Industriekultur: Schon zur Steinzeit ein Revier

Industriekultur : Schon zur Steinzeit ein Revier

Nach 16 Jahren richtet das Netzwerk Montanhistorik erstmals wieder seinen sechstägigen jährlichen „Workshop“ in der Eifel aus. Von Dienstag, 1. Oktober, bis Sonntag, 6. Oktober, dreht sich in Prüm alles ums Thema Bergbau.

Ob im Ruhrgebiet, im Saarland oder im Aachener Kohlerevier – Regionen, die im Laufe der Jahrhunderte vom Bergbau geprägt wurden, merkt man das sowohl kulturell als auch im Landschaftsbild deutlich an. „Denkt man aber an die Eifel, kommt wohl nur wenigen gleich das Thema Montanindustrie in den Sinn“, sagt Kerl Reger, Vorsitzender des Heimatvereins Rescheid. Dabei sei die Eifel eine der ältesten Bergbau-Regionen Mitteleuropas. Beim 22. Internationalen Montanhistorik- und Bergbau-Workshop wird von Dienstag, 1. Oktober, bis Sonntag, 6. Oktober, in Prüm ein genauer Blick auf diese relativ unbekannte Seite der Eifel geworfen.

Initiiert wird das jährliche Treffen seit 1997 vom Netzwerk Bergbau- und Montanhistorik, das unter anderem die Internetplattform www.montanhistorik.de betreibt. Organisiert wird die sechstägige Fachtagung in diesem Jahr von der belgischen Vereinigung „Schieferstollen Recht“, dem Bleialfer Bergmannsverein St.♦Barbara und dem nordrhein-westfälischen Heimatverein (HV) Rescheid. „Nach 16 Jahren kommt die Tagung damit endlich wieder in die Eifel“, sagt Norbert Knauf, Sprecher des Netzwerks und Schriftführer des HV Rescheid.

Selbst in der Eifel sei die lange Geschichte des Bergbaus fast in Vergessenheit geraten. „Viele kennen noch unsere Besucherbergwerke, dass hier aber bereits in der Steinzeit vor 6000 Jahren Feuerstein gefördert wurde, ist weitestgehend unbekannt“, sagt Karl Reger, Vorsitzender des HV Rescheid.

Dabei werde zudem oft übersehen, dass der Bergbau in der Eifel noch lange nicht abgeschlossen sei, sagt Reger. „Es gibt auf der einen Seite die historischen Gruben, die wir heute als Besucherstollen nutzen, doch die Montanindustrie existiert hier ja bis heute. Man denke an den Dachschiefer-Abbau in Mayen oder die Gips-Gewinnung in Ralingen oder die vielen Gruben und Brüche der Steine- und Erde-Industrie.“

All dies werde ebenso im Vortrags- und Exkursions-Programm berücksichtigt, sagt Reger. Aktuell seien 44 Ausflüge in Planung. „Wir erwarten 150 Teilnehmer aus ganz Europa, jeder wird am Tag ja nur an einer Exkursion teilnehmen können, deswegen wissen wir noch nicht genau, welche zu Stande kommen, aber die Planung sieht im Moment Ausflüge in fünf Länder vor“, sagt Reger.

Neben Ausflügen zu den Schaustollen der ausrichtenden und befreundeten Vereine steht auch die Besichtigung der Glockengießerei Brockscheid oder der Stolberger Bleihütte Berzelius auf der Tagesordnung.

Eingeladen sei jeder, der sich für das Montanwesen interessiere, sagt Knauf. Ehemalige Bergleute werden ebenso angesprochen wie Wissenschaftler, Vertreter von Traditionsvereinen und eben auch am Thema interessierte Privatpersonen. Das Vortragsprogramm beinhaltet eine Mischung aus bergbaukundlichen, sozialgeschichtlichen und montanhistorischen Themen, sagt Knauf.

Quer durch Europa zog das Netzwerk bereits mit seinem jährlichen „Workshop“. „Diesmal geht es nach Prüm. Einfach wegen seiner sehr günstigen Lage und der guten Infrastruktur und Nähe zu den ausrichtenden Vereinen“, sagt Knauf und betont, dass man nicht gewinnorientiert arbeite. „Wir haben keine kommerziellen Interessen. In der Teilnahmegebühr von 60 Euro sind alle Eintritte, Fahrten und Pausen-Snacks enthalten.

Norbert Knauf (von links), Karl Reger, Sigurd Saage-König, Oswald Lamberty, Georg Hahn und Didier Landers gehören zum Veranstalter-Team. Foto: Frank Auffenberg

Weitere Informationen, Anmeldungen und Details zum Ausflugs- und Vortrags-Programm im Internet unter: www.montanhistorik.de