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Schönecker Schweiz: Künstler lässt Ameisen um Unterführung krabbeln

Schönecker Schweiz: Künstler lässt Ameisen um Unterführung krabbeln

An einer Brückenruine in der Schönecker Schweiz ist ein neues Bild aufgetaucht. Diesmal ist der Sprayer allerdings bekannt.

Rommersheim Straßenkunst in Form von Graffiti spaltet vor allem in Großstädten, im Spannungsfeld zwischen Kreativität und Sachbeschädigung, die Gemüter. "Ist das Kunst oder kann das weg?", lautet hier oft die entscheidende Frage. Als im Frühjahr 2017 gleich mehrfach Graffiti an Wänden, Schildern und sogar an der Schönecker Burgruine auftauchten, erübrigte sich angesichts mangelnder Qualität der vermeintlichen Kunstwerke jede Diskussion. Die Wände einer von zwei Brückenruinen in der Schönecker Schweiz könnten die Debatte nun allerdings in eine neue Richtung lenken.
Mitte Juni war sie plötzlich da: Eine gesprühte Ameisenstraße. Vom Asphalt des Weges aus "klettern" nun handtellergroße, mit einer Schablone gesprühte Tierchen zunächst die südliche Wand der Unterführung hoch, um sich von dort aus in Reih und Glied einmal ums Bauwerk zu schlängeln. Die meisten der dort vor 30 Jahren im Umfeld der Umweltschutzbewegung aufgebrachten "Protograffiti" (siehe Info) werden dabei übrigens umschlängelt, ein jüngerer Schriftzug mit den Buchstaben "MCP" hingegen einfach überquert. Vermutlich wurde der im Frühjahr vom noch immer gesuchten "Schönecker Sprayer" aufgebracht.
Seit Monaten tauchen im Flecken und auch in der naheliegenden Abteistadt Graffiti auf. Die Ortsgemeinde Schönecken hat eine Belohnung für sachdienliche Hinweise ausgesprochen. Stammt die Ameisenstraße aus derselben Hand?
Die Antwort ist schnell gegeben: Nein. Während die schwarzen Schriftzüge und Skizzen von Penissen von einem oder mehreren Unbekannten aufgebracht worden sind, ist der Urheber der Ameisenstraße nämlich sehr wohl bekannt.
Der im freiwilligen Saarbrücker Exil lebende Prümer Künstler Manfred Michels hat sich sogar persönlich beim TV gemeldet. Er verstehe sein Werk als Geschenk und widme es anlässlich ihrer 60. Jahresausstellung, der Europäischen Vereinigung Bildender Künstler (EVBK). Seit seiner Kindheit kenne er die jährlich am Reginogymnasium stattfindende Kunstausstellung schreibt der 60-Jährige dem TV. Die EVBK-Ausstellung habe letztlich in ihm den Wunsch geweckt, Künstler zu werden: "Daher ist sie für mich ‚Die Mutter aller Kunstausstellungen'."
Eine spezielle Aussage treffe er nicht: "Ich sehe es als Dekoration, die gut zu diesem unwirklichen Ort passt."
Das er rechtlich auf sehr dünnem Eis unterwegs ist, sei ihm bewusst. "Nachdem es sich bei meinem Projekt um privat angebrachte Kunst im öffentlichen Raum handelt, bleibt abzuzwarten ob soviel Anarchie bei allen Akzeptanz findet", sagt er.
Was halten sie von sogenannter Streetart? Schicken Sie uns ihre Meinung an die E-Mail-Adresse: eifel@volksfreund.deExtra: ERSTE GRAFFITI IM WALD SIND 30 JAHRE ALT


Seit den späten 1960er Jahren stehen bei Rommersheim zwei Brückentore im Wald. Sie sollten eigentlich die Europastraße 42 tragen, sie wurde allerdings niemals gebaut. Anscheinend der aufkeimenden Umweltszene verbundene Künstler bemalten 1979 erstmals die Wände der südlichen Brücke. Sie wurden zwar entfernt, doch 1981 griff man erneut zur Farbe - diesmal, wie der TV damals schrieb, sogar tagsüber und unter Anwesenheit von Vertretern der Ortsgemeinde.