Selbst die Erinnerungen verblassen

Selbst die Erinnerungen verblassen

BITBURG. Vor genau 60 Jahren hatte in Bitburg gerade erst die Besatzungszeit begonnen. Einige Relikte der Nazizeit und des Krieges sind aber heute noch zu sehen und werden bei einem historischen Stadtrundgang erkundbar gemacht.

Die Stadt Bitburg hat eine braune Vergangenheit wie viele andere Städte auch. Und genau so, wie viele andere Städte wurde durch den Krieg viel zerstört. "Endsieg oder Bolschewismus" - diese am Ende des Zweiten Weltkriegs auf einen der Bahnsteige im Bahnhof Bitburg-Erdorf gepinselte Durchhalteparole kann der aufmerksame Beobachter auch heute noch entdecken. Aber diese Losung ist längst nicht alles, was vom Dritten Reich und dem Zweiten Weltkrieg in Bitburg übrig geblieben ist. Man muss manchmal nur zwei Mal gucken und ins Museum gehen. Dass die Spuren des Kriegs - nicht nur an den Häusern - noch vorhanden sind, wird an den Angeboten rund um die Ausstellung "Trümmerzeit - Bitburg 1945 und Bertolt Brecht" deutlich. Übrigens war Brecht nie in Bitburg gewesen. Es war vielmehr ein Foto der zerstörten Hauptstraße, das er in einer amerikanischen Zeitung sah und das ihn zu einem Kurzgedicht inspirierte (der TV berichtete). Das Kreismuseum Bitburg-Prüm hat in Zusammenarbeit mit der Kulturgemeinschaft Bitburg zum Themenkomplex "Drittes Reich, Krieg und Kriegsende" ein umfangreiches Programm zusammengestellt. Es soll erfahrbar machen, wie das Bitburg der Zeit zwischen 1933 und 1945 gewesen war, wobei der Schwerpunkt im Bereich Kriegsende liegt. Dreh- und Angelpunkt des Programms ist die Ausstellung, die noch bis Ende Mai im Kreismuseum in der Trierer Straße zu sehen ist. Neben einer Einführung in die Schau gibt es für Gruppen und Schulklassen unter anderem noch die Möglichkeit, den Luftschutzraum des früher als Schule genutzten Hauses zu besichtigen. Zudem gibt es zwei auf verschieden Altersgruppen abgestimmte Fragebögen. In diesen Bögen geht es beispielsweise um das Wiedererkennen eines Straßenzugs, der durch die Kampfhandlungen stark in Mitleidenschaft gezogen wurde. Aber auch die so elementare Frage, was denn da vor 60 Jahren geschehen ist, wird gestellt. Auch außerhalb der Museumsmauern werden die Ereignisse aus der kurzen Zeit des "Tausendjährigen Reichs" ein Stück weit wieder lebendig. Anhand eines eigens erstellten Plans werden die Schüler auf Entdeckungsreise geschickt. Das alte Gefängnis am Spittel, das Adolf-Hitler-Haus am Kopfende des gleichen Platzes oder das HJ-Heim sind Stationen des Spaziergangs. Auch Einschusslöcher am Eifelbräu oder die Gedenktafel am Zangerles Eck, wo durch einen Bombentreffer viele Menschen im Keller der damals dort stehenden Brauerei starben, gehören mit zum Programm. "Wir bieten auch Gespräche mit Zeitzeugen an", sagt Museumsleiter Burkhard Kaufmann. Die vornehmlich über die Kulturgemeinschaft rekrutierten Erzähler berichten eindringlich und aus erster Hand, wie sie als Kinder und Jugendliche den Krieg erlebt und überlebt haben. All diese Angebote machen deutlich, dass es bei der Auseinandersetzung mit dem Thema Krieg darum geht, eine Verbindung zwischen der eigenen Erfahrenswelt des 21. Jahrhunderts und den Geschehnissen in Bitburg der Jahre 1933 bis 1945 herzustellen. "Gerade die jungen Besucher sind oft überrascht, dass es so etwas wie Hitlerjugend oder Adolf-Hitler-Haus auch hier gegeben hat", sagt Kaufmann. Die Kosten für Eintritt und Führung werden für Schülergruppen übernommen von er Sparkassenstiftung Bitburg-Prüm. Informationen zum Angebot gibt es unter Telefon 06561/683 888 oder per E-Mail unter kreismuseum.bitburg-pruem@t-online.de.Berichte von Zeitzeugen finden Sie heute auf SEITE 13