1. Region
  2. Bitburg & Prüm

Schuld waren die Drogen: Psychiater hält Hammer-Angreifer für gesund

Noch immer kein Urteil im Prozess um Hammer-Angreifer von Neuerburg : Schuld waren die Drogen: Psychiater hält Hammer-Angreifer für gesund

Ein Psychiater, der vor Gericht aussagt, hält den Hammer-Angreifer für seelisch gesund. Ein Urteil hat das Landgericht Trier – wider Erwarten – nicht gefällt.

„Unauffällig“ ist das Wort zum Freitag. Die Kindheit des Angeklagten? Unauffällig. Die Schulzeit? Unauffällig. Das Verhalten in der Nervenklinik? Unauffällig. Das bekunden beide Psychiater, die am vierten Prozesstag vor dem Landgericht Trier aussagen. Der eine ist der Sachverständige Wolfgang Retz, der im November 2018 mit dem 23-Jährigen gesprochen hat, um ihn zu beurteilen. Der andere ist ein Arzt, der den jungen Mann derzeit in einer Psychiatrie behandelt. Beide wollen die Frage klären, wie aus einem gewöhnlichen Mann ein ungewöhnlicher Gewalttäter wurde.

Im September 2018 hat der Student des Eifel-Kolleg Neuerburg eine Frau mit einem Hammer angegriffen. Gehandelt hatte er im Drogenwahn. Eine LSD-Pappe stürzte ihn in einen Horrortrip, in dem er – so sagt er es vor Gericht – glaubte, die Frau „zerstören“ zu müssen, um sich zu befreien.

Darin sieht Gutachter Retz „einen vorübergehenden psychotischen Zustand, eine Episode, ausgelöst durch Rauschgift.“ Chronisch seelisch krank sei der Angeklagte also nicht. Beim Gespräch habe er einen „gesunden, stabilen“ Eindruck gemacht.

Angesprochen auf die Gewaltfantasien, die der junge Mann laut seiner Freunde bereits vor der Tat gehabt haben soll, sagt der Sachverständige: „Es ist möglich, dass sich durch den Drogenkonsum seine Gedankenwelt verändert hat.“ Im Gespräch mit ihm habe der Beschuldigte diese Vorstellungen aber nicht geäußert. Mit dem Rausch jenes Abends müssten die Fantasien auch nicht unbedingt zusammenhängen. „In einem psychotischen Zustand können beliebige Ideen auftauchen“, sagt der Psychiater: „Das macht die Sache so unberechenbar.“ Verantwortlich für den Gewaltausbruch im Rauschzustand macht Retz eher äußere Einflüsse: laute Musik etwa, das beengte Zimmer. In einer solch „schlechten Umgebung“ hätte es laut Retz jedem passieren können, dass er die Kontrolle verliert. Retz erklärt aber auch: „Der Angeklagte sollte keinesfalls wieder Drogen nehmen.“ Das Risiko, dass sich eine chronische Psychose oder eine Schizophrenie entwickelt, sei hoch.

Der Beschuldigte nickt. Er hat die Botschaft verstanden. Das sagt jedenfalls sein Arzt in der Psychiatrie: „Schuld und Scham haben ihn belastet.“ Der Beschuldigte empfinde Mitleid mit dem Opfer, wolle für die Tat geradestehen. Auch abgesehen davon verhalte er sich in der Einrichtung mustergültig. Er nehme regelmäßig am Therapieprogramm teil, arbeite sein Suchtproblem auf.Ein solches habe der Angeklagte auf jeden Fall, meint der Sachverständige Retz, der eine Therapie zur Behandlung der Abhängigkeit vorschlägt.

Entschieden wird darüber am vierten Prozesstag allerdings  noch nicht. Die angesetzte Urteilsverkündigung verschiebt Richterin Petra Schmitz ohne Angabe von Gründen auf den 26. April.