Schönecken versus Schönberg

Einst war die Schönecker Burg eine der großen in der Westeifel. Und das Wahrzeichen des gleichnamigen Orts im Nimstal. Heute ist es eine Ruine. Dennoch lohnt sich der Aufstieg, denn Mauern und Türme auf dem Berg bieten nicht nur reizvolle Ansichten und Ausblicke ins Tal, sondern es stecken auch Geschichten hinter ihnen.

 Die Schönecker Burg ist das Wahrzeichen des Orts. TV-Foto: Archiv/Beate Hau

Die Schönecker Burg ist das Wahrzeichen des Orts. TV-Foto: Archiv/Beate Hau

Schönecken. Es war zu Beginn des 13. Jahrhunderts, da ließen die Grafen von Vianden auf einem vorspringenden Bergsporn eine Schutzburg erbauen. Den Bauauftrag dazu gaben sehr wahrscheinlich die Mönche der Abtei Prüm. Mit diesem wehrhaften Bau wollten sie die Südgrenze ihres Territoriums der Fürstabtei Prüm sichern, aber auch die durch das Nimstal führende Handelsstraße Bitburg-Prüm überwachen.

Auf ihr regierten als Vögte (Schirmherren) die Grafen von Vianden, die sich bald auch Herren von Schönecken nannten und anfangs ihrer Burg den melodischen Namen "bella costa" gaben, schöne Ecke.

Doch so friedlich und anmutig dieser Name auch war, friedlich lebten ihre Bewohner nicht immer. Über mehrere Generationen hinweg finden sich Burgherren, die alles andere waren als fromme Diener der Prümer Abtei.

Ständig im Bestreben, ihren Machteinfluss und ihr Vermögen zu vergrößern, verlegten sich etliche auf Überfälle und Wegelagerei, plünderten als Raubritter Händler, Pilger und Reisende aus oder überfielen grundlos Nachbarburgen. So tötete zum Beispiel Gerhard von Schönecken im Jahre 1288 im Streit zwei Prümer Mönche, und einer seiner Urenkel, nämlich Graf Hartard von Schönecken, trieb es sogar besonders wüst. Es war im Jahre 1323. In Schönberg hatte es in jenem Jahr eine sehr schlechte Ernte gegeben. Deshalb entsandte Graf Otto von der Schönberger Burg etliche seiner Diener nach Schönecken, um dort das Nötige zu kaufen. Aber dort erlebten sie eine böse Überraschung. Der Schönecker Graf Hartard, hartherzig und geizig, befahl seinen Knappen, die Schönberger aus seiner Burg und dem Ort Schönecken zu vertreiben. Vierzig seiner Mannen führten diesen Befehl sofort aus und schlugen die Schönberger in die Flucht. Als Graf Otto davon erfuhr, zog er am folgenden Tage mit hundert Soldaten nach Schönecken und belagerte die Burg. Und was machte Graf Hartard? Er zog sich ein buntes Narrengwand an, zeigte sich auf der Burgmauer und verspottete Graf Otto: "Mich fruit Herr Otto dat sei mich besouchen (Mich freut's, Herr Otto, dass Sie mich besuchen.)."

Graf Otto antwortete mit mächtiger Stimme: "Der Tuifel kricht dich uff der Erden, hahn langs geward dich zu strofen, miene Knechte seynd kine Frauwen, koum herous, da schmakst du die Knechte (Der Teufel kriegt dich auf dieser Erden noch. Ich habe lange genug auf die Gelegenheit gewartet, dich zu strafen. Meine Soldaten sind keine feigen Frauen. Komm heraus, du sollst sie schmecken lernen.)!"

Als Hartard sah, dass Otto vor Wut schäumte und auf Kampf drängte, zog er sich zurück und bereitete sich ebenfalls zum Gefecht vor.

Die Schönecker stürzten heraus und ein fürchterliches Gemetzel entstand. Schließlich blies Otto zum Rückzug und alle flüchteten. Die Schönecker, siegesgewiss, verfolgten sie bis vor die Tore der Schönberger Burg.

Damit hatte Otto gerechnet. Er hatte nämlich alle Posten besetzen lassen und war sich der Hilfe seiner Untertanen sicher. Nun gab er seinen Soldaten das Zeichen zum Angriff. Diese wandten sich kampfbereit den heranstürmenden Schöneckern zu. Mit einem Hagel von Steinen wurden diese empfangen. Die Pfeile zischten durch die Luft, die Lanzenreiter drangen auf die Schönecker ein. Nach einem halbstündigen Kampfe mussten diese die Flucht ergreifen.

Auf dem Schlachtfeld kämpft Otto gegen Hartard



Der Sohn des Hartard blieb blutend und besinnungslos auf dem Kampfplatz vor der Burg liegen. Ein schweres Wurfgeschoss hatte ihn am Kopf getroffen. Nun wurde er mit Siegesgeschrei von den Schönberger Frauen in Fetzen zerschnitten und den Hunden gebraten vorgeworfen. Otto verfolgte seinen Feind bis vor Schönecken, wo die Schlacht weiterging. Otto suchte im Kampf die Gelegenheit, an Hartard heranzukommen, und beide fochten gegeneinander. Dabei spaltete Otto mit einem gewaltigen Hieb den Helm von Hartard und versetzte ihm eine Wunde in den Kopf. Blutend gab der Schönecker seinem Pferde die Sporen und flüchtete eilends hinter die schützenden Mauern seiner Burg. Alle seine Landsknechte folgten ihm.

Otto belagerte das Schloss so lange, bis Hartard dem Sieger Otto hundert Gulden versprach, wenn er friedlich abzöge. Otto willigte ein und zog nach Erhalt des Geldes auf sein Schloss zurück.

Es folgten noch viele Fehden und Auseinandersetzungen, bis der Schönecker Graf 1352 im Krieg fiel, den er für den Trierer Erzbischof Balduin führte. In Schönecken erinnert heute nur mehr ein Straßenname an jenen Rauflustigen.

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