Schwein gegen Ziege; Wittlich und Bitburg messen sich beim Städte-Duell des Trierischen Volksfreunds

Schwein gegen Ziege; Wittlich und Bitburg messen sich beim Städte-Duell des Trierischen Volksfreunds

Lieber Pizza oder Bier? Beides natürlich! Warum sollte man sich auch zwischen den wohl bekanntesten Produkten aus Wittlich und Bitburg entscheiden müssen. Vergleichen kann man die beiden Mittelzentren und das, was sie zu bieten haben, aber natürlich schon. Genau darum geht es beim TV-Städte-Duell.

Zwei Kreisstädte, beide Versorgungszentren mit Einzugsgebieten von jeweils mehr als 60 000 Menschen. Es gibt vieles, was Bitburg und Wittlich auch jenseits der 2002 fertig gebauten A 60 verbindet. Obgleich die Autobahn beide Städte, die nur gut 20 Minuten voneinander entfernt liegen, näher gebracht hat. So viele Gemeinsamkeiten, so unterschiedlich sind aber auch die beiden Städte und ihre Entwicklung. Vergleichen wir also Äpfel mit Birnen? Ja und nein, aber warum auch nicht? Ein Vergleich schult das Auge, öffnet den Blick für Neues, regt zum Nachdenken an und soll dabei einfach auch Spaß machen. Deshalb: Bevor morgen unsere Städte-Duell-Beilage in ,Der Woch' erscheint; hier ein erster Überblick in Sachen Schwein und Ziege.

Lage, Lage, Lage: Wittlich, gerade mal 160 Meter über dem Meeresspiegel gelegen, kann - rein geografisch betrachtet - Bitburg, in 340 Meter Höhe thronend, eigentlich nicht das Wasser reichen. Reich an besten Böden sind aber eben wegen ihrer besonderen geografischen Lage beide. Das gilt für das Bitburger Gutsland mit seinen ertragreichen Kalkböden wie auch für die Wittlicher Senke mit ihren fruchtbaren Auenböden. Dank dieser Lage waren die Gebiete der beiden Städte auch schon recht früh besiedelt.
Beide starten mit 1:1

Ein bisschen Geschichte: So richtig los ging es in der Römerzeit: Bitburg, ein Straßendorf, das Vicus Beda. Wittlich, Standort eines palastähnlichen Herrscherhauses, der Villa Rustica. Zum Vergleich: Die Villa Rustica hatte eine Länge von 140 Metern; das befestigte Römerkastell Vicus Beda war in der Nord-Süd-Ausrichtung 160 Meter lang. Dafür war die Villa mit 28 Metern Breite eher schmal - das Vicus hingegen mit 130 Metern schon recht stattlich.
Bitburgzieht vor 2:1

Wann ist eine Stadt eine Stadt? Bitburg hat sich aus kleinen Anfängen vom Straßendorf zu einem zunehmend bedeutenderen Marktflecken entwickelt - und bekam im Jahr 1262 noch vor Wittlich Stadtrechte. Die Säubrenner mussten darauf bis 1291 warten. Auch was die erste urkundliche Erwähnung angeht, hat Bitburg mit dem Jahr 715 die Nase vor Wittlich, das erst 1065 erstmals urkundlich erwähnt wurde.
Zwei Punkte für Bitburg3:1

Größe und Stärke: Wittlich ist mit 19 657 Einwohnern deutlich größer als Bitburg mit seinen 14 292 (Quelle: die jeweilige Stadtverwaltung). Das gilt auch, wenn man nur die Einwohner in der Kernstadt, also ohne jene in den Stadtteilen, vergleicht: Auch dann liegt Wittlich mit 12 375 vor Bitburg mit 10 798. Dabei unterscheidet sich die Fläche nur wenig: Wittlich breitet sich auf 49 Quadratkilometer aus, Bitburg auf 47 Quadratkilometern. Keine Frage: Wittlich ist etwas städtischer als Bitburg. Das zeigt sich auch daran, dass es in Wittlich 712 Gebäude mit drei oder mehr Wohnungen gibt - in Bitburg gibt es nur 558 (Stand: Ende 2015).
Dreifacher Vorteil für Wittlich 4:3

