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Seit mehr als 20 Jahren ist der Bitburger Erich Weiler Wahlhelfer

Ein Mann und viele Kreuzchen : Seit mehr als 20 Jahren ist der Bitburger Erich Weiler als Wahlhelfer tätig

Seit mehr als 20 Jahren ist der Bitburger Erich Weiler als Wahlhelfer tätig. Er selbst bevorzugt in der Regel die Briefwahl.

„Demokratie ist ein hohes Gut“, sagt Erich Weiler, „und wozu es führen kann, wenn wir dieses Gut nicht schützen, das wissen wir ja leider.“ Früher war Weiler selbst kommunalpolitisch in Ausschüssen tätig, inzwischen überlässt der 61-Jährige das aber lieber anderen und vor allem jüngeren. Politisch interessiert ist der Inhaber einer kleinen Verlagsdruckerei in der Bitburger Fußgängerzone aber nach wie vor. Und deshalb hat sich Weiler auch schon mit allen möglichen Szenarien für den Ausgang der kommenden Landtagswahl am 14. März befasst.

„Theoretisch könnte der Eifelkreis nach der Wahl mit fünf Personen im Landtag vertreten sein“, sagt Weiler und erklärt dann, was wie laufen müsste, damit es dazu kommen könnte. Möglich wäre es demnach in der Tat. Und auch nicht vollkommen unrealistisch. Wobei es dann für den ein oder anderen besonders gut laufen müsste. Aber weiß das schon.

Weiler, seit mehr als 40 Jahren Mitglied der SPD, weiß es genauso wenig wie der Rest der Bevölkerung, erfährt es aber unter Umständen ein wenig früher als viele andere. Denn der Bitburger ist seit mehr als 20 Jahren als Wahlhelfer im Rathaus im Einsatz. Er übernimmt mit weiteren Helfern jeweils eine der beiden Schichten und hilft anschließend bei der Auszählung der Stimmen.

So auch bei der Wahl in wenigen Wochen. „Wobei wir diesmal wahrscheinlich weniger als Wahlhelfer und dafür mehr als Putzkräfte tätig sein werden“, sagt er grinsend. Schließlich müssten die Wahlkabinen und die Kugelschreiber nach jedem Wähler desinfiziert werden. Weiler rechnet auch damit, dass aufgrund der Corona-Pandemie deutlich weniger Menschen ins Wahllokal kommen werden als sonst und sich stattdessen für die Briefwahl entscheiden.

Er selbst bevorzuge auch die Briefwahl, sagt er. Das allerdings auch nur bei Kommunalwahlen, weil man sich dort im Grunde den Kreistag oder aber den Stadtrat exakt so zusammensetzen könne, wie man es gerne hätte. „Ich möchte in Ruhe schauen, wen ich im Rat haben möchte und wen auf keinen Fall“, sagt Weiler. „Das kann ich im Wahllokal natürlich auch“, fügt er hinzu, „aber das kann dann auch schon mal eine Viertelstunde dauern.“

Für die bevorstehende Landtagswahl gilt das jedoch nicht. Jeder Wähler hat zwei Stimmen, von denen es bei der einen neun und bei der anderen 13 Möglichkeiten zum Ankreuzen gibt. Eine recht überschaubare Angelegenheit also - wenn man den Wahlzettel lesen kann. Was aber nicht immer der Fall ist.

„Ich musste zum Beispiel einmal einem Blinden beim Ausfüllen des Wahlzettels helfen. Ich habe ihm dann alles vorgelesen und er hat mir dann gesagt, was ich ankreuzen soll“, erinnert sich Weiler. Und er habe auch schon den Fall gehabt, dass ein Mann von seiner Frau in die Wahlkabine begleitet werden musste, weil er nicht lesen konnte.

Ihm sei wichtig, dass möglichst jeder von seinem Wahlrecht Gebrauch mache, sagt Weiler. Und wenn jemand zum Beispiel bei einer Stichwahl keine der beiden Optionen ankreuze und stattdessen beide durchstreiche, dann sei das auch ein Statement.

„Dann ist der Zettel zwar ungültig, trotzdem hat damit jemand seine Meinung zum Ausdruck gebracht“, so der 61-Jährige. Und das finde er auf jeden Fall besser als sich gar nicht erst an der Wahl zu beteiligen: „Wer zu Hause bleibt und nicht wählt, der darf sich dann nachher am Stammtisch auch nicht über die Politik beschweren.“