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Schönstes Haus am Platz gefiel auch Napoleon

Schönstes Haus am Platz gefiel auch Napoleon

Napoleon selbst soll als Gast im ehemaligen Hotel Well genächtigt haben. Falls das wahr ist und der Kaiser vor 200 Jahren tatsächlich vor dem Haus in der Hauptstraße 6 aus der Kutsche stieg, fiel sein Blick auf ein ähnliches Bild von dem Gebäude, wie der der Menschen, die heute daran vorbeihetzen. Innehalten und hinschauen lohnt sich aber.

Bitburg. Wenn es stimmt, was man sich in Bitburg bis heute erzählt, hat Napoleon Bonaparte, Feldherr und Kaiser der Franzosen (1769 bis 1821), schon auf dem Balkon des Hauses in der Hauptstraße 6 gestanden. Er soll sogar in dem dahintergelegenen Zimmer des Hotels Well übernachtet haben. Schriftliche Belege gibt es zwar nicht, aber Indizien, die die Legende stützen.
Schließlich lebte in dem Haus ein Leibgardist Napoleons: Nikolaus Well (1856 gestorben). Er gehörte zu einer angesehenen Familie. Sein Vater und Bruder waren Bürgermeister der Stadt, er selbst bekleidete dieses Amt von 1841 bis 1847. Es ist verbrieft, dass Napoleon III. (1808 bis 1873) ihm 1852 sogar die Mitgliedschaft in der französischen Ehrenlegion anbot, sagt Stadtarchivar Dr. Peter Neu.
Bitburger Bauschätze


Wells Vorfahren waren im 18. Jahrhundert aus Metz in die Eifel gekommen. Im Kataster von 1826 taucht sein Name in Verbindung mit einem Gasthaus auf, das als erstes Haus links hinterm Stadttor aus Richtung Trier kommend stand. Die heutige Adresse: Hauptstraße 6. Als Besitzer ist Matthias Well eingetragen. Peter Neu vermutet, dass dieser das Hotel durch die Heirat mit der Tochter eines Gastwirts und Bierbrauers mit Namen Flügel erhalten hatte. Bis ins 20. Jahrhundert blieb das Gebäude im Besitz der Familie Well. Wann es in Hotel zur Post umbenannt wurde, ist unbekannt.
Maria Notte, die das Haus mit ihrem Mann Anton Notte 1979 kaufte, erinnert sich, dass es bis dahin Hotel und Gaststätte geblieben war. Das Ehepaar eröffnete ein Möbelhaus darin. Zehn Jahre später zog ein Herrenausstatter ein. Ein anderes Modehaus folgte. In den beiden oberen Etagen befinden sich Wohnungen. "Man sagt, es ist das schönste Haus in der Fußgängerzone", sagt Maria Notte. Die Fassade besticht durch strenge Symmetrie und hat vom ursprünglichen Charme nichts eingebüßt. "Mein Mann hat sich viel Mühe gegeben. Wir waren immer davon begeistert."
Denkmalpfleger Detlef Kleintitschen spricht von einer beispielhaften Sanierung. Hier ist das Kunststück gelungen, das Haus modernen Bedürfnissen anzupassen, ohne dabei das ursprüngliche Gesicht zu verlieren.
Nur die Fassade steht seit 1980 unter Denkmalschutz. Innen ist alles neu. Wegen der maroden Decken musste das Haus 1980 entkernt werden. Im gleichen Jahr wurde die Fassade saniert. Das Erdgeschoss erhielt Schaufenster. Der nächste große Schritt erfolgte vor zwei Jahren, als das Haus ein neues Dach erhielt.
Kleintitschen: "Die ungewöhnlich reichhaltig gestaltete Fassade macht das Gebäude zum wichtigsten Objekt der unteren Hauptstraße." Städtebaulich sei es sehr zu begrüßen, dass auch nach der geplanten Neugestaltung die Fassade des Hotels zur Post als Kulisse für den neuen Postplatz dient.
Extra

Detlef Kleintitschen weist darauf hin, dass Eigentümer von denkmalgeschützten Gebäuden steuerrechtliche Erleichterungen in Anspruch nehmen können. Infos: http://landesdenkmalpflege.de/gdke/start-lad/servicefrdenkmaleigentuem er/steuerverguenstigungen/ sys