Die Stadt als Stadt: Bitburg wirtschaftet solide. Die Einnahmen decken die Ausgaben, es gibt sogar einen kleinen Überschuss von rund 800 000 Euro. Der Schuldenstand liegt bei 24 Millionen Euro. Das sind rund 1680 Euro pro Einwohner. Die Steuereinnahmekraft beträgt 18 Millionen Euro. Das sieht in Wittlich, einmal abgesehen davon, dass die Steuereinnahmen mit rund 20 Millionen Euro ähnlich hoch sind, anders aus. Wittlich lebt über seine Verhältnisse: Die Ausgaben übersteigen die Einnahmen um rund 3,5 Millionen Euro. Der Schuldenberg beträgt 47 Millionen Euro. Das entspricht einer Pro-Kopf-Verschuldung von 2390 Euro (Quelle: Statistisches Landesamt).
Vorteil für Bitburg 4:4

Arbeiten: Wittlich hat als Arbeitsstandort mehr zu bieten als Bitburg. Die Säubrenner liegen mit 13 284 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten vor den Gäßestreppern mit 10 465. Entsprechend gibt es auch mehr Job-Einpendler nach Wittlich (9538) als nach Bitburg (7855). Ähnlich wiederum ist, dass die beiden Krankenhäuser zu den größten Arbeitgebern zählen. In Bitburg gehört dazu natürlich auch noch die Brauerei und in Wittlich wiederum Dr. Oetker - beide Arbeitgeber sind dank Pizza und Bier in aller Munde. In Bitburg macht es die Tradition, in Wittlich die Ansiedlung von Großbetrieben. Jenseits aller Geschmacksfragen sprechen die nackten Zahlen für Wittlich.
Wittlich schafft das 5:4

Leben: Bei den Schulen liefern sich die beiden Städte ein Kopf-an-Kopf-Rennen, das Wittlich mit zwölf für sich entscheidet. Bitburg kommt nur auf elf, seit die Gesundheitsfachschule in die Nachbarstadt gewechselt ist. Dafür gibt es in Bitburgs Kernstadt sechs Kitas mit zusammen 670 Plätzen, während es in Wittlichs Kernstadt nur fünf Kitas mit 460 Plätzen gibt. Bei Spielplätzen wiederum liegt Wittlich mit 26 vor Bitburg mit 20. Was den Wittlichern ihr Georg Meistermann, das ist in Bitburg Fritz von Wille. Haus Beda auf der einen, das alte Rathaus auf der anderen Seite. Ob Haus der Jugend oder Mehrgenerationenhaus: Das bieten beide Städte.
Was Bitburg aber in Sachen Freizeit voraus hat, sind Eishalle und das große Erlebnisschwimmbad Cascade samt Sauna-Landschaft. Deshalb und weil mehr Kita-Plätze in der Kernstadt in Relation zur geringeren Einwohnerzahl beachtlich sind:
Bitburg gleicht aus zum 5:5

Schwein und Ziege: Während in der Säubrenner Sage das Schwein die Möhre frisst, mit der das Stadttor verriegelt war (wie kann man nur so was machen?!) und die Belagerer Wittlich erobern, haben es die Gäßestrepper geschickter angestellt: Kinder "streppten" (streiften) sich Felle von "Gäßen" (Ziegen) über und tanzten so verkleidet auf der Stadtmauer herum. Die Belagerer verzogen sich, weil sie dachten, dass eine Stadt, die noch so viel Vieh hat, so schnell nicht auszuhungern ist.
Cleverle-Vorteil für Bitburg6:5

