Schreckgespenst Wähler

Jeder weiß es, und jeder sagt es - allerdings fast immer nur hinter vorgehaltener Hand: Eine Weiterführung der Funktional- und Gebietsreform von 1970 muss kommen. Allerdings reagieren Politiker - jedweder Coleur - stets mit Befremden, wenn sie ans Eingemachte gehen sollen. Besonders vor Wahlen zeigen sich Befindlichkeiten, die man von vielen Funktionsträgern ansonsten nicht kennt. Weil nämlich mit einer neuen Reform jede Menge unpopuläre Entscheidungen einhergehen, zeigen sich die Politiker mit Blick aufs Wahlvolk meist von ihrer zarten Seite. Nach dem Motto "Nach der Wahl ist vor der Wahl" wurden deshalb in steter Regelmäßigkeit fundamentale Entscheidungen zurückgestellt. Allerdings gibt es inzwischen aufgrund desaströser Kommunalfinanzen und der ins Haus stehenden katastrophalen Entwicklung des demografischen Faktors kein Zurück mehr. Spätestens nach der nächsten Landtagswahl wird sich, wie de facto weiland in Berlin, eine große Mainzer Koalition in der Sache bilden müssen, die Nägel mit Köpfen macht. Im Übrigen ist es unehrlich, Hans-Artur Bauckhages Vorpreschen flächendeckend zu verurteilen. Sein Vorschlag, die Verbandsgemeinden auf den Prüfstand zu stellen, mag zwar wenig Sinn machen. Jedoch hat er den Mut besessen, den ersten Stein zu werfen und die Diskussion damit offiziell anzustoßen. m.reuter@volksfreund.de