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Schweigen auf beiden Seiten des Grabens

Schweigen auf beiden Seiten des Grabens

KYLLBURG. (rh) Nach der verlorenen Bürgermeisterwahl will die CDU im Gemeindeverband Kyllburg schnell raus aus dem Tal der Tränen. Eine Rückbesinnung auf die Stärken der Partei soll die Basis für eine erfolgreiche Kommunalwahl im nächsten Jahr sein.

Es war eine nüchterne und zugleich harte Bilanz, die der Vorsitzende des CDU-Gemeindeverbandes, Helmut Berscheid, im Kyllburger Haus des Gastes vor gut 50 Parteifreunden zog. "Im Nachhinein betrachtet war das Nominierungsverfahren sicherlich kein optimaler Auftakt", gestand Berscheid. "Wir hatten mit Rainer Wirtz einen guten Kandidaten. Nicht er, sondern wir als Partei haben die Wahl verloren", analysierte Berscheid das Wahlergebnis vom 12. Oktober, als Bürgermeister Bernd Spindler (SPD) im Amt bestätigt wurde. Der Partei habe die Geschlossenheit gefehlt.Parteispitze kritisiert Neidenbacher Gruppe

Im Klartext: Derzeit geht ein Riss quer durch den gut 200 Mitglieder umfassenden Gemeindeverband. Eine Seite gruppiert sich um den Bademer Christdemokraten Bernhard Klein, die andere Gruppe umfasst eher aufmüpfige Denker aus Neidenbach im Norden der Verbandsgemeinde. Als ihr Kopf gilt Werner Schmitt. Sowohl Berscheid als auch der CDU-Kreisvorsitzende Michael Billen haben dazu eine Marschrichtung vorgegeben. "In Neidenbach müssen neue Führungspersönlichkeiten ran. Wir brauchen Leute, die uneingeschränkt hinter der Partei stehen und nicht kontraproduktiv arbeiten", sagte Billen. Ob und wann der Graben überwunden werden kann, blieb auch nach der Mitgliederversammlung völlig offen. Die Gruppierungen saßen an getrennten Tischen, die gespannte Atmosphäre war greifbar. Aber wie schon bei der Nominierungsversammlung in Badem blieb auch in Kyllburg eine offene Diskussion aus. Nur außerhalb von Parteiveranstaltungen äußern Mitglieder Kritik. Politisch kalt gestellt werde jeder, der sich kritisch gegen die Parteioberen auflehne, sagt man hinter vorgehaltener Hand. Andererseits heißt es in Parteikreisen, dass in der gemeinsamen Sitzung von Fraktion und Vorstand des Gemeindeverbandes in der vergangenen Woche Tacheles geredet worden sei. Aber: "Das in der öffentlichen Sitzung zu wiederholen, schadet der Partei mehr, als es nützt", sagte Peter Schwickerath am Rande der Veranstaltung. Versöhnliche Töne kamen derweil vom Vorsitzenden: "Wir müssen feinfühliger hinhören. Die Meinung der Mitglieder und Mandatsträger muss mehr Gehör finden. Dazu ist auch notwendig, dass wir mehr miteinander sprechen", bot Berscheid an. Die gute Arbeit fortsetzen, die politischen Positionen klarer herausstellen und innerparteilich den Informationsfluss am Laufen halten, das seien die richtigen Wege dorthin. "Dazu ist es notwendig, eine Kommunikationsplattform aufzubauen und zu unterhalten. Die Gesprächsmöglichkeiten zwischen Räten und Funktionsträgern müssen ausgebaut und genutzt werden", sagte Berscheid. In einem Referat nahm Michael Billen vor allem Bundes- und Landespolitik ins Visier. "Es macht keinen Spaß mehr, Politiker zu sein", konstatierte der Landtagsabgeordnete. In seiner Analyse ging er auf die guten Umfrageergebnisse der Christdemokraten ein, stellte aber fest, "dass die CDU derzeit eher von der Wahlenthaltung lebt und nicht von einer höheren Zustimmung zur Partei. Es reicht nicht, in Berlin nur nein zusagen. Es müssen nachvollziehbare Konzepte auf den Tisch", forderte Billen. Der Landesregierung warf er Politikverweigerung vor: "Im Land muss endlich etwas getan werden für Infrastruktur, Bildung und innere Sicherheit."