Feste feiern: Eins muss man den Säubrennern lassen: Was sie geschafft haben, aus ihrer Stadtsage zu machen, kann sich sehen lassen. Die Säubrennerkirmes, die 1950 Premiere gefeiert hat, ist mit 100 000 Besuchern eines der größten Volksfeste der Region. Da kann das Gäßestrepperfest mit ein paar Hundert Gästen natürlich nicht mithalten. Und auch das Folklore-Festival, das 1965 als Grenzlandtreffen in Bitburg Premiere hatte, kommt mit seinen 60 000 Besuchern nicht ran.
Treffer für Wittlich zum 6:6

Das Vieh: Noch heute hat Bitburg, die Stadt der "Ackerwirte und Handwerker", mit 3133 Schweinen und 1653 Rindern deutlich mehr Vieh als Wittlich, "Tor zu Eifel und Mosel", wo gerade mal 796 Rinder gezählt sind, aber kein einziges Schwein. Wen wundert's. Während es in Bitburg-Matzen noch Schweinezucht gibt, steht in Wittlich passenderweise ein großer Schlachtbetrieb. Schwein oder Nicht-Schwein ist hier die Frage und wir sagen: ein klares Unentschieden.
Es bleibt beim 6:6

Das Leben findet innen statt: Blick auf die Innenstädte: Was historische Bausubstanz angeht, muss Bitburg, das im Zweiten Weltkrieg nahezu vollständig zerstört wurde, passen. Wittlich hingegen, das zu 70 Prozent auch nach dem Krieg noch stand, hat einen malerischen Marktplatz, der von Ensembles historischer Bürgerhäuser gesäumt wird.
Die Säubrennerstadt liegt am Fluss. Bitburgs neue Mitte, der Spittel, hat sich erst im Zuge des Umbaus vor einem Jahr zu einem wirklichen Stadtmittelpunkt und Treffpunkt entwickelt. An dem Platz, der von einem modernen Neubau begrenzt wird, steht nur ein einziges historisches Gebäude mit Barockfassade.
Wittlich schafft mit Flair das 7:6

Noch mehr Innenstadt: Was die reine Verkaufsfläche angeht, schlägt Wittlich Bitburg zwar knapp mit rund 76 000 Quadratmetern zu 74 000 Quadratmetern (Angaben Stadtverwaltung). Aber: in Wittlich stehen 36 von 234 Ladenlokalen leer - in Bitburg sind es mit 31 von 239 etwas weniger (Quelle: Industrie- und Handelskammer Trier).
Schon 2009 stand in Bitburg die Stadthalle, während das Eventum in Wittlich erst 2013 eröffnet wurde. Andererseits: Während Wittlich längst seine Schlossgalerie hat, wird in Bitburg noch über eine Bit-Galerie diskutiert. Immerhin: Derzeit wird die Fußgängerzone in Bitburg saniert, der Abschied vom Charme der 70er Jahre. Die Stadt baut nun auf eine klare, moderne Architektur.
Bitburg macht mit Dynamik 7:7Extra

Foto: (m_wil )

In den kommenden vier Wochen werden wir Wittlich und Bitburg auf Herz und Nieren prüfen und vergleichen. Wir werden Sie auf Shopping-Touren mitnehmen. Wir werden Wittlicher nach Bitburg schicken und Bitburger nach Wittlich jeweils mit Bewertungsbögen in der Hand. Wir werden junge Menschen zu ihrer Stadt befragen, die Impressionen von Stadtrundgängen mit Menschen einfangen, die noch nie in Bitburg oder Wittlich waren - und aus all dem versuchen zu errechnen, welche Stadt an welcher Stelle die Nase vorn hat. Eines der wichtigsten Bewertungskriterien wird Ihre Meinung sein, die wir in einer Umfrage erfahren wollen. Gehen Sie heute ab 17 Uhr auf <b>volksfreund.de/umfrage und geben Sie uns Ihre Einschätzung. Wir sind gespannt. lars

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