Schule im Blick, Partner im Visier
Um die Graf-Salentin-Schule in Jünkerath zukünftig halten zu können, wird über eine Kooperation mit anderen Schulen im Vulkaneifelkreis nachgedacht. Am Donnerstag beriet der Rat der Verbandsgemeinde (VG) Obere Kyll außerdem über die Einrichtung einer Ganztagsschule (der TV berichtete).
Jünkerath. (sn) Einträchtig hakten die VG-Ratsmitglieder die Punkte der Tagesordnung ab. Der erste Nachtrag zum Wirtschaftsplan wurde ebenso einstimmig beschlossen wie die Zukunftsplanung der Zentralsportanlage und die Haushaltssatzung für 2008. So weit, so gut. Erst über Punkt zwölf der Tagesordnung wurde mit erhitzten Gemütern diskutiert - obwohl letztendlich alle wieder einer Meinung waren. Bürgermeister Werner Arenz (CDU) regte an, mit anderen Schulen Gespräche zu führen, um den Schulstandort der Graf-Salentin-Schule zu sichern. So sei zum Beispiel eine Kooperation mit der Schule in Hillesheim denkbar. Mit dieser Idee konnten sich auch die Ratsmitglieder anfreunden. Auch der Einrichtung von Ganztagsschulen war der Rat nicht abgeneigt. Das war nicht immer so.
Fast genau ein Jahr ist es her, da forderte die SPD-Fraktion eine Elternbefragung zum Thema Ganztagsschule an den Grundschulen. Damals sah Bürgermeister Werner Arenz keinen Bedarf.
Für einen Sinneswandel sorgten Schulplaner Wolf Krämer-Mandeau und der Schulentwicklungsplan. Die Zahlen der kommenden Jahre seien dramatisch, sagte Arenz. An der Oberen Kyll verzeichnete man 1998/99 noch 129 Einschulungen, 2009/10 werden es nur noch 67 sein. "Das sind erschreckende Zahlen", stellte Arenz fest, der bezweifelte, dass in Jünkerath eine Realschule Plus lange Bestand hätte. Die muss nämlich dreizügig sein und "das werden wir nicht durchhalten, da wird es eng für die Graf-Salentin-Schule", befürchtete der Behördenchef. Nun gelte es, über Kooperationen mit anderen Schulen nachzudenken. So habe Hillesheim eine Integrierte Gesamtschule (IGS) beantragt. Vorteil einer Kooperation mit Hillesheim wäre, dass man in Jünkerath nicht nur den Standort erhalte, sondern sogar das Angebot ausweite.
Ewald Hansen (SPD) wunderte sich zwar über den plötzlichen Sinneswandel: "Wir werden das nicht ohne weiteres über uns ergehen lassen. Damals hieß es noch, die Ganztagsschulen seien Verwahranstalten." Er befürwortete jedoch das Aufnehmen der Gespräche und forderte, auch an Grundschulen den Bedarf einer Ganztagsschule zu ermitteln. Lothar Schun (FWG) sagte, dass es das Ziel sein müsse, wohnortnah Schulen zu erhalten und er es deshalb sinnvoll fände, mit Hillesheim zu sprechen. Johann Thielen (CDU) sprach gleichzeitig für das Lehrerkollegium der Graf-Salentin-Schule, das es außerordentlich begrüße, Gespräche mit dem Nachbarn aufzunehmen. Zuvor echauffierte er sich über Hansen, der nun mit der "politisch gefärbten Parteienpeitsche" um sich schlage. Johannes Dreimüller sagte, die Gespräche seien eine gute Sache, nur kämen sie ein paar Jahre zu spät.
Nach der Vorberatung durch den Rat will Arenz handeln. Die Frage nach der Einrichtung einer Ganztagsschule stelle sich für ihn erst später.
Meinung
Weichen stellen für die Zukunft
Um ihre Zukunft zu sichern, will man für die Graf-Salentin-Schule in Jünkerath einen Partner suchen - und das schnell. Denn der Verlust einer Schule ist auch der Verlust an Infrastruktur und eines wichtigen Standortfaktors für die Weiterentwicklung einer Region. Bei den zu erwartenden Schülerzahlen wird es die Graf-Salentin-Schule alleine schwer haben, lange durchzuhalten. Warum also nicht mit einer anderen Schule kooperieren und vielleicht dadurch in Jünkerath ein noch interessanteres Angebot schaffen? Der Verbandsgemeinde-Rat Obere Kyll zeigte sich in dieser Frage am Donnerstag geschlossen, nachdem ziemlich emotional Vergangenheitsbewältigung betrieben wurde über verpasste Chancen. In einem hatte die SPD allerdings Recht: Das hätte man gemütlicher haben können, wäre man auf ihre Anträge vor einem Jahr eingegangen. Nun muss Arenz Gas geben, damit der Schulstandort Jünkerath nicht von der Entwicklung abgekoppelt wird. s.glandien@volksfreund.deExtra Zahlen aus dem VG-Rat: Im Verwaltungshaushalt erhöhen sich die Einnahmen um rund 160 000 Euro auf 5,5 Millionen Euro. Die Ausgaben steigen um rund 160 000 Euro. Der Verwaltungshaushalt weist ein Defizit von rund 6 Millionen Euro aus. Im Vermögenshaushalt verringern sich die Ein- und Ausgaben um rund 150 000 Euro auf 1,7 Millionen Euro. Die Satzung über Kostenersatz und Gebührenerhöhung für Nutzung der Feuerwehr wurde neu gefasst. Pro Einsatzstunde werden 30 bis 80 Euro berechnet. Beim Disziplinarverfahren gegen Bürgermeister Arenz gibt es bislang keine neuen Erkenntnisse. (sn)