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Schritt für Schritt auf Katzenpfoten

Schritt für Schritt auf Katzenpfoten

Nicholas Müller macht sich auf den Weg zurück in die Öffentlichkeit: Der frühere Sänger von Jupiter Jones schreibt zusammen mit Hubert vom Venn an einem Buch. Und auch als Musiker wird er bald wieder von sich hören lassen. Mit dem TV sprach er über seine Auszeit, seine Genesung und seine Pläne für die nächsten Monate.

Da ist sie, diese Stimme - und sie hat auch am Telefon diesen sanft belegten Klang, den man so gut kennt und so gerne hört: Nicholas Müller meldet sich in der Prümer TV-Redaktion. Denn der ehemalige Sänger von Jupiter Jones, der im Frühjahr aus gesundheitlichen Gründen die Band verlassen hatte (der TV berichtete), macht sich auf den Weg zurück in die Öffentlichkeit.
Behutsam geht er das an, Schritt für Schritt. Er sei regelrecht auf Katzenpfötchen unterwegs, sagt der 32-Jährige. "Soweit man das mit 117 Kilo sein kann", fügt er hinzu und lacht.
Wichtigste Frage: Wie geht es ihm? "Mittlerweile wieder gut", sagt er. "Ich habe die Zeit genutzt, um mir viel Ruhe zu gönnen und zu genesen, mich mit der ganzen Sache auseinanderzusetzen und einen Abschluss zu finden." Immerhin steckten zwölf Lebensjahre in dieser so erfolgreichen Band, die er im März aufgrund einer Angststörung, die ihn lange quälte, verlassen musste. "Die Probleme waren ja schon länger bekannt", sagt er. "Ich habe das mit mir ausgefochten, wollte immer weitermachen, weil mir das so wichtig war." Und weil irgendwann so viele Leute davon abhingen. Aber vor der letzten Tournee im Vorjahr habe sich dann alles so zugespitzt, dass die Entscheidung für die Trennung irgendwann fallen musste.
Jetzt habe er damit abgeschlossen - "das ist endgültig", sagt er. Und vergisst nicht zu erwähnen, wie sehr er sich darüber freut, dass Sven Lauer jetzt in der Band am Mikrofon stehe und alles offenbar sehr gut laufe.
Seit sechs Jahren lebt Nicholas Müller in Münster, zusammen mit seiner Frau Stefanie - und seit Mai sind sie zu dritt: Lene heißt die Kleine, "und sie wächst wie Unkraut", sagt Müller. Und natürlich habe die Geburt der Tochter alles verändert: "Jede Minute mit der Kleinen ist wundervoll. Ich merke auch jetzt wieder, dass die Aufgabe viel größer ist als ich selber. Aber ich habe keine Angst. So ein kleines Kind ist viel wichtiger als jeder künstlerische Erguss, den ich bringe. Und auch das hat mich gesund gemacht."
Keine Angst mehr - was für eine gute Nachricht, auch wenn er bekennt, im Moment trotzdem "aufgeregt ohne Ende" zu sein. Denn jetzt steht Müller vor dem, was er das Abenteuer Neubeginn nennt: "Es gibt die alten Jupiter Jones mit neuem Sänger. Und es gibt den alten Sänger mit neuen Plänen. Und das ist richtig so."
Den ersten Schritt unternimmt er nicht allein: Denn er schreibt mit dem Eifeler Kabarettisten Hubert vom Venn ein Buch. Die beiden kennen einander schon länger. Vom Venn, der in Roetgen lebt, ist zudem Vorstandschef im DJV-Bezirksverband der Aachener Presse, der jedes Jahr die "Aachener Zeitungs-Ente" für Verdienste um die Region verleiht. Im Dezember 2012 erhielt Müller den Preis, weil er sich, die Begründung, "immer wieder kritisch mit aufkommenden rechten Tendenzen in seiner Eifeler Heimat auseinandersetzt und dies auch öffentlich kundtut".
Das Buch ist als Briefwechsel angelegt: "Da schreibt einer, der die Eifel verlassen hat, einem anderen, der geblieben ist", sagt Hubert vom Venn. Im nächsten Jahr soll es im Rhein-Mosel-Verlag erscheinen. Und bis dahin hat man vielleicht schon mehr von Nicholas Müller zu Ohren bekommen. Denn er macht wieder Musik: "Ja, selbstverständlich. Ich kann ja sonst nix." Wann und in welcher Form sie zu hören sein wird, möchte er noch nicht verraten. Da bleibt Nicholas Müller vorsichtig, denn er will kein Ankündigungsweltmeister sein. Und eben einen Schritt nach dem anderen machen.
Man beendet das Gespräch mit dem Gefühl, dass dieser Mann, ganz behutsam, den richtigen Weg eingeschlagen hat und wünscht ihm einfach, dass alle seine Pläne aufgehen.