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Schönecken rettet die Runkellaterne

Schönecken rettet die Runkellaterne

Überall werden im Herbst wieder rund um Halloween die Kürbislaternen erstrahlen. Dass es mit den Runkellaternen bis vor wenigen Jahren ein Eifeler Pendant zum Brauch aus Übersee gab, ist mittlerweile fast in Vergessenheit geraten. In Schönecken wurde nun ein Acker mit den Rüben bepflanzt. Nach der Ernte sollen Kinder und Erwachsene bei einem Runkelschnitzkurs zurück zum Eifelbrauchtum geführt werden.

Schönecken. Ob Burgbrennen, Eierlauf oder Maifeste, unzählige Bräuche prägen teils seit Jahrhunderten die Eifel - wie lange noch, hängt einzig und allein davon ab, ob sie auch an die kommenden Generationen vermittelt werden. "Wenn Kinder die Bräuche nicht mehr kennenlernen, sind sie vergessen, ehe man sich versieht", sagt Schöneckens Ortsbürgermeister Matthias Anthony. Lächelnd blickt er auf einen kleinen Ackerstreifen in direkter Nähe zum Sportplatz. Akkurat in zwei Reihen sprießen hier noch deutlich junge Blätter aus der Erde.
Pflanzenzucht als Brauchtumspflege? Tatsächlich wächst hier, unterstützt von der Ortsgemeinde, die Zukunft eines Brauchs heran, der vielen Kindern kaum noch geläufig ist. Die hellgrünen Blätter gehören zu Runkelrüben, aus denen bis vor wenigen Jahren zu St. Martin schaurig schöne "Trouliechter", also Laternen mit grinsenden Fratzen, geschnitzt wurden.
Damit die Runkellaternen auch in kommenden Jahrzehnten noch in die Herbstnächte strahlen können und nicht komplett vom Halloweenkürbis verdrängt werden, hat Antony mit einigen Schöneckern die Initiative ergriffen. "Uns fiel vor zwei Jahren zu St. Martin auf, dass nirgends mehr Runkellaternen zu sehen sind. Kein Wunder, die Kinder kennen sie kaum noch."
Aber warum pflanzt die Ortsgemeinde mit Ehrenämtlern zusammen gleich ein ganzes Feld an? Ganz einfach: Die Runkelrübe oder auch Futterrübe ist beinahe ganz von den Feldern der Eifel verschwunden. "Die Landwirte bauen sie kaum noch an, da mussten wir halt selbst aktiv werden", sagt Antony. Spontan habe sich der Schönecker Hans Georg Bastuk bereit erklärt, auf seinem kleinen Gartengrundstück hinter dem Sportplatz einen kleinen Streifen für die Runkeln freizuhalten. "In diesem Jahr wurde er dann zum ersten Mal bepflanzt", sagt der Ortsbürgermeister. Bastuck und ein Gemeindehelfer schauen seitdem regelmäßig nach dem Gedeihen der Pflänzchen und zupfen das eine oder andere Unkraut aus. "Der Aufwand ist minimal, ebenso die Kosten von etwa 50 Euro", sagt er. Kurz vor St. Martin seien dann alle Schönecker eingeladen, sich eine Rübe abzuholen.
"Ich habe bereits Kontakt mit der Schule und unserem Kindergarten aufgenommen. Die Idee kam gut an. Das Thema soll demnächst mit den Kindern besprochen werden", sagt Antony. Geplant seien unter anderem Besuche auf dem Runkelfeld.
Wenn die Pflanzen dann endlich groß genug sind, werde nach der Ernte im Forum im Flecken eigens ein Runkellaternen-Schnitzkurs angeboten. "Ganz so einfach wie bei einem Kürbis ist das Ganze nämlich nicht." Wer den Kurs leite? Noch suchten die Initiatoren nach einem versierten Runkelschnitzer. Komme es aber hart auf hart, werde der Ortsbürgermeister persönlich den Kurs leiten. "Die Sache ist uns einfach wichtig. Wir wollen ja niemandem den Spaß am Kürbis vermiesen, aber die Idee hinter unserer Aktion ist zu zeigen, wie es bei uns hier einmal war." Dabei stehe nicht allein die Runkellaterne im Vordergrund. "Die Runkel war einmal sehr wichtig für die Region, sowohl als Futtermittel, aber auch als Nahrung in harten Zeiten. Sie hat so manche Hungersnot gemildert", erklärt Antony.Meinung

Ein Stück Heimat
Gegen den Kürbis zu Halloween ist kein Kraut gewachsen - muss auch gar nicht. Den Spaß am orangenen Bruder der Runkel soll jeder genießen, der will. Bei aller globalisierten Freude sollten die eigenen Wurzeln aber nicht vergessen werden, denn Brauchtum ist Heimat und damit identitätsstiftend. Nur sind Traditionen schneller verschwunden als gedacht und wollen gepflegt werden. Das hat nichts mit Rückwärtsgewandtheit zu tun. Bräuche wie die Runkellaterne machen die Eifel genauso aus wie die Maare, die Berge und die Täler. pruem@volksfreund.de