Seine Bilder tragen Echternach in die Welt: Fotograf Jacques Marie Bellwald starb vor 70 Jahren

Seine Bilder tragen Echternach in die Welt: Fotograf Jacques Marie Bellwald starb vor 70 Jahren

Er war Visionär, Illusionist, Multitalent, Geschäftsmann, Fotograf und alles in allem ein Filou, der nicht nur seine Heimat Echternach, sondern auch sich selbst gerne in Szene gesetzt hat. Mit einem Vortrag im Trifolion hat nun der Luxemburger Professor Frank Wilhelm den Fotografen Jacques Marie Bellwald gewürdigt, der vor genau 70 Jahren starb.

Foto: Sammlung Solange Coussement
Foto: Sammlung Solange Coussement
Foto: Sammlung Solange Coussement
Foto: Sammlung Solange Coussement
Ein Pionier: Mit seinem mobilen Fotostudio zog Jacques Marie Bellwald über Land, um die Menschen zu fotografieren – und sich selbst auch, wie das Selfie an der Rückwand des Wagens beweist. Foto: Sammlung Solange Coussement

Echternach. Welch ein nostalgisches Foto! Auf einem Steg über der Echternacher Wolfsschlucht flanieren die Damen im feinsten Sonntagsstaat, schicke Schuhe, Handtasche, unten im Tal die Türme der Willibrord-Basilika.

Fotos wie dieses sollten vor rund hundert Jahren Lust auf Echternach machen. Aufgenommen hat sie der Fotograf Jacques Marie Bellwald, dem dazu jedes Mittel recht war. Im Ernst: Welche Dame wagte sich in solchen Schuhen auf die Felsen? Und die Türme der Basilika sind von dort oben aus gar nicht zu sehen! Bellwald war das egal. Er war Künstler, wollte Echternach weit über die Grenzen hinaus bekannt machen und ins rechte Licht rücken.

"Bellwald wäre ein genialer Regisseur geworden", sagte der Luxemburger Historiker Frank Wilhelm bei einer Gedenkveranstaltung im Trifolion. Viele seiner Aufnahmen hat Bellwald regelrecht inszeniert, die Menschen in Dreiergruppen positioniert, immer wieder einen Gendarmen mit Pickelhaube ins Bild genommen, dazu ein Fahrrad.
Bellwald, 1871 geboren als drittes von zehn Kindern, war tatsächlich verrückt nach Technik: Als einer der Ersten in Echternach besaß er ein Fahrrad, ein Motorrad, Radio und Telefon. Geschäftstüchtig, wie er war, konnte er sich das leisten. Geschickt vermarktete er seine fast 1400 verschiedenen und durchnummerierten Postkarten in allerlei Formaten, dazu unzählige Fotos in Sepia, Schwarz-Weiß oder koloriert, die das Geschehen in der Abteistadt dokumentieren: die Überführung des heiligen Willibrord in die Basilika, die beiden Weltkriege, den Bau des Krankenhauses und immer wieder die Springprozession.

Es war Bellwald, der um 1900 die ersten Reiseführer über die Luxemburger Schweiz und die luxemburgische Mosel veröffentlichte, immer auch gespickt mit Werbung für das eigene Unternehmen. Den größten Clou hatte Bellwald allerdings bereits 1896 gelandet mit seinen ersten Kino-Vorführungen. Etwa 1500 gekaufte und aneinandergehängte Bilder, zum Beispiel von Palästina, ließ er dabei durch seinen Kinematographen laufen. Das dauerte zwar nur gut eine Minute, aber die Menschen waren begeistert. "Lebende Bilder! Ein wahres Wunder der Neuzeit. Unglaublich für den, der es nicht gesehen", stand später in der Zeitung. Frank Wilhelm ist sicher: "Bellwald hatte gleich das Auge dafür: Das kann ich kommerziell einsetzen, die Leute anlocken und nachher meine eigenen Bilder verkaufen."

Bellwald war ein Meister seines Fachs, doch nicht der einzige im Land. In Anzeigen wehrte er sich gegen Nachahmer oder jene, die vorgaben, in seinem Auftrag zu fotografieren. Sein Geschäft, das er prestigeträchtig direkt am Marktplatz neben dem Denzelt eingerichtet hatte, baute er kontinuierlich weiter aus. Wie ein fliegender Händler zog er mit einem von einem Pferd gezogenen Wohnwagen durch Luxemburg und die Eifel, um Menschen zu fotografieren und die Bilder darin gleich vor Ort entwickeln zu können.

Heute haben die Postkarten von Bellwald hohen Sammlerwert, und die Echternacher wissen seine Verdienste zu schätzen. Anlässlich seines 70. Todestages - er starb im April 1945 beim Tritt auf eine deutsche Tellermine - hat der Tourismusverein Echternach einen Fotowettbewerb ausgelobt. Über 1000 Menschen haben ihr Bild von Echternach eingereicht. Im Januar werden die Sieger gekürt. Die besten Aufnahmen sollen - ganz wie bei Bellwald damals - als Werbung für Echternach eingesetzt werden.

Informationen und Bilder bietet die Seite der Sammlerin Solange Coussement: www.oldpostcardsluxembourg.com

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