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Sein Leben ist ein Rummelplatz

Sein Leben ist ein Rummelplatz

Bitburg Dieter Milz hält den Pinsel mit zwei Fingern. Er lässt die Borsten über das Geländer gleiten.

Türkise Farbe deckt die silbrigen Streben zu, wirft Bläschen. "Papa, da ist eine Spinne", ruft der etwa vierzehn Jahre alte Sohn. "Hm?", grunzt Milz, "Ah, da!" Das Insekt krabbelt über eine Stange - direkt in seinem Sichtfeld. Er schlägt das Tierchen mit der flachen Hand weg und streicht weiter.
Es ist 18.30 Uhr. Aber Milz hat noch lange nicht Feierabend. Bis morgen muss die Farbe trocken sein. Denn morgen öffnet der Rummelplatz auf dem Bitburger Bedaplatz. Dann werden dort am Geländer die Besucher Schlange stehen - so hofft es Milz jedenfalls.
Der 60 Jahre alte Schausteller aus Düren ist zum zweiten Mal in der Bierbrauerstadt zu Gast. Auch damals, vor elf Jahren, hat er beim Folklore Fest seine "Big Wave" aufgebaut. Die 14 Fahrgäste sitzen hier auf einer Bank, die sich wie eine Schaukel im Kreis dreht. Die Maschine ist riesengroß. Wie lange es wohl gedauert hat sie aufzubauen?
"Drei Stunden", sagt Milz, "kannste alles klappen." Es muss ja auch schnell gehen. Schließlich wird Milz sie in diesem Sommer noch gut 30 Mal auf- und abbauen - auf Festen und Rummeln überall in Deutschland.
Die einzige Hilfe dabei ist sein Sohn. Angestellte habe und wolle er keine - "nicht zuverlässig", sagt er, seine Frau sei verstorben. Und er wolle das hier auch nur noch so lange machen, bis "sein Junge erwachsen ist, aus der Schule raus". Und danach? "Will ich leben", sagt er ohne aufzusehen.
Um diese Uhrzeit sind Vater und Sohn die Einzigen, die am Vorabend noch auf dem Rummelplatz arbeiten. Die anderen Schausteller haben sich in ihre Wohnmobile zurückgezogen. Die Nummernschilder verraten: Sie kommen hauptsächlich aus Nordrhein-Westfalen und den Niederlanden. Aus einem Wagen säuselt Schlager, aus einem anderen der Ton eines Fernsehers. Sonst ist es still auf dem Bedaplatz.
Doch obwohl die Fahrgeschäfte stillstehen, die Buden verrammelt sind, liegt der Rummel schon in der Luft. Man kann ihn förmlich hören, riechen, schmecken: die Discobeats, das Rattern der Maschinen, der Geschmack von Softeis, der Geruch von Popcorn, "noch eine Runde, noch eine Wahnsinnsfahrt". Für den 60-jährigen Milz wird es eine der Letzten sein.