Selbst für die Hölle zu hinterhältig

Selbst für die Hölle zu hinterhältig

In sechs Tagen ist Halloween, das Fest der schaurigen Kostüme und der leuchtenden Kürbisse. Bei uns in Deutschland wird das Fest am Abend vor Allerheiligen noch gar nicht so lange gefeiert. Der Brauch wurde erst in den vergangenen 20 Jahren nach und nach aus den USA übernommen. Verantwortlich für das jährliche Kürbisgemetzel sind allerdings nicht die Amerikaner, sondern ein hinterlistiger Ire. Und der Teufel.

Bernkastel-Wittlich. Kennt ihr eigentlich Jack O\'Lantern? Nun, den müsst ihr eigentlich auch nicht unbedingt kennen. Denn Jack O\'Lantern ist ein Nichtsnutz. Oder vielmehr: Er war ein Nichtsnutz. Genau genommen war er ein hinterhältiger, betrügerischer Säufer. Das zumindest sagt man ihm nach. Er war so link, dass er es sogar geschafft hat, den Teufel höchstpersönlich reinzulegen. Und das sogar mehrfach.
Proviant für die Hölle


Angefangen hat alles in einer Kneipe in Irland. Da hing Jack regelmäßig rum. Eines Abends kam der Teufel in die Kneipe, um den alten, miesen Jack ins höllische Jenseits abzuholen. Jack konnte den Teufel dazu überreden, ihm noch einen letzten Whiskey auszugeben. Sozusagen als letzten Wunsch. Der Teufel willigte schließlich ein. Doch weil der Höllenfürst kein Geld dabeihatte, um den Whiskey zu bezahlen, verwandelte er sich in eine Münze. Das jedoch war ein Fehler. Jack verzichtete nämlich auf den letzten Whiskey und schnappte sich stattdessen die Münze, steckte diese in seinen Geldsack, so dass der Teufel darin gefangen war. Um wieder freizukommen, musste der Teufel Jack erst versprechen, ihn noch ein weiteres Jahr leben zu lassen. Der Chef der Hölle willigte ein, wurde wieder befreit und verschwand.
Ein Jahr später kam er wieder, um Jack endgültig für seinen vorgesehenen Aufenthalt in der Hölle abzuholen. Der alte Säufer leistete keinen Widerstand, bat den Teufel aber darum, dass dieser ihm bitte noch einen Apfel vom Baum pflücke, damit er auf seinen Weg zur Hölle wenigstens noch etwas Proviant habe. Der Teufel willigte auch diesmal wieder ein und kletterte auf den Apfelbaum. Doch als er oben war, ritzte Jack unten mit seinem Messer ein Kreuz in den Stamm, so dass der Teufel, der ja bekanntermaßen äußerst allergisch auf dieses Symbol reagiert, nicht mehr vom Apfelbaum runterkam. Und so konnte Jack dem Teufel ein weiteres Mal eine Verlängerung seiner Lebenszeit abluchsen.
Irgendwann aber war auch Jacks Zeit gekommen. Er starb. Und weil er zeitlebens nur Böses getan hat, blieb ihm nichts anderes als die Hölle. Doch der Teufel, der bereits zwei Mal auf Jack reingefallen war, hatte die Nase voll. Er verweigerte Jack den Zutritt zur Hölle, drückte ihm stattdessen ein Stück glühende Kohle in die Hand und schickte ihn wieder fort in die Dunkelheit. Und da die Kohle zwar sehr hell, aber eben auch dementsprechend heiß war, nahm Jack eine ausgehöhlte Rübe, legte die Kohle dort rein und zog nun mit seiner Laterne durch die Finsternis. Daher auch der Name Jack O\'Lantern. Denn das englische Wort Lantern heißt auf Deutsch Laterne.
Kürbisse statt Rüben


Dass sich das Ganze so zugetragen hat, ist natürlich unwahrscheinlich. So naiv kann ja selbst der Teufel nicht sein. Doch weil die Menschen früher sehr abergläubisch waren, entstand aus der leuchtenden Rübe in Irland irgendwann die Tradition, zum Halloween-Fest leuchtende Rüben aufzustellen, um so die bösen Geister zu vertreiben.
Das Wort Halloween ist nämlich von der englischen Bezeichnung "All Hallows\' Eve" (Allerheiligenabend) abgeleitet, und gemeint ist damit der Abend vor Allerheiligen. Halloween ist am 31. Oktober, Allerheiligen am 1. November.
Nun fragt ihr euch aber sicher, wieso überall leuchtende Kürbisfratzen stehen, wenn Jack doch mit einer Rübe umhergezogen ist. Nun, das liegt daran, dass in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts viele Iren aus ihrer Heimat nach Amerika ausgewandert sind. Und weil es dort so viele Kürbisse gab, kam man irgendwann auf die Idee, statt der Rüben Kürbisse zu verwenden. Ist ja auch praktisch. Schließlich ist ein Kürbis viel größer. Damit lassen sich dann ja auch viel mehr Geister vertreiben.