Schwitztempel mit Schönheitsfehlern

Schwitztempel mit Schönheitsfehlern

Wie groß der Sanierungsbedarf im Cascade-Bad ist, darüber berät der Aufsichtsrat der Betreibergesellschaft bei seiner nächsten Sitzung. Der TV hat Besucher der Sauna und die einzelnen Stadtratsfraktionen nach ihrer Meinung gefragt.

Bitburg. Lange vor dem Bau schmähten Kritiker das 14 Millionen Euro teure Cascade-Bad als "Schwimmoper". Trifft der Begriff zu, wird in manchen Bereichen mittlerweile offensichtlich "Der arme Heinrich" gegeben: 18 Jahre nach Eröffnung zeigt das Erlebnisbad einigen Sanierungsbedarf - auch im Saunabereich: verkalkte Armaturen, abblätternder Lack, tiefe Fugen zwischen lädierten Fliesen, schwarze Flecken an der Decke. Schönheitsfehler, die noch Einzelfälle sind und die Nutzung noch nicht einschränken, sich aber doch langsam summieren.
Den schwitzfreudigen Besuchern entgeht der beginnende Verfall nicht: Hans Heinz wundert sich etwa, warum kleinere Schäden wie fehlende Fliesen "nicht sofort beseitigt werden". Außerdem rieche es im vorderen Bereich der Sauna oft unangenehm. "Ich vermute einen fehlkonstruierten Abfluss", sagt der Bademer, der den Betrieb aber auch ausdrücklich lobt: So seien die Massagen konkurrenzlos günstig, das Personal zuvorkommend. Das Ehepaar Linden kommt sogar aus Trier, obwohl es im dortigen Stadtbad eine große Saunalandschaft gibt. Ehefrau Brigitte findet zwar, dass man Mängel wie Kalkablagerungen und Flecken "wirklich nicht übersehen kann", stimmt aber Ehemann Josef zu, der sagt: "Was optisch nicht stimmt, wird hier mit freundlichem und gutem Personal wettgemacht!"
Auch Daniel Neises aus Oberweis findet es "besser als in Trier, es gibt zum Beispiel mehr Aufgüsse". Allerdings fielen ihm schon hier und da Schäden auf: "Im Dampfbad sind öfter Dinge defekt." Den Hauptbereich könnte er sich anders gestaltet vorstellen: "Ein Whirlpool an Stelle des Liegebeckens wäre toll."
Exakt diese Idee hatte die Geschäftsführerin des Bads auch schon: Elfriede Grewe hat dem TV gegenüber die Notwendigkeit einer baldigen Sanierung des Schwimmbades bejaht. Dabei wolle sie gerne nicht nur die manifesten Schäden beseitigen, sondern allgemein "die ganze Atmosphäre im Bad durch eine neue Beleuchtung, neue pflegeleichte Fliesen und Schallschutz hin zu einer Ruheoase verändern und wohliger gestalten".
Dazu sei im Sommer mit Architekten und Planern eine Hausbegehung durchgeführt worden, um zu sehen, welche Maßnahmen sinnvoll und machbar wären. Bis heute liegen daraus aber immer noch keine konkreten Ergebnisse vor - zumindest öffentlich: "Die Planungsphase dauert an, zunächst sollen die zuständigen Gremien entscheiden", äußert sich Grewe auf Anfrage.
Im aktuellen Wirtschaftsplan der Stadt sind einige Instandhaltungsarbeiten eingeplant: So sollen für 90 000 Euro Leitungen an Vorgaben der Trinkwasserverordnung angepasst werden. Weitere 100 000 Euro sollen in die Erneuerung des Kassensystems gesteckt werden. Grewe will damit "möglichst viel bewerkstelligen" - so gebe es im Bad mehr als 600 Schränke, die derzeit noch mit separaten Metallschlüsseln zu schließen sind. In Zukunft könnte das etwa mit einer Karte gehen, die auch den Eintritt gewährt.
Die Konkurrenz schläft nicht


Eine sichtbare Steigerung des Komforts käme zur richtigen Zeit - auch, weil die Konkurrenz nicht schläft: So hat man sich in Trier vor kurzem solch ein System geleistet, von einer opulenten Außenanlage mit drei Saunen gar nicht zu sprechen. Zwar muss sich Bitburg hier nicht verstecken, schließlich kann man es sich schon seit zehn Jahren im 2003 für 1,3 Millionen Euro angelegten Außenbereich ebenfalls in zwei hölzernen Schwitzhäusern mehr oder weniger gemütlich machen. Dass man sich auf dem Erreichten nicht ausruhen darf, ist aber bekannt. Dass sich der jährliche Verlust des Bads seit 2007 fast verdoppelt hat, liegt auch am Druck, den das Trierer Bad ausübt.
Schreiben Sie uns Ihre Meinung zur Situation des Cascade-Bads in wenigen Sätzen an
eifel-echo@volksfreund.de (Name und Wohnort nicht vergessen).

Extra

Im Innenbereich gibt es drei finnische Saunen (75 bis 95 Grad), ein Dampfbad und ein römisches Bad (Aufgüsse in der Regel stündlich). Der Außenbereich wartet mit einer Erd- und einer Feuersauna auf, zum Abkühlen gibt es ein Tauchbecken und eine Dusche. Eine Hydrojet-Wassermassage, Solarien und Ruheräume ergänzen das Angebot. Massagen gibt es ab 27 Euro für 20 Minuten. Außerdem gibt es Sonderaktionen wie die Irish-Pub-Nacht am 30. März, in der die Gäste mit Whiskey und Schwarzbier in die Sommerzeit hereinschwitzen. fggExtra

40 000 Saunabesucher bringen dem Schwimmbad pro Jahr 400 000 Euro - immerhin knapp die Hälfte dessen, was die 200 000 Schwimmer erwirtschaften. Dazu kommen Einnahmen aus Massage, Solarium, dem Verkaufsshop und Mieten von zusammen 300 000 Euro. Den Gesamteinnahmen von 1,5 Millionen Euro stehen Ausgaben von 1,9 Millionen Euro gegenüber: Das Personal kostet 1,1 Millionen Euro, bei den Betriebskosten schlägt die nötige Energie mit 370 000 Euro zu Buche, Instandhaltungen mit 230 000 Euro. scho