Segen statt Dünger?

BITBURG/PRÜM/DAUN. Die Bitte ums tägliche Brot, gutes Wetter, Gedeihen der Frucht und eine gute Ernte hat in der heutigen industrialisierten und globalisierten Welt eine besondere Bedeutung erlangt. Vielerorts haben sich im Eifel- und Moselraum die Bittprozessionen erhalten.

Bittgänge sind Tradition in der Eifel. Gebeten wurde früher wie heute darum, dass die Arbeit Frucht bringen und damit das Leben gesichert sein möge. Dies in Form einer Bittprozession zu tun, zeigt die Demut vor Gott und soll uns besonders darauf hinweisen, dass die Menschen ohne Gottes Hilfe diese Ziele nicht erreichen können. Besondere Bedeutung hatten für die Vorfahren die Bittprozessionen an den drei Tagen vor Christi Himmelfahrt. Noch heute finden sie in den katholischen, ländlich geprägten Gemeinden statt. Die Tradition der Bittprozessionen ist sehr alt: Sie entstanden im fünften Jahrhundert in Gallien, wo sie ursprünglich wegen Naturkatastrophen - Erdbeben und Missernten - abgehalten wurden. Zu Beginn des achten Jahrhunderts führte man sie in Rom ein. In einem vatikanischen Text heißt es: "An den Bitt- und Quatembertagen betet die Kirche für die mannigfachen menschlichen Anliegen, besonders für die Früchte der Erde und das menschliche Schaffen." Gottes Segen statt Dünger? "Keineswegs", meint Theologe Stefan Sühling. "Es geht dabei vielmehr darum, dass wir uns selbst als einen Teil der Schöpfung Gottes sehen und bekennen: Er schenkt Wachstum und Gedeihen." Schlechtwetter-Perioden und Unwetter zeigen für den Priester, dass der Mensch trotz aller Technik und Chemie die Natur nicht vollends beherrschen kann. Sühling sieht den Sinn der Bitt-Tage vor Christi Himmelfahrt auch darin, dass der Mensch sich seiner eigenen Schöpfungsverantwortung bewusst wird und die Natur nicht brutal vergewaltigen darf. Die vielfach von Menschen hierzulande mitverursachten Hochwasserkatastrophen vergangener Jahre sind für den Domvikar eine deutliche Warnung dafür, dass der Mensch nicht alles machen darf, was er kann. So sollen die Bitt-Tage unsere Verantwortung für die Schöpfung und vor unserem Schöpfer und den kommenden Generationen deutlich machen." Die Bitt-Tage zeigen nach den Worten Sühlings das Eingebundensein des menschlichen Lebens in die Natur. Unter den "Bitt-Tagen" versteht man die Gebets- und Prozessionstage vor dem Fest Christi Himmelfahrt mit Bittgang und Prozession. Bittgänge sind ein Jahrtausende altes und geschätztes Zeichen, den Glauben an Gott, an die Macht des vertrauenden Gebetes und die helfende Fürsprache der Heiligen zu bekunden.

Mehr von Volksfreund