Schwere Entscheidungen über leichte Mädchen

Wirtschaft : Prostitution im Eifelkreis: Schwerer Beschluss zu leichten Mädchen

Die Stadt Speicher plant die Prostitution im Gewerbegebiet zu erlauben. Dazu zwingt sie ein Urteil des Oberverwaltungsgerichts. Auch Irrel und Prüm müssen sich mit der Zulassung von Bordellen auseinandersetzen.

Jeder Bitburger weiß, was hinter den Vorhängen der Etablissements in der Mötscher Straße vor sich geht. In der Bierstadt müssen sich Prostituierte nicht verstecken. Bordelle gehören seit Jahren zum Stadtbild wie Kneipen und Restaurants. Auch im Bitburger Land und in der Verbandsgemeinde (VG) Arzfeld sind solche Clubs – zumindest auf dem Papier – erlaubt.

Anders sieht es in den Verbandsgemeinden Speicher, Prüm und in der Alt-VG Irrel aus. Hier ist Prostitution seit 2005 tabu – und zwar überall. So steht es in einer Sperrverordnung der Aufsichts- und Genehmigungsdirektion Trier. Als Grund wird „der Schutz der Jugend und des Anstands“ angeführt.

Das Problem: Noch im selben Jahr hatte das Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz diese Sperrzonen für unwirksam erklärt. Die Richter entschieden damals, dass sich das älteste Gewerbe der Welt nicht pauschal verbieten lasse. Schließlich sind Bordelle in Deutschland legal.

Das ist nun 13 Jahre her. Doch erst jetzt hat die Kreisverwaltung Bitburg-Prüm die Verbandsgemeinden darauf hingewiesen, eine neue Rechtsgrundlage zu schaffen. Das heißt: Sie müssen der Prostitution ein Türchen öffnen – Anstand hin oder her. Die Speicherer werden kreisweit wohl die ersten sein, die den Bordsteinschwalben sagen, wo sie sich niederlassen dürfen und wo nicht.

Speicher: Dabei ist es lange her, dass es in der kleinsten VG des Kreises überhaupt ein Bordell gegeben hat. Vor etwa zehn Jahren, schätzt Stadtbürgermeister Erhard Hirschberg, habe es da mal „so ein Etablissement“ in Beilingen gegeben. Sehr zum Unmut der Bewohner des kleinen Eifelortes herrschte dort Hochbetrieb, erzählt er. Von Dauer sei das Geschäft trotzdem nicht gewesen. Als die Verwaltung von dem unangemeldeten Bordell Wind bekam, wurde das Rotlicht ausgeknipst.

  • Vertreter der Beamten
  • Sauna-Bordell für die Automeile
  • Prüm: Oberverwaltungsgericht lehnt Berufung von Windkraftbetreibern ab

Danach hätten sich in der Verbandsgemeinde seines Wissens keine leichten Mädchen mehr blicken lassen. In der Stadt Speicher habe es seit Jahren nicht mal mehr eine Anfrage gegeben, ein Freudenhaus zu bauen. Der Druck auf die Speicherer scheint also nicht groß zu sein.

Trotzdem hat sich die Kleinstadt als erste im Eifelkreis um eine neue Verordnung gekümmert. Das Thema wurde kürzlich im Hauptausschuss diskutiert. Hier sind sich alle Fraktionen einig: Prostitution im Wohngebiet ist „nicht sexy“, wie Karin Plein von der CDU es ausdrückt – vor allem dort nicht, wo Kinder wohnen. Daher soll die Speicherer Innenstadt weiterhin eine Sperrzone bleiben.

Schwieriger wird es bei den Industriegebieten. Denn dort, wo sich Gewerbe angesiedelt hat, kann man es dem horizontalen Gewerbe kaum verwehren. So zumindest legt die Stadtverwaltung die Rechtslage aus. Sie schlägt daher vor, die Prostitution im Christoph-Olk-Weg, der Industriestraße, der Herforster Straße, der Weiherheide und Im Niederbüsch zuzulassen.

Aber auch dort gebe es Wohnhäuser, wirft SPD-Mitglied Raimund Biewer ein: „Wir können doch nicht wollen, dass dort solche Objekte, man nennt sie ja Bordelle, entstehen.“ Doch ums Wollen geht es an diesem Tag nicht, sondern darum, was man verbieten darf.

Und so entscheidet sich sich der Hauptausschuss letztlich für den Vorschlag der Verwaltung, die Prostitution in den genannten Straßen grundsätzlich zu erlauben – mit einer Gegenstimme von Biewer. Diesen Vorschlag muss der Stadtrat bei der nächsten Sitzung bestätigen.

Dagegen gibt es Kritik vom Kreisverband des Naturschutzbundes BUND. Denn die Straßen, die die Verwaltung für die Prostitution freigeben wollen, liegen teils im Naturschutzgebiet bei den Speicherer Tongruben. Dort jetzt käufliche Liebe zuzulassen zeige, dass Speicher sein Schutzgebiet nicht wertschätze, sagt BUND-Sprecherin Agnes Tillmann-Steinbuß.

Ob es in den weiteren Kommunen der Verbandsgemeinde Proteste geben wird, bleibt abzuwarten. Die Gemeinderäte werden über das Thema jedenfalls noch sprechen, kündigt die Verwaltung an.

Südeifel: So weit seien die Südeifeler noch nicht, sagt VG-Bürgermeister Moritz Petry. Das liege daran, dass es in der Südeifel kein Problem mit Prostitution gebe. Und das, obwohl die einstige Sperrverordnung in der Alt-VG Irrel seit Jahren außer Kraft ist und es rund um Neuerburg gar keine Rechtsgrundlage gibt. Ihm sei kein einziges Bordell in der Südeifel bekannt, sagt Petry. Für Bordellbetreiber lohne sich seine VG wohl kaum, mutmaßt der Bürgermeister.

Dennoch wolle die Verwaltung in naher Zukunft doch auf die seit Jahren geänderte Rechtslage reagieren, sagt Petry. In der Zwischenzeit reiche es aber, auf einzelne Anfragen, sollten sie denn eingehen, zu reagieren.

Prüm: So sieht es auch Peter Hillen, der Fachbereichsleiter für Bürgerdienste in der Verbandsgemeinde Prüm: „Für uns ist das kein Riesenproblem.“

Daher plane die Verwaltung auch nicht, eine neue Sperre zu verhängen. „Wenn jemand ein Bordell eröffnen will, schauen wir halt, ob das mit dem Umfeld vereinbar ist“, sagt er. Das trifft auf den Club St. Tropez in Prüm und den Club Envie in Niederprüm offenbar zu. Die Bordelle stehen zwar mitten im Sperrgebiet, werden von der Verbandsgemeinde aber seit Jahren geduldet. Der Grund laut der Verwaltung: Bestandsschutz.

Die Etablissements standen schon, bevor die VG sich eine Verordnung gab.

Mehr von Volksfreund