, die in Heimen leben und sonst vielleicht nicht so viele Geschenke bekommen würden.

Die Namen der Beschenkten erfährt Bujara-Becker nicht. Sie kennt aber ihre Geschichten. „Und da waren dieses Jahr einige dabei, die mir besonders nahe gegangen sind“, sagt die Unternehmerin: „Wenn man etwa von einem Kind hört, das sexuell missbraucht oder geschlagen wurde. Das trägt man schon mit sich herum.“

Umso motivierter ist die 57-Jährige aber, den Empfängern der Pakete etwas Gutes zu tun. So sieht es auch Alsfasser von der Sozialstation: „Unsere Mitarbeiter freuen sich schon auf das Leuchten in den Augen unserer Patienten.“

Die Wunschzettel hängen an Weihnachtsbäumen hier: Bitburg: Autohaus Schaal, Auf Merlick, Bitburger Kinderladen Kleiner Luppes, Modehaus Messerich und Steuerbüro Berweiler; Speicher: Filiale der Axa Versicherung, Reisebüro Scharff; Bleialf: Altes Backhaus, Frisörsalon Monika;  Bollendorf: Petra Christian, Fußpflege. Spenden werden auf dem Konto der  „Weihnachtsbaumaktion“ unter: DE29 586 60101 020 2056 446 entgegengenommen.