Selbstbestimmt zum verbesserten Zuhause
Mehr Platz für ihre Betreuungsarbeit haben die Barmherzigen Brüder vom Schönfelderhof in Zemmer künftig am Standort Prüm. Im Juli wollen sie den Erweiterungsbau des Zentrums in der Tiergartenstraße beziehen.
Prüm. "Training für ein selbstständiges Leben": Die TV-Überschrift zur Einweihung des Gemeindepsychiatrischen Zentrums Prüm im Jahr 1999 trifft nach wie vor den Kern. "Mit dem Schlagwort Empowerment bezeichnen wir das Ziel Selbstbefähigung, Mitwirkung und Selbstbestimmung der betreuten Menschen", erklärt Albert Mandler, Leiter der gemeindepsychiatrischen Angebote im Trägerverein Barmherzige Brüder Trier. "Diese Begegnung auf Augenhöhe zwischen Mitarbeitern und Klienten pflegen wir auch in unseren Einrichtungen in Zemmer, Trier, Schweich, Hermeskeil, Bitburg und Daun."Dass dies nicht nur ein Lippenbekenntnis ist, beweist die gemeinsame Arbeitsgruppe mit Vertretern aus allen Standorten, die eine Konzeption zu dem Leitgedanken entwirft.Das Prümer Zentrum direkt neben der Polizei-Inspektion gliedert sich in Tagesstätte, Betreutes Wohnen sowie Kontakt- und Beratungsstelle. Zu den therapeutischen Angeboten tagsüber gehören zum Beispiel Gedächtnistraining, gemeinsame Spaziergänge, Schwimmen, Kegeln, Kochen sowie Ergotherapie und Arbeitstherapie mit künstlerisch-handwerklichem Gestalten. Eine von derzeit 15 Klienten in diesem Bereich ist Ute Bachran. "Anfangs fiel es mir schwer, geregelte Zeiten einzuhalten. Inzwischen hat sich das gebessert, und ich komme sehr gerne hierher zu Besuch", berichtet die 53-Jährige. "Kontakt mit anderen Bewohnern tut mir gut"
Ihr Gesundheitszustand hat sich ebenso gebessert wie bei Matthias Eis, der zuvor mehrfach in der Psychiatrie des Gerolsteiner Krankenhauses behandelt wurde. "Der soziale Kontakt mit den Mitbewohnern, die Gespräche und Gesellschaftsspiele tun mir gut", sagt der 47-Jährige, der seit 1999 ein Appartement im Zentrum bewohnt.Wie er nutzen das Betreute Wohnen im Haus vier weitere Klienten, die tagsüber teilweise bei den Westeifel Werken in Weinsheim arbeiten. Zusätzlich gibt es eine intensiv betreute Wohngruppe mit vier Mitgliedern. 15 Klienten werden in ihren Wohnungen außerhalb des Zentrums betreut.In der Funktion als Kontakt- und Beratungsstelle stehen die Mitarbeiter für Fragen rund um das Thema psychische Beeinträchtigung zur Verfügung. Am Offenen Treff kann jeder unverbindlich teilnehmen. Im Haus sind sechs Mitarbeiter beschäftigt, dazu zeitweise Praktikanten und Zivildienstleistende."Aus den Reihen der Klienten kamen Hinweise auf Platzmangel und Verbesserungsvorschläge", berichtet Mandler. "Neben interner Umorganisation entstand so der Gedanke einer Erweiterung." Mit dem privaten Investor aus Bitburg, dem der Gebäudekomplex gehört, schloss der Trägerverein einen neuen langfristigen Mietvertrag. Den Bedarf zusätzlicher Kapazitäten stimmten die Schönfelder mit der Kreisverwaltung Bitburg-Prüm ab. Die Finanzierung der so genannten Eingliederungshilfe teilen sich Kreis und Land. Abhängig von der Art der Leistung und vom Einkommen der Betreuten übernehmen auch Krankenkassen und Klienten selbst Kosten.Im Anbau steht ein größerer Raum für den Offenen Treff zur Verfügung. Dazu kommen Multifunktionsraum, Pflegebad, Raucherraum mit Absauganlage und fünf Appartements. Nach einem Jahr Bauzeit soll der dreigeschossige Trakt mit 410 Quadratmetern Nutzfläche im Juli 2007 fertig sein.